Vor kurzem war’s, da fragt mich Bine bei einem Spaziergang bei Mössingen:
„Sag mal, was träumst du eigentlich nachts, wenn du nicht schlafen kannst?“
„Ich“, frage ich ziemlich überrascht. „Ich, ich“, stottere ich.
„Ich würde gerne mit Tieren sprechen können“, sage ich schließlich.
„Außerdem würde ich gerne Dampfwalzen fahren, so wie mein Opa früher.“
„Und fliegen würde ich gerne können, so wie Ikarus einst.“
„Na, da kannst du nur hoffen, dass ich dann zur Stelle bin“, sagt Bine.
„Du bist doch gar nicht schwindelfrei.“
„Stimmt“, sage ich. „Und du, was träumst du so, nachts?“
„Ich träume davon, Königin zu sein“, sagt Bine.
„Ich würde auf meinem Thron sitzen und
das Obst würde mir in den Mund wachsen,
ich wäre im Land, in dem Milch und Honig fließen.“
Außerdem träumt Bine davon, nur noch im Urlaub zu sein, am Steinlachstrand zu sitzen,
das Wasser umströmt sie,
ihre Füße graben sich in den Sand. Ich bin beeindruckt. „Schön“, sage ich.
Doch Bine ist noch gar nicht fertig: „Meine Kampfbienen würden für meine
Sicherheit sorgen.“ „Aber das sind doch Hornissenschwebfliegen“, sage ich kleinlaut.
„Wurscht“, sagt Bine und kommt so richtig in Fahrt. „Kaisermantel,
kleine Eisvögel und andere Schmetterlinge würden mich umschwirren –
du weißt schon, wie Motten das … Dings.“
„Die Zeitung – also du – würdest täglich über meine Wohltaten berichten und
die Maschinen würden nicht stillstehen,
Wohlstand würde entstehen, für die ganze Welt.“
„Die Menschen gingen gerne zur Arbeit, natürlich auf dem kleinen Dienstweg.“
„Die Kirchen würden wieder zu Orten der Begegnung. Frieden, Liebe und Vertrauen würde weltweit einkehren.“
„Allen Menschen würde es gutgehen, was hältst du davon“, fragt Bine.
Ich bin erneut kurz davor, abzuheben.
„Wie schön“, sage ich. „Aber vielleicht fragst du mal
den Esel, was der von deinen Träumen hält?“
War das jetzt zu grob? Habe ich dich zu sehr auf den Teppich zurückgeholt? Das täte mir leid. Träumen muss schließlich erlaubt sein.