Thorsten Hail berichtet über die Faszination des Kinos, über die Geschichte von Forum 22 und Luna sowie über die Open-Air-Kinos in Bad Urach und Metzingen
Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Thorsten Hail nun schon beim Forum 22 in Bad Urach. „1995 war ich zum ersten Mal beim Open-Air dabei“, erinnert sich der doppelte Ingenieur, der nicht nur Maschinenbau studiert hat, sondern auch Landschaftsgärtnerei. Das Forum 22 in seiner Heimatstadt besteht seit 1989, „als das letzte Kino zugemacht hat, entschied die Stadt, dass das Kino weitergehen muss“, so Hail.
Der Stadtjugendring übernahm nicht nur Stühle und Technik, sondern auch die Verantwortung für das Lichtspielhaus. „Damals hat der Stadtjugendring auch noch Jugendarbeit für Vereine koordiniert, Jugendfahrten veranstaltet und eine Jugendberatungsstelle gab es auch.“ Dieses Engagement ging deutlich zurück, „auch weil Fördermittel zu erhalten, immer schwieriger wurde“. Die Beratungsstelle wurde 1997/1998 aufgegeben.
Die Arbeit konzentrierte sich seitdem auf das Forum, auf die Tätigkeit im Kino. 2004 hat der Stadtjugendring auch das Kino Luna in Metzingen übernommen und neu eröffnet, 2013 wurde das Kino-Gebäude in Bad Urach baulich aufgestockt, ein zweiter Vorführraum und ein Café kamen hinzu. Für sein großes Engagement wurde Hail damals von der Stadt Bad Urach ausgezeichnet. „Ja“, bestätigt der Ingenieur, verliert aber keinen weiteren Ton darüber.
(Foto: Hier hängt Thorsten Hail die Plakate für die nächsten Kino-Events in die Schaukästen beim Luna-Filmtheater in Metzingen.)
Seit Januar 2016 gehören Luna und Forum dem Verbund „Europa Cinemas“ an, damit verpflichten sich die Kinos, mindestens 60 Prozent europäische Filme zu zeigen. Das Konzept eines „Programmkinos“ hat sich über mehrere Jahrzehnte hinweg im Ermstal bewährt. Die beiden Kinos in Bad Urach und Metzingen zeigen also Filme fernab vom Mainstream, aber auch sogenannte europäische „Blockbuster“. „Die Mischung macht’s aus“, sagt Thorsten Hail, der sich zweifellos mit Filmen auskennt.
Fasziniert hat ihn aber auch von Anfang die Technik hinter (oder besser vor) der Leinwand. Zwei alte Filmprojektoren stehen im Vorraum des Luna-Filmtheaters, ob er sich damit noch auskennt? „Klar“, sagt Hail und erklärt sofort die Funktion der riesigen Apparate mit den vielen großen und kleinen Zahnrädern, der 4.000-Wattlampe, dem Belüftungskamin und noch viel mehr.
„Im Luna sind etwa 15 Aktive, von Schülern bis zu Rentnern, die sich hier engagieren.“ Im Forum in Bad Urach hingegen finden sich unter den rund 25 Engagierten vor allem Schüler und Studenten, über Jahrzehnte hinweg kamen sie vom Graf-Eberhard-Gymnasium. Mit Einführung von G8 (der verkürzten Schulzeit) fielen die allerdings zum größten Teil aus, denn: „Bei uns müssen sie ja mindestens 18 Jahre sein, weil die Filmvorführungen oft bis nach 22 Uhr laufen.“ Doch genau dann wurde ja die Georg-Goldstein-Schule geöffnet, neue Aktive fanden sich dort.
Für ihr Engagement erhalten sie eine Aufwandsentschädigung. Zudem teilen sich zwei Hauptamtliche 1,5 Stellen „und machen all die Arbeiten wie Personalplanung, Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, und so weiter“. Finanziert wird die Arbeit in den beiden Kinos zu 80 Prozent über den Betrieb und zu 20 Prozent über Zuschüsse – durch die Fördervereine, die Städte und das Land.
(Foto:Thorsten Hail weiß noch genau, wie die alten Filmprojektoren funktionierten – nun sind sie nur noch Ausstellungsstücke im Luna.)
„Es ist wichtig, dass Metzingen und Bad Urach die Kinos als Teil ihres kulturellen Angebots sehen“, sagt Thorsten Hail. „Wir haben die Akzeptanz in der ganzen Region.“ Die Open-Air-Vorstellungen in beiden Städten gehören essenziell dazu. In Bad Urach sind die zehn Vorstellungstage gerade abgelaufen – was schon auch mit einigem Stress für alle Ehrenamtlichen verbunden war.
„Wir haben den Film ‚Steckerlfischfiasko‘ zweimal gezeigt, da kamen 1.300 Leute.“ Es hätten wohl auch 2.000 sein können, doch in beiden Vorstellungen waren die Kapazitäten mit 650 Zuschauern völlig ausgeschöpft. An den acht restlichen Tagen kamen insgesamt 1.600 Gäste. War das frustrierend? „Nein, überhaupt nicht – wir hatten insgesamt 2.900 Zuschauer, also mehr als je zuvor“, sagt Hail.
Natürlich hätten es noch mehr sein können – doch das Konzept habe sich auch hier bewährt. „Wir haben auch das Jahr hindurch immer wieder Filme, in denen zwei bis drei Leute sitzen.“ Und das sei auch okay. Vorhersehbar sei das aber kaum. Immer wieder gebe es Überraschungen. Deshalb sei die Auswahl der Filme auch nicht einfach. „Jede Woche im Jahr erscheinen 20 bis 25 Filme.“ Welche sollen gezeigt werden, welche sind „lohnenswert“, wichtig, müssen unbedingt in die Ermstal-Kinos. „Wir haben in beiden Kinos jeden Tag sechs bis zehnVorstellungen.“
(Foto:Hier ein Foto aus dem Open-Air-Kino in Bad Urach aus dem Jahr 2013.)
Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Thorsten Hail nun für das Kino in der Region, seit wie vielen Jahren ist er Vorsitzender des Stadtjugendrings? Er überlegt. „Keine Ahnung – zehn, 15 Jahre?“ Es interessiert ihn auch nicht. Wie lange er noch weitermachen will? „Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht“, sagt Hail und lacht. Für die Kinos und die begeisterten Zuschauer in den beiden Städten dürfte das eine durchweg gute Nachricht sein.
INFO:
Open-Air-Kino in Metzingen
Vom 10. Bis zum 12. September steht das Metzinger Open-Air-Kino im Motorworld Village an. Präsentiert wird auch dort der „Blockbuster“ dieses Jahres „Steckerlfischfiasko“, daneben die Filme „Michael“ und „Glennkill: Ein Schafskrimi“.