Leben wie auf einem Bauernhof – „Sozialraumarbeit“ in Lichtenstein wirkt und feiert zehnjähriges Bestehen

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Kleine Feierstunde zu zehn Jahren „Sozialraumarbeit“ in Lichtenstein – Kooperation zwischen Gemeinde, Landratsamt und Pro Juventa als freiem Träger

„Ich bin von Bayern nach Lichtenstein zugezogen“, sagt Celine Hopf am Freitagvormittag im Bürgertreff in Lichtenstein-Unterhausen. Sie besucht das „Junge Mütter-Café“ und betont: „Das Leben hier ist wie ein Bauernhof, wie eine kleine Gemeinschaft.“ Sie fühle sich wohl und geschützt, „man kriegt die Unterstützung, die man braucht“. Ihr Sohn, der bislang ein Einzelgänger war, blühe hier auf. Celine Hopf fühle sich einfach wohl in der Gemeinde.

„Und dabei haben wir sie nicht vorab instruiert, was sie sagen soll“, sagt Regine Zweifel von Pro Juventa, die zusammen mit Albrecht Henes vom Reutlinger Jugendamt maßgeblich die „Sozialraumarbeit“ in Lichtenstein koordiniert, organisiert und vor allem immer vor Ort sei. „Man kennt sich hier im Flecken.“  Die Wege seien kurz, die Sozialarbeit funktioniere, ganz besonders auch präventiv.

Die in der Gemeinde tätigen Sozialarbeiter werden unterstützt durch einige weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – zum Beispiel im Familienbüro mitten im Rathaus. „Hier wird allen weitergeholfen“, betonte Wilfried Schneider als Stellvertreter von Bürgermeister Peter Nußbaum. Die beiden im Familienbüro beschäftigten Damen Yvonne Pitz und Andrea Raulin hören den Ratsuchenden zu, versuchen zu sortieren, gehen auf Fragen ein. „Die Haltung, nicht zuständig zu sein, gibt es hier nicht“, betont Christine Besenfelder als Leiterin des Kreisjugendamts.

Zum 10. Geburtstag des Projekts „Sozialraumarbeit“ waren aber noch mehr hochrangige Vertreter vor Ort: Marius Pawlak etwa. „Wir wollen uns um die Leute vor Ort kümmern, brauchen dafür Pionierarbeit und neue Ideen – genau so wie es in Lichtenstein seit zehn Jahren geschieht“, so der Verwaltungsdezernent im Landkreis. Pawlak lobte die Arbeit von Pro Juventa und anderen freien Trägern, die in der öffentlichen Wahrnehmung meist zu kurz kämen.

Wenn das Gemeinwohl funktionieren soll, müsse solch ein Modell wie die Sozialraumarbeit in Lichtenstein ausgebaut werden, so Pawlak. Und das geschehe bereits, betonte Besenfelder. In vier weiteren Kommunen im Kreis werde seit 2022 ein ähnliches Konzept der Sozialraumarbeit verfolgt, mit Rücksicht auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort. „Langsam können in Bad Urach, Münsingen, Orschel-Hagen und Pliezhausen auch die Früchte der Arbeit geerntet werden“, so die Jugendamtsleiterin.

Wichtig sei in Lichtenstein nicht nur die Kooperation mit der Gemeinde, dem Landkreis und dem Träger Pro Juve – „es kommt auf das Team drauf an“, betont Zweifel. Und dabei hat sie Beatrice Herrmann im Blick, die als Hauptamtsleiterin im Rathaus vom Start weg eine starke Unterstützerin der Arbeit war. Genauso wie Bürgermeister Nußbaum.

Am Freitag ging es nach kurzen Ansprachen vor dem Rathaus zu einer „Timeline“, die alle Schritte in den vergangenen zehn Jahren bei dem gemeinsamen Projekt aufführte. Ein wesentlicher Baustein der Sozialraumarbeit ist etwa die Schrauberwerkstatt, die Lukas Schempp leitet.

Ein kurzer Besuch in dem ehemaligen Waschhäusle zeigt auf, dass dort geschraubt und gebastelt wird, mit Metall und Holz, aber auch ein Treffpunkt für momentan eher Grundschüler ist. Ehrenamtlich engagiert sich Martin Lamparter dort, auch das sei Bestandteil der Sozialraumarbeit – dass sich Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde selbst einbringen können und sollen. „Wir wollen hier Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagte Beatrice Herrmann.

Elterncafé, Waldgruppe, Mütterfrühstück, Repaircafé – „das Projekt entwickelt sich immer weiter, ohne die hervorragende Zusammenarbeit mit der Gemeinde wäre das nicht möglich“, betonte Regine Zweifel von Pro Juve. „Bürger für Bürger“ gebe es auch noch, betonte Herrmann. Tanzkurse wurden da organisiert, unterschiedlichste Veranstaltungen, „wir wollen immer fragen, was die Bürgerinnen und Bürger wollen“, so die Hauptamtsleiterin.

Ganz klar sei, dass der „präventive Ansatz in Lichtenstein funktioniert“, betonten sowohl Simon Kiefer als Geschäftsführer von Pro Juventa wie auch Regine Zweifel und Marius Pawlak. „Wir wollen das Modell ausbauen und überall gucken, was wo von wem gebraucht wird“, betont der Kreis-Verwaltungsdezernent.

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