„Wie inneres Blumenpflücken“ – Mundartgesellschaft verleiht Preis an Jan Sellner

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(Foto oben: Jan Sellner (Mitte) erhielt am Dienstag einen Preis von Dr. Raimund Schur und Manuela König verliehen.)

Redakteur Jan Sellner erhält die Friedrich-E.-Vogt-Medaille von der Mundartgesellschaft Württemberg für Verdienste um die schwäbische Mundart

 Die Kolumne „Auf gut schwäbisch“ in Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten hat mittlerweile Kultcharakter. Die Spalte erscheint täglich und das seit mittlerweile 17 Jahren. Aus einer Laune heraus sei diese Dialekt-Kolumne entstanden, betonte am Dienstagabend in der Reutlinger Volksbank Kolumnen-Erfinder und -Betreiber Jan Sellner. Die liebsten schwäbischen Ausdrücke seien damals gesucht worden, gewonnen hatten „Muggaseggela“ und Bräschdlingsgsälz“.

Von der Mundartgesellschaft Württemberg wurde Jan Sellner nun für „seine Verdienste um die schwäbische Mundart“ ausgezeichnet. Und zwar mit der Friedrich-E.-Vogt-Medaille. Der Stuttgarter Zeitungsredakteur war der 15. Preisträger, wie Holger Hummel als Regionalvorstand der Reutlinger Volksbank betonte.

Mehr als 5.000mal ist die Sparte „Auf gut Schwäbisch“ bis heute erschienen, betonte der Ausgezeichnete selbst am Dienstagabend in der Volksbank. Einige Bücher sind daraus entstanden, elf Kalender, „bis Corona trafen sich 35 Mundartstammtische regelmäßig – doch dann hätten sie sich aufgelöst.

„Eigentlich müssten hier mein Kollege Tom Hörner zusammen mit ein paar tausend Lesern stehen und die Medaille entgegennehmen“, so Sellner. Denn: Leserinnen und Leser beteiligen sich aktiv und mit Begeisterung an dem Diskurs über schwäbische Ausdrücke, Worte und Redewendungen.

(Foto: Für seine „Verdienste um die schwäbische Mundart“ erhielt Jan Sellner die Friedrich-E.-Vogt-Medaille.)

Eine treue Fangemeinde schicke schwäbische Gedichte, Geschichten, die zumeist zu positiv hinterlegten Erinnerungen bei anderen anregen. Wenig verwunderlich also, dass bei all den täglichen negativen Nachrichten die Kolumne „wie eine Insel der Erholung wirkt“, wie eine Leserin es formuliert hatte.

Die Laudatio am Dienstagabend hielt Dr. Julia Braun als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Tübinger Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Gemeinsam diskutieren Leserinnen und Leser der Kolumne über die Herkunft von schwäbischen Worten, „das funktioniert wie Wikipedia auf Papier, es ist ein Gemeinschaftswerk“, so Braun. Am 3. April 2009 erschien die erste Ausgabe dieser Kolumne. Bis heute ist sie laut Sellner 5.283mal erschienen und es werden noch viel mehr, zeigte sich der Preisträger überzeugt.

Rund 20.000 Briefe seien bisher in der Redaktion zu „Auf gut Schwäbisch“ eingegangen, dazu etwa 15.000 Mails. Alle Lebensbereiche seien betroffen, sehr häufig Religion und Kirche, bis hin zur Küche, zum Schaffen, zum Essen und noch viel mehr.

„Wir wollen verbinden, nicht ausgrenzen“, sagte der Redakteur. „Auch nach 17 Jahren wird uns nicht langweilig – immer wieder kommen Ausdrücke, die erstmal niemand kennt.“ Aus der ganzen Welt erreichen Sellner und Hörner Beiträge. Viele der Zuschriften würden berichten, dass die Kolumne gute Laune verbreite, zum Schmunzeln und Lachen anrege. „Dass so viel Leut ihr Sach g’schickt hend – des muass doch älles gsammelt, gsichtet ond ei‘g’ordnet werra“, wunderte sich der schwäbische Kabarettist Jörg Beirer in der Volksbank.

Ebenfalls zum Zug kam am Dienstagabend Elena Seeger, mehrfach ausgezeichnete schwäbische Liedermacherin. In einem Lied ging sie auf der Schwaben liebste Entspannungsmethode ein – auf das „Jomera ond Bruddla“. Seeger sehnte sich musikalisch zudem zurück in ihre Kindertage in Hausen im Killertal: „Kennt i no oimal am Kuchatisch sitza mit em Opa, i hätt dir so viel zum Verzähla.“

Ähnlich ergeht es offensichtlich auch den Leserinnen und Lesern der „Auf gut Schwäbisch“-Kolumne: „Sie ist ein Kontrastprogramm zu Mord und Totschlag in den Zeitungen“, betonte Julia Braun. „Etwas Vergleichbares gibt es in ganz Deutschland nicht.“

Ein Leser habe einst geschrieben, für ihn sei die Kolumne „wie inneres Blumenpflücken“. Julia Braun betonte: „Sie ergreifen die Chance, sich immer wieder für Toleranz einzusetzen.“ Kurz darauf überreichten Manuela König und Dr. Raimund Schur als Vorstandsmitglieder der Mundartgesellschaft die Medaille mitsamt Urkunde an Jan Sellner.

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