Reutlinger Rennwiese erneut Treffpunkt für Tausende Läuferinnen und Läufer beim 26. Spendenmarathon – Dringende Suche nach Helfern
Frosch-Maskottchen Kermit-Fridolin vom Matthias-Claudius-Kindergarten aus Betzingen stand am Rand der Strecke, winkte der riesigen Zahl an Kindern zu und feuerte sie an: Allein die kleinen Läuferinnen und Läufer der Städtischen Kindergärten in Reutlingen sind am Samstagvormittag beim 26. Spendenmarathon sagenhafte 3.185 Runden oder 1.060 Kilometer gelaufen.
Schon beim Aufwärmen mit Hansi Klöden (von der Kindertagesbetreuung der Stadt) hatten seine Übungen und vor allem seine Geschichte vom Ritter mit dem kleinen Pony nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert.
Um 11 Uhr hielt Didi von Au den großen, golden glänzenden Start-Gong und Oberbürgermeister Thomas Keck schlug einmal kräftig zu. Schleunigst mussten die beiden dann allerdings schauen, dass sie die Rennstrecke verließen – denn die vielen hundert Läuferinnen und Läufer, die gleich zu Beginn die Tartanbahn füllten, waren nicht mehr zu zügeln und drängten darauf, eine möglichst große Zahl an Runden zurückzulegen. Und dann für jede einzelne zu spenden – denn das ist ja für das Reutlinger Spendenparlament Sinn und Zweck des besonderen Marathons. Damit mit diesem Geld wiederum Gutes getan werden kann. Gerechnet werde nach den Worten von Charlotte Fliedner mit einem Spendenbetrag ähnlich dem im vergangenen Jahr – 2025 kamen stolze 23.000 Euro zusammen.
16 verschiedene Vereine und Organisationen hatten teilgenommen. Darunter Polizei, Feuerwehr, Gemeindepsychiatrie, Fair-Energie, Landratsamt, TBR, Kreissparkasse, einige Schulen, die Interessengemeinschaft Laufen (IGL), die Grünen, viele weitere Einrichtungen wie auch der AK Flucht und Asyl, der 161 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke brachte. Zusammen haben sie fast 2.900 Runden zurückgelegt. Allein Franchin Kammo hatte dazu unglaubliche 210 Runden, beigetragen – was rund 70 Kilometern entsprach.
Die St.-Wolfgang-Schule war mit 110 Läuferinnen und Läufern auf der Strecke und legte ebenfalls rund 2.900 Runden zurück. Doch das ehrenamtliche Engagement ging noch weiter: Bei der Essensversorgung etwa taten sich Gruppierungen hervor, die Pfadfinder Eningen hatten ein veganes Curry zubereitet. Und im Philharmonie-Mobil konnten zudem klassisch-musikalische Konzerterfahrungen gemacht werden. Richtig lustig wurde es für kleine und große Kinder bei der Aufführung von Didi von Au als Clown Clip.
„Das Interesse am Spendenmarathon reißt nicht ab“, freute sich Dr. Barbara Dürr als Präsidentin des Reutlinger Spendenparlaments. „In 26 Jahren sind bei dem Marathon über eine Million Euro an Spenden gesammelt worden.“ OB Keck freute sich ebenfalls: „Der Lauf ist eine ganz tolle Sache.“
Am Rand der Strecke waren zudem einige Organisationen mit Ständen vertreten, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. So etwa die Gemeindepsychiatrie GP.rt oder auch „Wirbelwind“, die Initiative gegen sexualisierte Gewalt: „Wir sind dort, wo Kinder sind“, sagte Geschäftsführerin Manuela Lieb.
(Foto: Schon beim Aufwärmen hatten große und kleine Kinder sichtbar ihren Spaß.)
Wie ein großes Familienfest erschien zahlreichen Teilnehmern die Großveranstaltung auf der Rennwiese. „Viele freuen sich auf das Wiedersehen“, sagte Dürr. Dementsprechend gut war auch die Stimmung in diesem Jahr, bei bestem Wetter – gelassen, friedlich, freundlich, erwartungsvoll (wie viele Runden jede und jeder Einzelne dieses Mal schafft).
Doch nicht alles war locker und flockig – Angelika Mehnert sprach als Engagierte beim Reutlinger Spendenparlament ein massives Problem an: Knapp 20 Helferinnen und Helfer hatten bei der Vorbereitung des 26. Marathons geholfen – was bei all den Aufgaben keine besonders große Zahl war. „Und wir überaltern“, so Mehnert. „Wir müssen uns dringend verjüngen.“ Das sei aber alles andere als eine leichte Aufgabe, weil kaum jüngere Engagierte zu finden seien. „Es ist ja auch ein ganz praktisches Problem, je älter wir werden, desto weniger Tische können wir stemmen“, betonte Angelika Mehnert.
Gefreut hat sich allerdings Charlotte Fliedner als Vorsitzende des Trägervereins über ein leuchtendes Gegenbeispiel: Zainab Hauser hatte als Lehrerin mit einem Projekt an der Jos-Weiß-Schule von den Ausschüttungen des Spendenparlaments profitiert. „Ich habe mich bereit erklärt, ein Projekt im Jahr für das Spendenparlament durchzuführen“, sagte Hauser. Im November veranstaltet sie eine Kinderdisco im Spitalhof.