Weniger jammern und Unternehmen Mut machen – Transformationskongress der Reutlinger IHK

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Transformationskongress der Reutlinger Industrie- und Handelskammer (IHK) mit aufrüttelnden Beiträgen

Transformation ist eigentlich was völlig Normales, betonte Reutlingens IHK-Präsident Johannes Schwörer am vergangenen Freitag beim „Transformationskongress der Industrie- und Handelskammer, denn: In der Region Neckar-Alb lebten die Menschen einst von der Landwirtschaft, dann von der Textilbranche, heute in weiten Teilen von einer Dienstleistungswirtschaft, so Schwörer.

Aber: Sicherheit, Wohlstand, Aufstieg und Auskommen in den vergangenen Jahrzehnten hätten „uns zufrieden und manche sicher auch träge gemacht“. Die Trägheit aber müsse „abgeschüttelt werden, „wir haben das Zeug zum Comeback“, betonte Johannes Schwörer. Genau diesen Aspekt unterstrich am vergangenen Freitag auch Franz Loogen von der Innovationsagentur e-mobil: „Die Region ist im Bereich von Forschung und Entwicklung gut aufgestellt.“ Aber: Um Zukunft gestalten zu können, um aus der momentanen Transformation gestärkt hervorzugehen brauche es eine Hypothese, wie sich die Gesellschaft in den kommenden 20 bis 30 Jahren entwickeln wird. Klar sei heute, dass die Klimaschäden zunehmen werden, immer mehr Flüchtlinge ihre Heimat verlassen, die Zahl der Hitzetoten zunimmt.

Aber: Loogen zeigte sich überzeugt, dass die Region eine Zukunftshypothese für die nächste Generation entwickeln kann und wird. Allerdings brauche es zum Gelingen auch wichtige Faktoren wie Führung, Orientierung, Kommunikation, Transparenz, Qualifizierung und Kompetenz sowie eine Lern- und Fehlerkultur, betonte Marleen Keller, ebenfalls vom e-mobil.

Antonia Hettinger von der Reutlinger IHK präsentierte Zahlen aus einer Studie zu den Stärken und Schwächen der Region Neckar-Alb. Ihr Fazit: „Wir sind innovativ gut aufgestellt, der Arbeitsmarkt ist positiv“ – wenn auch klar sei, dass ohne Zuwanderung die Beschäftigung schrumpfen werde. Allerdings „hapert es in der Region beim Wohnraum und beim Breitbandausbau“, so Hettinger.

Christoph Heise hob als stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer hervor: „Die Region muss sich nicht verstecken, aber am Ende des heutigen Kongresses sind wir nicht fertig, die Region muss gemeinsam vorangehen.“ Allerdings gab Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer zu bedenken, dass sich Deutschland zu schlecht rede: „Wir sind ein Depri-Land, viel zu viele sind depressiv unterwegs.“ Das müsse nicht sein, unterstrich auch Münsingens Bürgermeister Mike Münzing als einer von fünf Gegenbeispielen aus der Region.

Er führte aus: Als das Militär aus Münsingen abzog, verschwand auf einen Schlag der größte Arbeitgeber aus der Stadt. Doch anstatt zu jammern und klagen, habe Münsingen die Chance ergriffen und innerhalb kürzester Zeit Baugrundstücke verkauft, Gewerbe angesiedelt. „Politik hat die Aufgabe, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten“, forderte Münzing. Genau das habe die Stadt in den folgenden 20 Jahren seit Abzug der Bundeswehr getan. „Vor der Wertschöpfung steht aber die Wertschätzung und eine Antwort auf die Frage, welche Wirksamkeit ich erreichen kann“, so der Bürgermeister.

Weitere positive Beispiele traten beim Transformationskongress der IHK auf. Dr. Helmut Scherer etwa von der Erbe Elektromedizin GmbH: „Wir haben massiv in Ausbildung investiert, in Neubauten und die Organisation umgestellt.“ Die Projektleiter im Erbe-Unternehmen seien jeweils „Mini-Geschäftsführer, die Projektteams sind komplett selbst verantwortlich für ihren Bereich“.

Steffen Hoffmann von der HPM-Technologie aus Dettingen sagte: „Wir sind 1978 vom Händler zum Hersteller geworden, haben Potenzial für Innovation in einer Nische gesehen.“ Die Beschäftigten hätten jedoch Angst vor Veränderungen gehabt, sie mussten mitgenommen werden. Jeff Bezos habe laut Hoffmann mal gesagt: „Wenn du versuchst, was Neues zu schaffen, musst du bereit sein, zu scheitern.“

Dr. Dagmar Martin vom NMI an der Uni Tübingen erläuterte, dass sich ihr Unternehmen mit heute 150 Beschäftigten ständig neu erfinde, ständig neue Arbeitsbereiche sehe und erkenne. Wie den Zelluloseabbau in Windeln etwa – „wir haben bei uns vorhandenes Wissen auf die Abfallwirtschaft angewandt“, so Martin. Ähnliches gelte auch für die Entwicklung von nachhaltigen Milchersatzprodukten oder für neue medizinische Instrumente für die Notfallmedizin.

(Foto: Das Publikum spielte nicht einfach so auf dem Handy herum – beim Transformationskongress sollten die Gäste per Smartphone ihre Kommentare zu den Kurzvorträgen abgeben.)

Das Fazit des Transformationskongresses am Freitag hatte Johannes Schwörer schon in seinen einführenden Worten vorweggenommen: „Wir hadern und jammern nicht, wir haben Ideen, wir packen an, wir entscheiden, wir halten zusammen, wir haben Mut und Optimismus, wir sind schnell und wir stellen die Weichen auf Zukunft.“

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