Mit der Energie der Natur unterwegs – Segelflieger aus ganz Europa auf dem Mössinger Farrenberg

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Segelflug-Grand Prix auf dem Mössinger Farrenberg von Sonntag bis Samstag – 20 Piloten am Start, mitsamt Weltmeister Stefan Langer

„Je schwerer so ein Segelflugzeug ist, umso schneller gleitet es“, erläuterte Henning Knoppe am Freitagabend auf dem Segelflugplatz des FSV Tübingen und des FSV Mössingen. Als Vorsitzender des Tübinger Vereins war er viel gefragt an diesem Abend, musste jede Menge organisieren für den Segelflug-Grand Prix, der vom gestrigen Sonntag bis zum folgenden Samstag durchgeführt wird. „Je schwerer so ein Flugzeug ist, umso schwieriger wird es allerdings auch, mit der Thermik nach oben zu kommen“, erklärt er noch kurz. Und ist schon wieder davon.

Insgesamt 20 Teilnehmer sind am Wochenende mit ihren Segelflugzeugen auf dem Farrenberg angekommen, um sich mit wahren Könnern der Szene (oder denen, die es werden wollen) zu messen. Einer unter ihnen ist schon ganz oben auf dem Treppchen: Der Bayer Stefan Langer ist mehrfacher Deutscher Meister und sogar Weltmeister, war schon in der ganzen Welt unterwegs mit seinen Fliegern. Die Faszination hatte ihn früh gepackt – mit 14 Jahren begann er das Segelfliegen. Mit seinen 33 Jahren ist er jetzt schon einer der ganz Großen in der Segelflug-Szene.

„Hier sind Piloten im Alter zwischen 25 bis zu 67 Jahren dabei“, sagt der 67jährige Conrad Hartter, der „quasi auf dem Farrenberg aufgewachsen“ sei, wie der ehemalige Vorsitzende des FSV Tübingen erläuterte.

Auffällig, dass so wenig Frauen im Grand-Prix-Starterfeld sind? „Insgesamt sind beim Segelflug nur 7 Prozent Frauen vertreten, bei den Tübinger und Mössinger Flugsportvereinen sind aber bei der Jugend jeweils fast die Hälfte weiblich und männlich“, sagte Gudrun Bühler vom FSV Mössingen. Sie selbst fliegt schon seit 55 Jahren voller Begeisterung. Beim jetzigen Sailplane Grand Prix steht der Mössinger Verein den Tübinger Nachbarn unterstützend zur Seite.

(Foto: Traumhaft ist allein der Ausblick vom Farrenberg hinunter auf die Mössinger Ebene.)

Wer bei einem der insgesamt weltweit zwölf Grand Prix Erster oder Zweiter wird, ist automatisch für die Weltmeisterschaft qualifiziert, erläuterte Hartter. Klaus Kalmbach hatte als Tübinger Grand-Prix-Pilot mit seinem Verein an der Ausschreibung für den Großen Preis der Segelflieger beworben und den Zuschlag für den Farrenberg erhalten. Das ist in diesem Jahr übrigens der einzige deutsche Grand-Prix-Austragungsort. Die anderen sind oder waren in Australien, Südafrika, Spanien, Chile und eben jetzt auf dem Farrenberg.

Verwundern dürfe das nicht, sagte Hartter. „Die Alb ist wohl neben Südfrankreich eines der weltweit am stärksten beflogenen Segelfluggebiete“, so der begeisterte Flieger, der sein Hobby zum Beruf gemacht und Pilot bei der Lufthansa war. Auch Hartter wird nun beim Grand Prix mitfliegen. „Das ist das Schöne am Segelflug, dass man auch mit über 60 noch mit den Jüngeren mithalten kann“, sagte Hartter.

Doch die Konkurrenz beim Wettbewerb rund um den Farrenberg ist groß: Aus Polen sind Piloten angereist, aus Litauen, Dänemark, Schweden und Holland. „Und die Hälfte ist aus Deutschland.“  Favorit ist natürlich Stefan Langer, der Weltmeister. Jeden Tag muss eine bestimmte vorgegebene Strecke geflogen werden, die um die 300 Kilometer lang ist. Rund 2,5 Stunden sind die Segelflieger dabei in der Luft, angetrieben allein vom Wind, von der Thermik und der Sonnenenergie.

(Foto: Weltmeister Stefan Langer (von rechts) erläuterte am Freitagabend Conrad Hartter, Gudrun Bühler und Tübingens Landrat Hendrik Bednarz seine Rennmaschine mit Propeller.)

Genau das mache laut Stefan Langer auch die Faszination des Sports aus: Allein mit natürlicher Energie bis zu neun Stunden in der Luft sein zu können. „Man braucht dafür ein gutes Sicherheitsbewusstsein, das darf aber nicht die Hauptsache sein“, sagte der Maschinenbau-Ingenieur.

„Man muss immer einen kühlen Kopf behalten, Erfahrung spielt eine wichtige Rolle“, so Hartter. Und über darüber verfügt der 67-Jährige jede Menge. Doch auch der Weltranglisten-Erste Langer hat schon mehr als 4.000 Flugstunden auf seinem Konto. Conrad Hartter berichtet, dass er vor kurzem erst bei einem Flug vom Farrenberg aus bis an die tschechische Grenze geflogen sei, von dort bis zu den Alpen und über Memmingen zurück.

Beim Grand Prix geht es nicht ganz so weit, aber zwei bis drei Stunden hoch konzentriert in der Luft zu sein, jeden Moment die kleinsten Anzeichen für eine Änderung der Thermik zu lesen, sei schon auch anstrengend. Das bedeute, ständig die Anzeichen der Natur zu lesen, auf die Wolken zu achten, auf Blätter an den Bäumen, auf Vögel und noch einiges mehr.

Und dann natürlich immer dementsprechend zu reagieren, um sich auf dem bestmöglichen Energielinien halten zu können. Und möglichst als Erster ins Ziel zu kommen. Wer wie wann an welchem Tag vorne liegt, das kann übrigens über die Homepage des Sailplane Grand Prix (sgp.aero/germany-2026) mitverfolgt werden.

Segelfliegen und Umweltschutz

Der Segelflugplatz auf dem Farrenberg bei Talheim liegt gleich in mehreren Schutzgebieten, wie Landrat Hendrik Bednarz am Freitagabend betonte. Geplant ist laut Conrad Hartter, anstatt der Diesel-angetriebenen Seilwinde zum „Hochbringen“ der Segelflugzeuge, möglichst bald eine elektrisch angetriebene anzuschaffen.

Die ein oder andere „Rennmaschine“ braucht das gar nicht mehr, wie Weltmeister Stefan Langer demonstrierte: Er hat für den Grand Prix ein Flugzeug dabei, das über einen elektrischen, mit Sonnenstrom angetriebenen Motor verfügt. Den Propeller kann er hinter der Kabine ausfahren und dann ganz ohne Seilwinde oder ohne Motorflugzeug starten. PV-Paneele auf dem Flugzeug-Hänger hat Langer zum Strom-betanken selbst installiert.

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