Metzinger Friedenswochen startet am 8. Oktober und bietet bis 15. November eine große Zahl an gewichtigen Veranstaltungen zum Thema Frieden
„Durch die Veranstaltungen während der Metzinger Friedenswochen wird die Welt sich nicht verändern“, sagte Jörg Karle, Pfarrer an der Martinskirche beim Pressegespräch am Dienstag. „Aber wir wollen für Themen sensibilisieren, für Zusammenhänge und an der Resilienz der Menschen arbeiten, sie widerstandsfähiger gegen andere Tendenzen machen.“
Was der Metzinger Pfarrer damit ansprach, waren insgesamt zehn Veranstaltungen der diesjährigen Metzinger Friedenswochen. Der Start erfolgt am 8. Oktober mit einer Ausstellung unter dem Titel „Kindersoldat*innen: Krieg statt Kindheit“ – alles andere als ein leichtes Thema, Referent Dr. Richard Bösch wird als Geschäftsführer von pax christi den Hintergrund erläutern.
(Foto: Vom AK Frieden Metzingen präsentierten am Dienstag die Aktiven das diesjährige Programm der Metzinger Friedenswochen, (von links) Susanne Bernauer, Jörg Karle, Karin Berkemer und Reinhard Glatzel.)
Es sei dringend notwendig, miteinander zu reden, in einer Zeit, in der „aufeinander draufhauen viel populärer ist“, betonte Susanne Bernauer vom AK Frieden Metzingen beim Pressegespräch. „Wenn selbst von der Politik aus Signale gesendet werden, dass Gewalt legitim ist, dann strahlt das auch in die Bevölkerung aus“, ergänzte Karin Berkemer. Ein aktuelles Thema sprach Reinhard Glatzel an: Als Johann Wadephul mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung gesprochen hat, sei der deutsche Außenminister danach von den Medien lächerlich gemacht worden. Ein Unding befand Glatzel.
„Kriegstüchtig zu sein, ist heute normal“, sagte Berkemer. „Bereits produzierte Waffen sind hochgefährlich, weil sie irgendwann eingesetzt werden“, so Bernauer. Angst werde immer weiter geschürt, viel zu wenige Bemühungen würden angestrengt, um miteinander zu reden. „Das muss aufhören mit den Kriegen“, befand Glatzel.
Frankreich und Deutschland seien laut Karin Berkemer auch mal Erzfeinde gewesen – es habe sich gezeigt, dassHass überwunden werden könne. „Es ist wichtig, dass man sich kennt und austauscht.“ Dass der kulturelle Austausch mit Russland nach Beginn des Ukraine-Kriegs gestoppt wurde, sei falsch gewesen, betonte Susanne Bernauer. Angst sei immer ein Ausdruck von Hilflosigkeit, betonte der Metzinger Pfarrer. „Wenn ein Aggressor auftaucht, dann dürfen wir uns nicht von Angst leiten und lähmen lassen.“
Und wenn die neueste Militärtechnologie von allen Seiten immer wieder als „Gamechanger“ betrachtet werde, sei das grundfalsch. All die Waffen müssten schließlich bezahlt werden, das Geld fehle dann an viel zu vielen anderen Stellen, sagte Berkemer. „Und das wirtschaftliche Wachstum, das wir jetzt haben, geht nur auf die Rüstungsindustrie zurück – die reibt sich die Hände über den Aufschwung“, so Glatzel.
INFO:
Veranstaltungen der Metzinger Friedenswochen
Nach der Ausstellungseröffnung in der Martinskirche am Donnerstag, 8. Oktober, gibt es am Samstag, 10. Oktober, ab 9.30 Uhr, im Rahmen der Friedenswochen unter dem Motto „couragiert widerstandsfähig“ auf dem Marktplatz „Friedenslieder zur Marktzeit“ – zum Zuhören und Mitsingen. Am Mittwoch, 14. Oktober, 19.30 Uhr, folgt eine Lesung mit Gesine Keller in der Aula des Metzinger Gymnasiums, Thema: „Dietrich Bonhoeffer – der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen“. Am Dienstag, 20. Oktober, 19 Uhr, berichtet Elisabeth Abenda von der Landes-Servicestelle Friedensbildung über ihre Arbeit an Schulen, wie Schüler über das Thema Frieden denken.
Im Luna-Filmtheater läuft am Sonntag, 1. November, um 19.30 Uhr, „A single day“, ein Film über einen US-Soldaten, der im Vietnamkrieg ein Massaker an Zivilisten zu verhindern suchte. Weiter geht es am Donnerstag, 5. November, um 19.30 Uhr, im Kulturforum: Wie es gelingen kann, „Wehrhaft ohne Waffen“ zu sein, darüber referiert Friedensforscher Prof. Egon Spiegel.
Am Dienstag, 10. November, 19.30 Uhr, kommt Klaus Pfisterer von der Deutschen Friedensgesellschaft in die Stadtbücherei und berichtet über „Wehrdienstpflicht – ein weiterer Schritt zur Militarisierung der Gesellschaft“. Ein Vortrag von Dr. Susanne Edel, ehemals Pfarrerin in Kirchentellinsfurt, berichtet am Donnerstag, 12. November, 19.30 Uhr, im Martinshaus über „Wege aus Gewalt und Krieg in einer ver-rückten Welt“.
Einen Stadtspaziergang zum Thema „Spuren von Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ bietet Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier am Samstag, 14. November, um 15 Uhr, an, Treffpunkt Rathaus Metzingen. Die Friedenswochen enden am Sonntag, 15. November, um 10 Uhr, in der Martinskirche mit einem Ökumenischen Gottesdienst – „traditionell am Volkstrauertag“, so Karle.