Gestern erst war’s. Bine voller Tatendrang. „Sollen wir heute auf Entdeckungstour gehen“, fragte sie. Mal wieder unser
trautes Heim verlassen?
Die Welt erkunden oder gar neu vermessen?“ „Von hier aus, meinst du“, fragte ich.
„Nein, wir gehen bei dieser Hitze in den großen tiefen Wald hinein.“
„Wir könnten doch auch die Postkutsche nehmen“, schlug ich vor. Bine winkte ab.
„Dann könnten wir uns ja gleich in so einen tiefergelegten Hochsitz setzen.“ „Oder gleich auf dem Sofa bleiben“, schlug ich vor.
„Nichts da, raus jetzt“, sagte Bine. „Das Abenteuer wartet, wir gehen zum Rutschenfelsen, oberhalb vom Uracher Wasserfall.“
Ich gab zu: Der Blick dort ins Tal war sehr verlockend. Dort hinzukommen aber auch anstrengend.
„Macht nix, unterwegs gibt’s Unterstützung“, so Bine.
„Und wir können uns unter Engelwurzen erholen.“ „Das sind aber seltsame Sonnenschirme“, sagte ich.
Und was? Kräftigungsstation? Das ist doch noch anstrengender. Und das bei der Hitze. Ich machte erstmal einen auf „nasser Sack“. „Und was ist, wenn Engel pfurzen“, fragte ich hängenderweise.
Ich gebe zu, ich hörte in letzter Zeit nicht mehr ganz so gut.
Bine ging gar nicht darauf ein. „Wir könnten hilflosen Wesen weiterhelfen – so wie dieser Rothalsbock das tut.“
„Toller Name, du meinst, wir könnten so eine Art Bürgerbus spielen“, fragte ich und
blickte zweifelnd zurück.
„Wir könnten uns auch umschwirren, uns mal wieder romantisch annähern,
uns gemeinsam am Leben freuen“, sagte Bine enthusiastisch.
Ich sagte … nichts. „Jetzt komm doch endlich“, rief meine göttliche Gattin leicht genervt, weil ich der Romantik gerade nichts abgewinnen konnte.
Bine schritt schnurstracks davon. Doch schnell sah sie die nächste Naturschönheit „Schau nur, da vorne, ein Sonnenblumenfeld“, rief sie hoch erfreut.
Tatsächlich. Sonnige Blumen. „Aber warum wenden sie sich alle von uns ab“, fragte ich. „Jetzt überleg mal“, sagte Bine.
„Du musst dich den Blumen sacht und sanft und eben romantisch nähern“, sagte Bi(e)ne.
Ich stand hingegen vor einem Exemplar, das noch genauso wie ich, eher abwartend auf diese Welt reagierte.
Nur wenige Meter weiter wartete jedoch der Rutschenfelsen. Und
der tolle Blick auf den Runden Berg (links) sowie
auf die Ruine Hohenurach. Hat was, musste ich eingestehen. Allerdings ziemlich unromatnisch.
Ähnlich dachten wohl auch die vielen Touristen, die dem Ausblick entgegenstrebten.
Wir rannten regelrecht in die andere Richtung,. Wir waren ja keine Touristen.
Auch hier gab es nicht minder schöne Ausblicke
auf den Rutschenfelsen.
Und wir trafen auf gespaltene Persönlichkeiten.
Es wurde Zeit für den Weg zurück. Wir erkletterten noch so manchen Farn und sangen dabei „Wir fahr‘n, fahr‘n, fahr‘n durch den Wald heran.“
Das Singen verging uns allerdings schnell, als wir den Wald verlassen mussten.
„Ist das heiß hier“, stöhnte Bine. Wie die Romantik doch ach so schnell verlorengehen kann.
Und das obwohl dort auf den Feldern Blümelein und Wolkenfein perfekt zusammenzupassen schienen.
Nach dem Besuch des heimischen Waldes ließ uns der Gedanke, dass die Hitze und die unzähligen Waldbrände zu Beginn des Sommers 2026 in den südeuropäischen Ländern auch
bei uns die herrlichen Wälder und die Natur zerstören könnten,
ziemlich verstört und heftig schwitzend zurück.