2 Endlich Bretagne 2019 – Quimper

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Heute waren wir in Quimper, zuvor allerdings auf dem Markt in Plomodiern. Klein und beschaulich war der. Ein paar wenige Obst- und Gemüsestände. Ein Käse- und ein Grill-Hähnchenstand, zwei Schmuck-, ein Bilder-Stand sowie ein Ein-Euro-Stand. Das war’s. Ach so, ein Scherenschleifer war auch noch da. Ob das in Frankreich auch als etwas verrufenes Gewerbe gilt? Egal.

Gestern Morgen waren wir schon mal an gleicher Stelle, wunderten uns, dass da so gar nichts zu sehen war von einem Markt. Kein einziger Stand. In der Pharmacie fragte ich dann nach, was denn mit dem Markt in dem Ort wäre. „Marché? Intermarché“, fragte die Frau hinter der Kasse und wollte uns offensichtlich zum Supermarkt lotsen. In der Apotheke waren wir, weil ich gestern den ganzen Tag Kopfschmerzen hatte. Offensichtlich, weil ich mit offenem Autofenster den kühlen Wind auf meine rechte Seite blasen ließ. Das hat man davon. Der Apothekerin versuchte ich mit Händen und Füßen zu erläutern, dass wir nicht zum Supermarkt wollten, sondern uns fragten, was denn mit dem wöchentlichen Markt sei. Das simple Wort „Straßenschild“ wollte mir absolut nicht einfallen, darauf stand doch in der Ortsmitte geschrieben, dass „Vendredi 7 à 14 heures“ das Parken dort verboten ist, weil „marché“ sei.

Ich rang um Worte (und um Luft), bis mir nach endlos scheinenden Sekunden auf englisch „roadsign“ einfiel. Die Frau blickte mich wissend an, meinte „oui, oui, the market in the city“ oder so ähnlich. Und ich fragte „vendredi?“ „Oui“, sagte sie. „C’est demain.“ Wie peinlich. Ich und Bine waren davon ausgegangen, dass „vendredi“ der Donnerstag ist. Auf Freitag sind wir beide nicht gekommen. Und selbst beim krampfhaften Überlegen, was denn jetzt Donnerstag heißen könnte, fiel uns nach dem Pharmacie-Gespräch „jeudi“ nicht ein. Das fanden wir erst zurück in der Wohnung im Internet heraus. So was Blödes. Und dieses Erlebnis hatte auch sofort widerlegt, was ich meinem Bruder per What’s App auf seine Frage geantwortet hatte, wie denn unsere Verständigung hier klappt. Da hatte ich geschrieben: „Gut, solange die Franzosen nichts sagen.“ So war es bisher ja auch. Unsere zuvor wohlformulierten Fragen haben sie stets gut verstanden – wir allerdings nicht ihre Antworten. In der Pharmacie fehlten uns nun aber selbst die Worte. Naja. Wenn aber die letzten Französisch-Konversationen auch schon rund vier Jahrzehnte zurückliegen. Schade nur, dass wir wahrscheinlich in unserem Urlaub das Wort für Straßenschild kaum mehr brauchen werden. Als ich es im Netz nachschaute, stand da ganz einfach „panneau“.

Heute also Quimper. Eine Stadt größeren Ausmaßes, also deutlich größer als die kleinen Orte wie Plomodiern oder Locronan. Die alte Innenstadt von Quimper ist nett, mit vielen Fachwerkhäusern, einer großen Kathedrale,

einem „Place au beurre“, also einem Butterplatz. Warum der so heißt? „Weil hier wohl mal Butter verkauft wurde“, mutmaßte Bine etwas spöttisch.

Ja. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Eine riesige Kathedrale hat die Stadt auch, ebenso wie eine Präfektur. Also wohl so was wie eine Regionalverwaltung. In dem Krimi aus der Bretagne, den Bine und ich gerade lesen, spielt Quimper mit seinem Präfekten auch eine gewisse Rolle. Der Schriftsteller Bannalec und sein Monsieur le commissaire Dupin beschreiben die Landschaft und die Leute sehr anschaulich und reizvoll – die Handlung des Krimis ist allerdings etwas zäh. Naja. Trotzdem passt das Buch zu einem Bretagne-Urlaub.

Übrigens fährt Bine hier die meiste Zeit mit dem Auto, während ich ziemlich unverkrampft danebensitze. Zumindest die meiste Zeit. Manchmal kriege ich leichte Zustände, wenn sie mir dann doch zu weit nach rechts an die unbefestigten Randstreifen gerät, um Abstand zu den entgegenkommenden Autos zu halten, „die doch viel zu weit in der Mitte der Straße fahren“, wie Bine immer wieder betont. Dass sie dann aber nicht in die Schlaglöcher am Straßenrand fahren müsse, meine ich dann anbringen zu müssen. Vielleicht sieht das für mich auch einfach nur wesentlich schlimmer aus, weil ich ja dem rechten Straßenrand sowieso deutlich näher bin als Bine. Aber sonst fährt sie echt super. Beherrscht das Navi problemlos. Und hat immer alles im Blick. Bis auf den Umstand, dass sie die „passage surelevé“, also die Hubbel in den Ortschaften, die den Verkehr kräftig ausbremsen, manchmal ziemlich schwungvoll anfährt. Aber das ist ja erneut alles nur eine Frage des Blickwinkels. Wenn ich nämlich extrem langsam das Auto nahezu über diesen Hubbel hinübertrage – dann meint Bine auf dem Beifahrersitz immer noch, dass ich wie eine gesengte Sau über die Schwellen rase. Wenn sie allerdings die extrem steile Passage vor „unserem“ Strand nahezu ungebremst herunterrast, so dass sie kaum die kommenden Kurven kriegt – dann findet sie das völlig normal. Alles eine Frage des Blickwinkels.

Eine etwas nervige Nachricht: Die Maus ist zurück. Also wohl kaum diejenige, die bisher schon von der Mausefalle erschlagen wurde. Aber wahrscheinlich eine aus ihrer reichhaltigen Verwandtschaft. Also mindestens eine. Gestern Abend machte ich die Tür zu dem Schrank unter der Spüle auf, um etwas in den Müllbehälter zu werfen, da sprang genau in diesem Moment eine Maus aus dem Müll hervor und verschwand hinter den Putzmitteln. Nicht auszumalen, sie wäre in die Wohnung hineingesprungen und würde dann dort ihr Unwesen treiben. Dem ersten Schreck folgte die Frage, was nun zu tun sei. Eine Mausefalle hatten wir ja noch, die stellten wir dann auch mit Käse gespickt auf, in diesem Schrank unter der Spüle. Als wir heute Morgen dann die Tür aufzogen, sahen wir die Mausefalle. Scheinbar unberührt. Doch der Käse war weg. Offensichtlich hatte die Maus vom Tod ihrer Kollegin gelernt, sich nicht von vorne an die Falle und den Käse herangeschlichen, sondern seitwärts. Ohne dabei den Totschlagmechanismus auszulösen. Aber so richtig geschmeckt hat der bayerische Käse der französischen Maus dann wohl doch nicht. Ein Reststückchen lag noch am Boden des Schranks. Bine hat nun die Falle erneut präpariert. Und wir warten mal ab. Und kaufen noch ein paar Fallen. Wer weiß, wie viele von den Gesellinnen und Gesellen da noch hinter den Putzmitteln warten. Unsere Wohnungsnachbarn, die Solothurner, haben übrigens keine Maus in ihrer Wohnung beobachtet. Aber sie sind ja nun auch abgereist. Also die Solothurner. Nicht die Mäuse.

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