„Ich brenne weiter für die Stadt“ – 20. Reutlinger Schwörtag

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Reutlinger Schwörtag der Neuzeit mit zahlreichen Veranstaltungen am vergangenen Wochenende

Als Ida Auch als Schülerin des Friedrich-List-Gymnasiums am gestrigen Sonntag Thomas Keck im Schulhof auf der Bühne den Schwörstab übergab, gelobte Reutlingens Oberbürgermeister, immer das Beste für die Stadt zu tun. Und das für Reiche wie auch Arme, ohne Unterschied. Er versprach, auch weiterhin ein „gleicher und unpartheyischer Ambtmann zu seyn“.

Vor dem großen Bürgerfest auf dem ehemaligen Schwörhof am List-Gymnasium, fiel der Startschuss für das 20. Schwörtagswochenende der Neuzeit jedoch bereits am Freitagabend: Prof. Nils Goldschmidt referierte im Rathaus-Foyer zum Thema „Warum gesellschaftlicher Zusammenhalt uns auch wirtschaftlich stark macht“. Ein brillanter Vortrag, betonte Dr. Werner Ströbele als Geschichtsvereins-Vorsitzender. Mit Humor und Bezügen zum Schwörtag habe Goldschmidt darauf hingewiesen, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht allein durch Kostensenkungen erreicht werde, sondern auch durch gegenseitiges Vertrauen.

Am Samstagabend erfreute sich die Reutlinger Bürgerschaft nach dem Fassanstich durch den OB zunächst an Blasmusik-Rhythmen der Stadtkapelle und an den heißen Beats aus vier Jahrzehnten, die DJ Ernst O. auflegte. Die Stimmung sei bestens gewesen, der Schwörhof wurde zur Partyzone, sagte eine Insiderin.

Doch zurück zum Sonntag: Nach dem traditionellen Gottesdienst in der Marienkirche zogen Stadtspitze, die Trachtenvereine aus Betzingen und Ohmenhausen in ihren farbenfreudigen Gewändern, die  Stadtkapelle und die die zahlreichen Gäste in einem Festzug über den Marktplatz mit einer Umleitung durch die Museumsstraße (weil die Kanzleistraße immer noch gesperrt ist) zum List-Gymnasium.

Zunächst ging Keck in seiner Schwörtagsrede auf den Reutlinger Stadtbrand im Jahr 1726 ein – ob das diesjährige Motto „Reutlingen brennt“ wirklich so gut gewählt war? Schließlich standen dieses Jahr schon dreimal die Reutlinger Feuerwehren im Mittelpunkt: Zunächst beim Brandanschlag auf das Umspannwerk in Mark-West, mit zum Teil verheerenden Folgen. Dann folgte in der Kanzleistraße mitten in der Altstadt während des Stadtfestes ein Hausbrand und zuletzt dann ein Großbrand in einem Recycling-Betrieb erneut im Industriegebiet Mark-West.

Dass „Reutlingen brennt“ könnte aber auch sinnbildlich auf die Situation der Stadtkasse gemünzt werden, nämlich im Sinn von „Reutlingen ist abgebrannt“, so der OB. Ein Hoffnungsschimmer: Erstmals erkenne der Bund das Konnexitätsprinzip an, dass „wer bestellt, auch bezahlt“.

Eines müsse laut Keck klar sein: Die Stadtverwaltung habe kein Interesse, „lieb gewordene Standards herunterzufahren oder bislang als selbstverständlich hingenommene Dienstleistungen und Angebote abzuschaffen“, so der OB. „Trotzdem wird es weiterhin in Ihrem Alltag spürbar sein, dass Ihre Heimatstadt, wie die meisten anderen auch, aus dem letzten Loch pfeift.“

Nicht viel mehr als „ein Tropfen auf den heißen Stein“, seien die 66 Millionen Euro vom „Sondervermögen des Bundes“, die für die Sanierungen der Schulen genutzt werden sollen. Aber: Es gebe auch positive Signale. Nämlich, dass die Bundesgartenschau im Jahr 2039 an die Achalm kommen könnte. Am 23. Julin entscheide der Reutlinger Gemeinderat über die Bewerbung. „Die BUGA ist eine einzigartige Chance für die Stadt und die Region“, betonte Thomas Keck. Hoffnungsvoll stimme ihn auch die Vielzahl der öffentlich geförderten Wohnungen, die zurzeit in der Stadt entstehen. Positiv sei ebenfalls die Regionalstadtbahn und der dazugehörige Betriebshof, der auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Gelände entstehen soll.

„Ich brenne nach wie vor für diese meine Heimatstadt“, rief Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck gestern den zahlreichen Gästen im Hof des Friedrich-List-Gymnasiums bei seiner Schwörtagsrede zu. Beim Bürgerfest war am gestrigen Sonntag aber noch viel mehr geboten: So etwa Ewald Walkers „Fahnenflaigen in Perfektion“, wie Moderatorin Constance Dada.

Für die Kinder gab es Bewegungsspiele und Bastelaktionen, Flechtfrisuren wie im Mittelalter – apropos: „Wer noch mehr Mittelalter-Feeling wünscht, ist im Volkspark richtig“, so Keck. Der OB hatte im Übrigen nach dem Motto „Kein Schwörtag ohne Trinkspruch“ zuvor einen Römer von Milena Lengwin von der Trachten- und Volkstanzgruppe Ohmenhausen entgegengenommen.

„Den Schwörtag will ich gerne pflegen und hoff‘ dafür auf Gottes Segen, auf schönes Wetter und freundliche Leut‘, und dass der Wein wird munden heut – zum Wohl“, sagte Thomas Keck und kippte den Wein in einem Zug hinunter. Na denn Prost.

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