Viertes Bikepark-Event an Pfullinger Steilhang unterhalb des Schützenhauses – Rund 50 jugendliche Biker zeigen akrobatische Sprünge
Scheinbar über den Wipfeln der Bäume, nahezu in die Wolken hinein, sprangen am Samstag so manche Biker beim 4. Bikepark Event am Hang unterhalb des Pfullinger Schützenhauses. Doch dann hatte der Regen alles durcheinandergebracht: Der „Goodies for tricks Contest“ musste abgebrochen werden.
Innerhalb von wenigen Minuten verwandelten die Wassermassen die Strecke des Pfullinger Bikeparks in eine regelrechte Schlammlandschaft. Zwar war Regen war schnell wieder vorbei, doch nun begann für alle Biker die harte Arbeit: Die Line, also die Strecke und vor allem die Absprungschanzen, mussten wieder getrocknet werden. Wie man das macht?
Alle Radfahrer packten mit an, getreu dem Motto „No dig, no ride“, wie Henrik Schindler als Mitorganisator erläuterte. Seit sechs Jahren ist er schon in der Pfullinger Bikepark-Szene dabei. Er hat die Anfänge noch erlebt. „Damals war ich 14, da haben wir noch illegal im Wald Schanzen gebaut“, berichtet Schindler. Das habe Wanderern gar nicht gefallen. Ein längerer Prozess begann, „dann haben wir hier dieses Gelände von der Stadt gekriegt“, sagt der heute 20-Jährige.
Am Samstag griffen die Jugendlichen nach dem Regen alle zu Spaten, zu Gasbrennern und trockneten die Strecke quasi mit Feuer, klopften und glätteten vor allem die Absprungschanzen, gaben hier und dort eine Schaufel Erde dazu, modellierten und formten das Gelände, fuhren mit Schubkarren anstatt mit Rädern über die Line. „Durch den Regen wird die Strecke viel langsamer“, erläuterte Henrik Schindler. Weil Schlamm sich in den Reifen mit dem groben Profil festsetzt. Das müssen die Biker bei ihren Sprüngen natürlich mit einberechnen.
Dass alle Artisten und Radler mit anpackten, sei eine Selbstverständlichkeit. „Ich schätze das Soziale in dem Sport sehr“, sagte der Biker, der kaum mehr dazu kommt, selbst die Strecke hinunterzurasen. Zusammen mit Eric Bosler war er am Samstag stets gefragt, wurde ständig angerufen, immer gab es Fragen, jede Menge zu organisieren, Probleme zu lösen.
Im Lauf der Jahre hat sich der Pfullinger Bikepark zu einem richtig großen Ding entwickelt. „Es gibt in ganz Deutschland vielleicht ein oder zwei größere Lines“, sagte der 20-Jährige. Er absolviert gerade eine Schreiner-Ausbildung, hat zusammen mit Bosler „nebenher“ eine eigene kleine Gartenbaufirma. Und dazu sind beide immer noch im Bikepark an vorderster Stelle aktiv. „Wir sind die erste Generation hier beim Bikepark, werden aber die Verantwortung langsam abgeben“, sagte Schindler. „Das fällt nicht leicht, weil wir hier alles aufgebaut haben.“
Am Samstag zeigten die Biker bei der „Big Line Session“ Sprünge, die den Zuschauern so manches Mal den Atem stocken ließ. Unglaublich hoch sprangen die Artisten, nachdem sie mit ihren Rädern vom Starter-Turm her mächtig Geschwindigkeit aufgenommen hatten. Ob das nicht ziemlich gefährlich ist? „Es kann gefährlich sein, aber hier auf der großen Line weniger als auf den kleinen Lines“, erklärte der Profi.
Unfälle habe es bei den vergangenen drei Events keine wesentlichen gegeben, „einer hat sich mal das Handgelenk gebrochen, aber sonst war nichts von Bedeutung“, sagte Henrik Schindler. Es mag seltsam klingen, aber bei dem Sport gehe es „viel um Gemeinschaft“. Wie das, wenn doch jeder für sich allein den Abhang hinunterrast? „Wenn ein Kumpel einen Sprung ausprobiert, freuen sich alle, wenn das gelingt, sie filmen sich gegenseitig oder sie geben Tipps, was noch besser gemacht werden kann, sie pushen sich gegenseitig.“
Die Veranstaltung im Pfullinger Bikepark hat sich mittlerweile weit herumgesprochen. Sogar aus der Schweiz waren Biker angereist. Der Aufwand zur Organisation und Durchführung für den Event sei groß, Bewirtung, Getränke ranschaffen, Strom, Bauzäune, Sponsoren – da stecke schon viel Arbeit dahinter, sind sich Bosler und Schindler einig. „Aber wir müssen immer in Bewegung sein.“