Vorletzter Tag im Elsass, wir haben Straßburg angepeilt,
wir fuhren nach Sélestat und wollten von dort mit dem Zug weiter.
Nein, nicht mit der Lok,
aber mit einem Zug, der auch schon einige Jahrzehnte auf die Gleise brachte. Aber. pünktlich.
Ankunft in der fast 300.000 Einwohner-Stadt, mit einem imposanten Bahnhof.
Wir trafen, wenig verwunderlich, auf eine Großstadt.
Mit Dirndl-Verkauf.
Unsere erste Idee: zweites Frühstück. Der weitere Weg führte uns,
natürlich, zum Münster. Ah, da war’s ja.
Sollten wir hinein? Trotz Security-Kontrolle?
Der in der Mitte schien uns hereinzuwinken. Wir folgten, trotz einer Warnung, dass dies ein möglicher terroristischer Anschlagsort sein könnte.
Wir gingen hinein, hofften auf die Kraft der Kerzen.
Unser Blick fiel auf die Kirchenfenster-Rosette oberhalb des Eingangs. Sehr imposant.
Plötzlich erklang Engelsgesang – Nein, das war gelogen. Das Foto stammt von einem nahegelegenen Antiquitätengeschäft.
Ebenso wie das Foto von diesem Touri-Kitsch-Kram. Aber interessant: Mona Lisa und Mona Bine auf Augenhöhe.
Naja, mein Schatz fand’s nicht ganz so lustig.
Ebenfalls in der Nähe des eintürmigen Münsters:

dieser einsame Nicht-Radler – er saß minutenlang vor dem Restaurant Pierre Bois et Feu. Übersetzt: Stein, Holz und Feuer. Hatte fast was meditativ-besinnliches.
Wir hatten aber eher Wasser im Sinn.
Und eine Bootsfahrt. Auf der Ill, dem Nebenfluss des Rheins. Heiß war’s. Wir saßen ganz hinten, hatten den vollen Überblick. Und nen informationsreichen Knopf im Ohr.
Vor uns saßen mindestens zwei Cowboys,
am Ufer schlief ein weiterer harter Mann in exponierter Lage.
Schon bald kamen wir in die Nähe von la Petite France, dem unglaublichen Altstadtviertel.
Eine Schleuse hinderte uns an der schnellen Durchfahrt.
Doch dann: tolle Fachwerkhäuser.
Aber natürlich auch völlig überlaufen. Von nervigen Touristen. Mussten die hier überall rumstehen?
Die Fahrt ging weiter. Eine Drehbrücke gab uns den Weg frei.
Herrlich, dieser Anblick.
Ein Wehr, eine „gedeckte Brücke“ wartete. Doch wir fuhren nicht hindurch.
Rechter Hand das Institut National du Service Public – die Hochschule für französische Beamten. War mal Krankenhaus für Syphiliskranke. Später auch Knast.
Das Wehr kann man auch durchlaufen. Also von rechts nach links. Oder andersherum. Auch drübergehen ist möglich.
Der Blick runter auf die fünf Arme der Ill – fantastisch.
Fand nicht nur Bine. Ich auch.
Wir fuhren dann weiter mit dem Schiff durch die nächste Schleuse (also nicht mit dem Boot da unten, denn wir standen ja auf der gedeckten Brücke).
Auf dem Schiff hieß es wieder: „Hoch die Handys“ beim nächsten Fotomotiv. Klappte wie eine Laola-Welle.
Der Blick lohnte auch auf das direkt angrenzende Ufer. Rechts. R e c h t s !
Links dann der Sitz von arte, dem zweisprachigen Fernsehsender.
Ebenfalls links: das Europaparlament.
Ein paar Meter weiter, rechts, der Europäische Gerichtshof. Interessante Architektur.
Dort drehte das Schiff und fuhr zurück – jetzt links, das alte Europaparlament. Rechts das neue.
Unter den vielen Brücken gab es stets kurzzeitig etwas Schatten. Ansonsten war es heiß.
Grund genug für Bine, nach der Schifffahrt nach einem weiteren Hut zu suchen.
Sehr hübsch. Hätte ich auch gerne. Aber für meinen riesigen Schädel gibt es keine Hüte.
Dann war Mittagspause. Ganz elsässisch, trank ich ein Kilkenny – mit Grüßen nach Irland.
Und sonst? Platz für Liebesschlösser gab es in Petite France nicht mehr.
Die Erkenntnis blieb: Elsässisch isch bombisch.
Bemerkenswert auch: Das Museum der Modernen Künste.
Mit viel Graffiti außen dran.
Und einem seltsamen Wesen, das sich sogleich für Bine begeisterte.
Auf unserem Weg zurück zum Bahnhof kehrten wir noch in diese kleine Kirche ein, vom Heiligen Peter dem Alten.
Außergewöhnlich war das zentrale Kirchenfenster – sieht aus wie … Artus. Oder so. Wie eine Comicfigur.
Und diese Statue, auch außergewöhnlich. Ein Mann mit dem Jesuskind, das ihm das Kinn streichelt? Hab ich vorher noch nie gesehen.
Rechtzeitig waren wir zurück am Bahnhof. Unser Zug hatte gerade mal fünf Minuten Verspätung.
Ein Vorbild für die DB? Trotz alter Züge im Elsass, aber immerhin mit Fahrrad-Aufhäng-Mitnahme. Auch das für uns ungewöhnlich. Und so ging denn für uns ein weiterer ungewöhnlicher Tag zu Ende. Schön war’s. Und unser Urlaub neigt sich nun dem Ende zu. Bleibt noch die Rückfahrt. Wir werden gute Erinnerungen mitnehmen. Und verbesserte Französisch-Aussprache: Bong schur, la Franz. Mir kommet wieder. Schur.