Umfragen

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Neulich geschah es, ich hatte gerade mit dem Kochen begonnen, da klingelte es an der Tür. Ich ging hin, öffnete, da stand ein Mann mit großer Brille, runden Gläsern, Mantel und Aktentasche unter dem Arm. „Infratest“, sagte er nur. Ohje, dachte ich. Umfrage. Ich entgegnete: „Tut mir leid, hab gar keine Zeit und außerdem steht eine Pfanne auf dem Herd.“ Der Mann sah mich an, sagte erst gar nichts, dann aber doch: „Bei uns gilt ja Meinungsfreiheit.“ „Äh – ja“, sagte ich und schloss die Tür. Schließlich brutzelte ja das Essen in der Pfanne. Während ich weiterkochte, überlegte ich, was mir der Umfragemensch mit seiner inhaltsschweren Bemerkung mit auf meinen weiteren Lebensweg geben wollte. Vielleicht, dass er mir aufgrund meiner abweisenden Haltung liebend gerne einen Faustschlag versetzt hätte – aber es gelte ja (bedauerlicherweise) Meinungsfreiheit? Ich weiß es nicht. Hätte er nochmals geklingelt, hätte ich ihn fragen können. Doch er tat es nicht. Stattdessen werde ich jetzt wohl in Bälde mit einer Infratest-Umfrage konfrontiert. Der Inhalt: Männer und ihre Überforderung im Haushalt. Die männlichen Wesen der Schöpfung können ja nicht  mal zwei so lapidare Sachen wie kochen und Tür öffnen zusammenbringen. Von wegen Multitasking und so. Sollte dann der Infratest-Mann irgendwann mal wieder bei mir vorbeischneien, dann, dann … dann werde ich ihm aber kräftig meine Meinung sagen. Wegen der Freiheit und so. Allerdings hoffe ich, dass ich dann nicht gerade beim Kochen beschäftigt bin.

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