Christian Schmidt übernimmt den Posten der Revierleitung von Thomas Vorwerk – Neue Bänke und Tische bei Grillstellen an der Jungviehweide als Azubi-Projekt
Seit 2018 war Thomas Vorwerk der Chef im Reutlinger Stadtwald. In den 1980er Jahren hatte er an der Fachhochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg studiert, danach führte ihn sein Weg durch zahlreiche Forstreviere, von Ammerbuch-Breitenholz über Grafenberg bis nach Walddorf, Metzingen, Pliezhausen und Riederich bis eben zur Revierleitung im Reutlinger Stadtwald.
Zum 1, Juni dieses Jahres hat er seinen Posten an Christian Schmidt übergeben, Vorwerk hat sich ein wenig vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet, offiziell ist er ab dem 30. November dieses Jahres in selbigem, also dem Ruhestand. Schmidt stammt aus Mössingen hat ebenfalls die Rottenburger Hochschule für Forstwirtschaft absolviert, allerdings zwischen 2013 und 2018.
(Foto: Die beiden Forstwirt-Azubis Marlon Munz und Sebastian Behrend (von links) haben zusammen mit drei weiteren Auszubildenden die neuen Bänke und Tische an den Grillstellen auf der Reutlinger Jungviehweide aufgestellt, bei der Vorstellung waren Christian Schmidt, Herbert Stelz, Thomas Vorwerk und Gerd Brunke mit dabei.
Während seines Studiums hat er im Nationalpark Nordschwarzwald mitgearbeitet. Danach war er zunächst für ein Jahr im Forstamt Burgwald im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Nordhessen, Zwischen 2019 und 2022 arbeitete er für ein Forstunternehmen, um dann ab Februar 2022 Revierleiter im Wald in Lichtenstein im Landkreis Reutlingen zu werden.
Nun also übernimmt Schmidt die Verantwortung für das Forstrevier Reutlingen und somit für einen Wald, der in erster Linie der Erholung dient, wie Vorwerk betont. Erholung bedeute aber auch eine Vielzahl an Veranstaltungen. „Viele Player wollen auf den Wald zugreifen“, so der ehemalige Reutlinger Revierleiter.
Joggerinnen, Radfahrer, Reiterinnen, Vereine, Gassigeher, sogar die Kirche will hin und wieder am Breitenbach Taufen durchführen. All die Veranstaltungen gelte es abzustimmen und zu koordinieren. Die einen sollen die anderen nicht stören, gegenseitige Rücksichtnahme sei vonnöten. Hinzu komme: „Es ist schwierig, den Wald hier zu bewirtschaften“, so Herbert Stelz, Sachgebietsleiter Forst und Landwirtschaft beim Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften.
(Foto: Auch das gehört (wie auch der Reutlinger Weinberg) mit zum Arbeitsgebiet des Reutlinger Forst – der deutlich an Wasserfläche geschrumpfte Breitenbachsee. Gerd Brunke hier mit einer riesigen Sußwassermuschel vom Rand des Sees.)
Oder anders ausgedrückt: Der Zuwachs an Holz auf Reutlinger Gemarkung entspricht in etwa der Kubatur der Reutlinger Stadthalle. Heißt – so breit, lang und hoch wie die Halle ist, so viel wachsen die Bäume im Forst pro Jahr. Wichtig sei es, immer wieder Holz einzuschlagen, „weil sonst der Artenreichtum zurückgeht“, sind sich Vorwerk und Schmidt einig. Gerade Eichen und Ahorn und manch andere Arten bräuchten viel Licht, „würden wir keine Bäume rausnehmen, hätten wir nur noch Buchen hier“, betont Vorwerk.
Die Böden im Reutlinger Wald seien gut, betont der neue Revierleiter. Lehmböden halten das Wasser besser, was im Forst auch durchaus sichtbar ist. Während in der Stadt Bäume und Wiesen deutlich leiden, vertrocknet sind, weil ihnen Wasser fehlt, stehen Bäume und Gräser im Markwasen noch in prächtigem Grün. „An Sonderstandorten wie am Albtrauf sieht das auch ganz anders aus“, betont Schmidt.
Der neue Revierförster hat seine Hündin Dine beim Pressetermin dabei. Die Drahthaar-Hündin interessiert sich aber mehr für das Hundegebell an der Jungviehweide – ansonsten liegt sie nahezu leblos in der Sommerwärme am Boden, mit angewinkelten Beinen. Doch das täuscht: Nur eine Bewegung, ein Wort von Herrchen Schmidt und Dine springt sofort wachsam auf.
„Man muss das Publikum gerade hier auf der Jungviehweide immer im Auge haben“, so Christian Schmidt. Auch wenn der Reutlinger Stadtwald noch nicht völlig vertrocknet aussieht: An den Grillstellen herrscht Grillverbot, auch hier besteht akute Brandgefahr.
Allerdings haben die fünf Forstwirt-Azubis als Projekt an neun Tagen im Juni in rund 200 Stunden alte marode, verwitterte und beschädigte Tische und Bänke vor allem an den sechs Grillstellen auf der Jungviehweide erneuert, ausgetauscht, instandgesetzt.
Neu ist dort eine Grillstelle, die Ausbildungsmeister Gerd Brunke höhergesetzt hat, „damit Senioren sich beim Grillen nicht so weit bücken müssen“, sagt er und grinst. Ein Metallring soll verhindern, dass die Glut aus der Rentner-Grillstelle fällt, im Moment ist die Neuerung noch eingezäunt. „Der Beton muss ganz aushärten“, so Brunke.
Für die Azubis war die Erneuerung von Bänken und Tischen ein Haufen Arbeit, wie der Ausbildungsmeister betont. Die Azubis Samuel Behrend und Manuel Munz bestätigen das. Beide sind im dritten Lehrjahr. Was sie zu dem Beruf bewegt hat? „Mein Vater war auch Forstwirt, ich war als Kind schon immer mit im Wald und auch bei Treibjagden dabei, ich liebe den Wald“, sagt Behrend. Und Munz? Er hat zwar Abitur, wollte aber lieber eine Ausbildung machen, „draußen sein“. Studieren könne er ja immer noch. Und vielleicht irgendwann Schmidts Nachfolger werden. Aber der ist ja selbst erst 32 Jahre alt.