Music4Humanity feierte zwei Tage lang ein Festival für Vielfältigkeit, Menschlichkeit und das Leben
„Ich freue mich über das Festival, über die Musik und die Menschen, die sich für die Not Anderer interessieren“, sagte Markus Brandstetter von den 3 Musketieren am Samstagabend im Reutlinger Stadtpark. Zwei Nächte hatte er nicht geschlafen, weil er dort im Park übernachtet hatte.
Viel Aufwand steckt hinter der Durchführung solch eines musikalischen Großevents, das am vergangenen Wochenende nicht nur einen, sondern gleich zwei Tage so viele Menschen angelockt hatte. Es war ja auch jede Menge geboten: Viel Programm für Kinder vor allem am Samstagnachmittag mit Piano Papa und Andino sowie den Dance Kids vom TSV Eningen. Und natürlich jede Menge Musik für alle. Drei Bands am Freitagabend mit Dreibettzimmer, Sündflut und Suabian Kick – Letztere traten dort mit ihrem Leadsänger Markus Vatter zum letzten Mal auf.
Aber Vatter moderierte den ganzen Samstag, unterhielt sich mit Markus Brandstetter etwa über die Einsätze der 3 Musketiere. Der Vorstand der NGO (Non Government Organization) erzählte von Costa, den er in Athen bei einem Hilfseinsatz kennengelernt hatte. Costa habe für Flüchtlinge in Athen gekocht und gesagt: „Wenn man die Gabeln miteinander teilt, ist das für Menschen das Höchste überhaupt.“
Nach dem ersten Einsatz in der Türkei hatten die 3 Musketiere beschlossen, dass sie dort wieder helfen wollten. Vor zehn Jahren war das. „Zunächst hatten wir im Freundeskreis gefragt, ob sie unsere Hilfe unterstützen wollten“, erzählte Markus Brandstetter. Der Erfolg war bescheiden, jemand hatte die Idee eines Benefizkonzerts geboren.
(Foto: „mojopack“ heizte bei music4humanity ein.
Eins kam zum anderen, Heiner Engelhard als einstiger Betreiber des Maximilians „war gleich voll begeistert“. Bands waren ebenfalls schnell gefunden. Und als Open-Air-Version war der Traumspielort im Stadtpark auch kein Problem. Etwas problematisch wurde es nur, als ein Spender 500 Euro geben wollte für die weitere Hilfe der 3 Musketiere. „Er wollte eine Spendenbescheinigung, ich wusste damals nicht einmal, was das ist“, so Markus Brandstetter.
Daraufhin wurden die 3 Musketiere gegründet. Die weitere Geschichte ist bekannt: Hilfseinsätze in Syrien, der Türkei, der Ukraine, zuletzt in Kairo folgten und bald unterstützt die Reutlinger Hilfsorganisation auch ein Projekt im Gaza-Streifen. Am vergangenen Wochenende aber wurde zunächst mal gefeiert – zehn Jahre music4humanity und zehn Jahre 3 Musketiere.
Am Samstag gab es mächtig Blues-Rock-Funk auf die Ohren, „mojopack“ spielte auf. Das Bosch Swing & Dance Orchestra legte nach und begeisterte mit großem Bläser-Engagement. „Cheetah’s Fake“ brachten anschließend bekannte und fast schon in Vergessenheit geratene Songs. Die „Lights of Orion“ entführten das Publikum vor dem großen Finale mit dem „Musketier-Song“ in die 1980er Jahre.
(Foto: Das Bosch Swing & Dance Orchester war ebenfalls Teil von music4humanity.)
Ob sich das Festival lohnt? Kommen da viele Spenden rein? „Die vergangenen Jahre konnten wir die Unkosten über Sponsoren abdecken – dieses Jahr nicht“, sagte Markus Brandstetter. Die größten Kosten würden durch die Bühne, Technik und Strom verursacht. „Wenn was übrigbleibt, fließt das direkt in die Hilfsprojekte.“
Dennoch wollen die 3 Musketiere die Getränkepreise nicht erhöhen. Wichtig sei den Veranstaltern von music4humanity, dass alle und jede zu dem Festival kommen können. Außerdem werde mit den anwesenden eritreischen, griechischen, serbischen und chinesischen Vereinen ein eindeutiges Zeichen der bunten Vielfalt gesetzt.
„Wir wollen mit dem Festival ein klares politisches Signal gegen rechts senden“, sagte Brandstetter. „Wenn es so weit kommen sollte, dass hier die blauen Fahnen (der AfD) wehen, wird es die 3 Musketiere und music4humanity nicht mehr geben.“ Er selbst erlebe es in den autokratisch geführten Ländern, in denen die 3 Musketiere helfen, immer wieder, dass es dort mit der Freiheit nicht weit her ist. Deshalb müsse sie hier umso mehr geschätzt – und verteidigt – werden.