Saure Gurkenzeit bei den Zeitungen. Wenige bis keine Aufträge, was tun?
Am Montag bin ich mit dem Zug nach
Nagold gefahren. Wehe es schimpft nochmal einer über die Bahn. Alles klappte bestens.
Auf der Hinfahrt. Bisschen ungewöhnlicher Bahnsteig, auf der Brücke.
In dem uralten Städtchen mit einigen sehr schönen Fachwerkhäusern stellte sich die Frage: Und nun?
Wolkenschieben wäre eine Möglichkeit, dachte ich.
Oder Wasserweitspucken.
Genug Wasser gibt’s dort, wo Waldach und Nagold zusammenfließen. (2012 war hier Landesgartenschau)
Pogo-Tanzen wäre auch noch eine Möglichkeit.
Aber mit der Haltung … dann doch lieber Kanonenkugel-Weitwurf in der
Burgruine Hohennagold? Oder doch Wolkenschieben? Schwierig.
Auf jeden Fall musste ich erst mal hier rauf. Sehr steil.
Bei mehr als 30 Grad. Und es wurde noch heißer.
Schweißnass kam ich oben an, doch wie reinkommen, in dieses Gemäuer?
Ich fand einen Weg und enterte
die Burg. Dort traf ich auf
meine Gegner, die schon mal die Wolkenlage analysierten.
Ich lauschte aufmerksam und legte dann meine Taktik fest. Siegesgewiss.
Rauf auf den höchsten Punkt und
schieben, schieben, schieben.
Währenddessen hatten meine Gegner zu den Kugeln gegriffen und versuchten, die Wolken zu treffen. Wie idiotisch.
Hier hatten sie ein Loch in die Mauer geworfen.
Eine Kugel hatte sich in Richtung Kirche verirrt.
Das brachte den Turmwächter auf die Ruinen-Bildfläche.
Er stieg auf den dicken Turm und rief zur Kirche herüber:
„Bergfried, Bergfried, komm und befreie uns von den kugelstoßenden Missetätern.“
Der Angesprochene Siegfried (oder wie hieß der?) schickte seine Höllenhunde los.
Panik ergriff mich. Meine Konkurrenten hatten schon die Flucht ergriffen.
Ich hinterher. Die Frage, ob die Ruine nun Burg oder Schloss war, interessierte mich keinen Meter.
Ich rannte und rannte zurück in die Stadt, sie verschwamm mir vor den Augen, doch
irgenwie erreichte ich das Rathaus, stürmte hinein und rief lauthals: „Ich habe mit den Kugeln nichts zu tun, ich habe
nur Wolken geschoben“ und zeigte das Beweisfoto.
„Das kann jeder behaupten“, sagte der Stadtbedienstete. „Entweder Sie leeren bei uns jetzt die Mülltonnen oder
Sie verschwinden sofort aus der Stadt.“ Ich entschied mich für Zweiteres und hechelte auf die Brücke zum Bahnhof hinauf,
Dort wartete und wartete und wartete ich. Irgendwann kam der Zug.
Und ich war ja so was von froh, dass ich meinem Schicksal als Müllmann in Nagold um Haaresbreite noch mal entkommen bin. Erleichtert winkte ich dem Zug hinterher, in dem ich zurück nach Hause fuhr. Und wer darin einen Sinn suchen wollte … nur zu. Viel Glück dabei. Also bei der Suche.