Waldumgang mit Fachleuten durch Bad Uracher Forst – Dürre und Trockenschäden haben dieses Jahr extrem zugeschlagen
Die Forstfachleute zeigten sich regelrecht erschüttert von den Folgen der Hitze in diesem Jahr 2026, auch im Bad Uracher Wald. „So brutal wie dieser Sommer war noch keiner zuvor“, betonte Revierförster Uli Wahl und ließ zusammen mit rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des diesjährigen Waldumgangs seinen Blick über die Baumkronen von einigen alleinstehenden Buchen schweifen.
Eigentlich war dieser Punkt „Hitzeschäden“ beim Gang durch den Wald gar nicht vorgesehen. „Im Juli hat es noch lange nicht so schlimm ausgesehen“, so Wahl. Doch seit Ende Juni ist der Regen nahezu komplett ausgeblieben in der Region. Dafür gab es jede Menge Hitzerekordtage. Und so traf die Gruppe beim Waldumgang am Galgenberg zunächst auf eine für die Jahreszeit angemessene Situation in einem Buchenjungbestand mit einem geschlossenen Blätterdach.
„Wenn wir überall so ein Bild hätten wie hier, wäre ich hochzufrieden“, so der Förster. Doch wenige Meter weiter sah es völlig anders aus: Vereinzelt stehende, hoch aufragende Buchen zeigten rötlichbraun gefärbte Blätter, aufgeplatzte Rinden, bis in die Wachstumsschicht geschädigte Bäume. „Die sind tot, im Laufe des Sommers vertrocknet“, sagte auch Michael Herb als Forstbezirksleiter Nord vom Reutlinger Landratsamt.
Erstes markantes Merkmal des katastrophalen Zustands der Buchen waren die braunen Blättern – „der Baum hatte nicht einmal mehr die Kraft, seine Blätter abzuwerfen“, so Wahl. In die aufgeplatzte Rinde würden sich Pilze und Schädlinge festsetzen und den Baum innerhalb kürzester Zeit zerstören. „Der Baum hier kriegt nächstes Jahr auf jeden Fall keine Blätter mehr.“
Eine positive Nachricht gebe es aber noch: „Bisher ist ein relativ kleiner Bezirk des Waldes geschädigt“, betonte Bad Urachs Revierförster – für den deutlich größeren Teil ist allerdings Jana Schumacher als Nachfolgerin von Bad Urachs Revierförster Ulrich Meyer zuständig. Auch sie registriert vor allem in den Hanglagen deutlich angegriffene Bäume. „Auf der Alb hat es dieses Jahr viele Wälder so extrem erwischt wie das 2018 in Mitteldeutschland geschehen ist, dort sind sie langfristig beschädigt“, so Herb.
Nun sei es aber nicht möglich, all die toten Bäume sofort rauszuholen, „wir müssen gucken, wie sich das weiterentwickelt“, betonte Michael Herb. Der Vorteil sei im Uracher Wald, dass dort großflächig Neubestände vorhanden sind. In anderen Regionen, wo ganze Bereiche gefällt wurden und dann dort Neupflanzungen anstünden, sei die Situation viel extremer. „Die neuen Bäume zu pflanzen wäre bei längeren Hitzeperioden extrem schwierig und auch noch viel teurer“, sagte Uli Wahl. „Wir haben fast überall Jungbestände.“
Förster würden den Klimawandel nicht aufhalten können, dessen Folgen aber überall sichtbar seien – nicht nur in den Wäldern, sondern auch in den Flüssen, beim Schiffsverkehr, bei der Energie- und auch bei der Wasserversorgung. Überall. „Wir sollten dringend gegensteuern“, so Wahl. Und zwar jede und jeder Einzelne. „Es ist nicht 5 vor 12, sondern schon nach 12.“
In Eningen seien dieses Jahr 60 Tage mit mehr als 30 Grad registriert worden, solch einen Sommer habe es zuvor noch nie gegeben. „Und wir sollten Holz für Möbel und für Bauholz nutzen, damit CO2 dort dauerhaft gebunden bleibt und nicht gleich wieder freigegeben wird“, betonte Jana Schumacher. „Wir haben mit Holz einen tollen Rohstoff, den wir nutzen sollten“, ergänzte Herb und riet, nicht allein und weiter so massiv auf Beton zu setzen.
Doch es gab noch weitere Themen beim Waldumgang am Freitag: die Wegeinstandhaltung etwa, die Roland Fauser aus Glems in den Bad Uracher Wäldern mit schwerem Gerät erledigt. Stark zugewachsene Wege müssten freigeschnitten werden, vor allem auch, um die Holzabfuhr zu gewährleisten. „Das ist ein Geschäft, bei dem es hart zur Sache geht“, so Wahl, nachdem bei der Demonstration der Pflege der Randstreifen gewaltige Schläge zu hören waren.
Noch ein Thema: Jungbestandspflege. Eindrucksvoll zeigten Waldarbeiter, wie sie von Wahl ausgewählte Bäume freistellten – durch „Ringeln“ mit speziellen Ringeleisen oder mit der Motorsäge. Abschließender Punkt beim Waldumgang war die Aussicht auf das Waldjahr 2027: In der Abteilung 5 sei auf einer Fläche von 7,8 Hektar ein Einschlag von 620 Festmeter geplant. Abschließend ging’s zum gemeinsamen Essen und ein wenig Ausruhen – auch vom Schock des Anblicks auf die toten Buchen. „Wie es nächstes Jahr weitergeht, können wir im Moment nicht sagen“, waren sich die Waldfachleute einig.