„Der Aufkleber bremst“ – Pliezhäuser Initiative fordert Tempolimit

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Fünf Pliezhäuser Bürgerinnen  und Bürger fordern „Tempolimit jetzt“, sie sagen: Wenn der Verkehrsminister nicht reagiert, müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden

Begonnen hatte alles mit einer Idee: Susanne Stetter aus dem Pliezhäuser Gemeinderat hatte sich überlegt, dass es mittlerweile nicht mehr 5 vor 12, sondern in Sachen Klimawandel schon 5 nach 12 sei. Mindestens. Die Katastrophen auf der ganzen Welt würden es deutlich aufzeigen, das Ahrtal war nur eines der vielen Beispiele. Die Waldbrände auf der ganzen Welt, Überschwemmungen, Dürren – was brauche es noch, damit die Welt und auch die Bundesregierung endlich umlenke, fragte sich Stetter.

„Es kann doch nicht sein, dass die kleinste Partei in der Regierung derart Klientelpolitik betreibt“, sagt auch Maximilian Bess beim Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn die Regierenden nicht reagieren, dann müssten zumindest die einfachsten Maßnahmen von ganz unten kommen. Das Tempolimit sei solch ein Mittel. Die Gruppe hatte überlegt, dass es freiwillig sein sollte, schließlich sind doch 42 Prozent aller Bundesbürgerinnen und -bürger für ein Tempolimit auf Autobahnen, dazu 22 Prozent, die eher ja zu Tempo 130 sagten. Das hatte das Umweltbundesamt ermittelt.

Eine Mehrheit ist für ein Tempolimit auf Autobahnen

„Und selbst 54 Prozent der ADAC-Mitglieder sind doch für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen“, sagt Meggy Zimmermann. Dass Deutschland in ganz Europa das einzige Land ohne Tempolimit ist, das sei eh nicht nachvollziehbar. „Freie Fahrt für freie Bürger“, stecke laut Susanne Stetter offensichtlich immer noch tief im Bewusstsein deutscher Autofahrer. Die Deutsche Umwelthilfe ist bei ihren Forderungen allerdings noch drastischer, sie fordert Tempo 100 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen und 30 innerorts.

Im vergangenen Sommer nahm Stetter Kontakt zum Rübgartener Grafiker Martin Lang auf. Er fertigte einige Entwürfe für einen Aufkleber, Stetter finanzierte den ersten Druck. „Tempolimit freiwillig“ stand auf dem „Bepper“, ein grüngelb-lächelnder Baum war darauf zu sehen. „Wir dachten zunächst wir verkaufen den Aufkleber zum Selbstkostenpreis, das lief aber gar nicht“, erinnert sich Rose Marstaller-Bess. „Früher gab es für jedes Anliegen Aufkleber, heute will offensichtlich niemand mehr für etwas einstehen“, so Stetter.

Freiwilliges Tempolimit gescheitert

Schließlich verschenkte die Gruppe die Bepper. Aber höchst selten sehen die Aktiven den lächelnden Baum auf einem Auto herumfahren. „Dabei habe ich selbst gemerkt, wie der Aufkleber hinten auf meinem Auto mich bremst“, sagt Lang und schmunzelt. Doch das freiwillige Limit spreche wohl zu wenige an. Also müsse eine gesetzliche Vorgabe von oben kommen, dachte sich Susanne Stetter. Deshalb sitzt die Gruppe nun im Esszimmer des Paars Marstaller-Bess.

Ein neuer Lang-Entwurf des Beppers (der dem von einst mit AKW – NEIN DANKE ähnelt) fordert nun „TEMPOLIMIT JETZT“. Die Frage der Finanzierung der Aufkleber ist noch nicht geklärt. Bei mindestens 1000 Stück läge der Selbstkostenpreis für einen Bepper bei rund 1,30 Euro. „Wir sollten es probieren“, ist sich die Gruppe einig. Martin Lang hat die ersten 100 Bepper schon bestellt. Alle hoffen auf reges Interesse. Und auf Unterstützung von Verbänden, Initiativen, Gruppierungen. „Nachgedruckt wäre schnell“, so Lang.

Klar sei bei alldem: Die kleine Initiative will mit ihrer Aktion ein Signal setzen. Weit über Pliezhausen hinaus. „Es geht nicht nur um unseren Ort – wir wollen die Welt retten“, sagt Maximilian Bess und lacht. Doch ganz im Ernst, sagt die Gruppe: Es müsse was passieren. Politischer Druck müsse aufgebaut werden. Also nehmen sie es selbst in die Hand. Und hoffen auf Unterstützung.

INFO:

Tempolimit wurde versprochen

Bevor die Ampel-Regierung in Amt und Würden kam, hatten SPD und Grüne ein Tempolimit auf Autobahnen gefordert. Die FDP hatte es verhindert. Das Deutsche Umweltbundesamt sagte, dass der Verkehrssektor der einzige Bereich sei, der seine Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 nicht verringert hat. Deshalb müsse nun gerade in dem Bereich nachgesteuert werden. „Der Verkehr steuert beim Klimaschutz in die falsche Richtung“, sagte der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, am 4. November 2021 gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Drastische Maßnahmen seien notwendig.

Doch es passierte weiterhin – nichts. Das nervte die kleine Gruppe Pliezhäuser Bürgerinnen und Bürger. Nun hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg der Klage von Deutscher Umwelthilfe sowie BUND zugestimmt und ein Sofortprogramm kurzfristig wirksamer Maßnahmen gegen die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich gefordert. „Jetzt muss doch was passieren“, ist sich die Gruppe in Pliezhausen einig.

INFO:

Interesse an Bepper „TEMPOLIMIT JETZT“?

Wer solche Aufkleber mit der Forderung „TEMPOLIMIT JETZT“ zum Selbstkostenpreis bestellen will, kann sich an folgende Email-Adresse wenden: .

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