Umweltbildungszentrum Listhof plant ein neues Gebäude für den maroden Fuchsbau – Vorstellung von Zusammenarbeit mit der Berliner Hochschule für Technik beim Projekt KInsekt
„Es geht hier um mehr als die Kenntnis von Insektenarten“, betonte Helmut Treutlein am Samstagvormittag im Umweltbildungszentrum Listhof. „Es geht um nicht weniger als um das Verständnis unseres Lebens.“ Ein bisschen dick aufgetragen? Mitnichten. Im neuen Gebäude, dem „Haus der Insekten“, das auf dem Gelände des bisherigen „Fuchsbaus“ entsteht, soll Bildung und Forschung betrieben werden.
Es gelte, das Wissen über Insekten zu vertiefen und den Zusammenhang zwischen den kleinen Tieren und dem Rest der Welt zu verstehen. „Wir wollen hier zeigen, dass Insekten überlebenswichtig sind“, so Treutlein als Vorsitzender des Vereins Umweltbildungszentrum Listhof. Pläne für Sanierung und Umbau des Fuchsbaus gibt es schon lange. Doch 2025 kam schließlich das Aus, wie Treutlein am Samstag einer auserlesenen Schar an Zuhörern erläuterte. Der Boden unter dem Fuchsbau mache nicht mit, er besteht laut Treutlein aus 4,5 Meter dickem Ölschiefer und sei rutschgefährdet. „Der Untergrund ist nicht tragfähig“, so Architekt Helmut Goldbach.
„Hier stand mal eine Ölschieferfabrik, da sollte Lampenöl produziert werden – der Traum vom Öl aus Schwaben“, sagte Treutlein. Nun soll an gleicher Stelle ein Neubau entstehen – und zwar gestützt auf eine Vielzahl an Rammpfählen, die laut Goldbach in den Untergrund gebohrt werden. Darauf komme dann eine Betonplatte, einen Keller wird es nicht geben.
Der Ersatzbau werde ähnlich groß wie das bestehende marode Haus. Die Holzsystembauweise sorge dafür, dass dieses neue Gebäude deutlich schneller auf einem Stahlbetonfundament errichtet werden könne, als die Sanierung des alten Gemäuers gedauert hätte. „In einer Woche steht das Haus, wir sparen dadurch ein Jahr Bauzeit“, so Goldbach.
Was in dem „Haus der Insekten“ untergebracht werden soll? Mehrere Büros, ein Besprechungsraum, ein Versammlungs- und Präsentationsraum, im Dachgeschoss eine Mitarbeiterwohnung, Lagerfläche – direkt unter dem Dach sei jedoch alles optional, „es könnten auch weitere Büros dort entstehen“, sagte der Architekt. Im Erdgeschoss sind zudem Sanitärräume für den Zeltplatz vorgesehen.
Kosten von rund 1,6 Millionen Euro schlagen zu Buche, „die Sanierung hätte voraussichtlich 300.000 Euro mehr gekostet“, sagte Goldbach. Beheizt werde das Haus mit einer Wärmepumpe, „über Erdwärme, also nichts Fossiles“. Dabei sei keine Fußbodenheizung geplant, sondern Heizelemente an der Decke. „Im Sommer kann man damit kühlen“, so Helmut Goldbach.
Im Herbst sollen die Vorbereitungen für die Abriss erledigt werden, dann im Dezember und Januar der Neubau auf die Rammpfähle gesetzt werden. Ohne jede Menge Fördermittel wäre jedoch der Neubau niemals möglich gewesen. „Mir ist von mehreren Seiten gesagt worden, dass es unmöglich ist, Gelder aus mehr als einem Fördertöpf zu kriegen“, so Treutlein.
Doch der ehemalige Schulrektor ließ sich nicht entmutigen: Nachdem er für das Projekt KInsecta schon 800.000 Euro vom Bundesumweltministerium erhalten hatte, sind ihm für das „Haus der Insekten“ von „Kultur Invest“ vom Bund 600.000 Euro zugesagt worden. Hinzu kommen vom Fonds Stiftung Naturschutz 340.000 Euro, die Volksbildung Reutlingen will 430.000 Euro geben und Eigenmittel von 200.000 Euro reichen immer noch nicht ganz. Ein wenig Förderung erhofft sich Treutlein zudem von der Reutlinger Bürgerstiftung.
Was am Samstag bei brütender Hitze ebenfalls auf dem Listhof passierte? Das Projekt „KInsect“ wurde vorgestellt. Dazu waren extra aus Berlin von der Hochschule für Technik die Professorin Inge Beckers und Prof. Frank Haußer angereist. Die Kooperation zwischen Listhof und der Hochschule läuft schon seit August 2020, dabei wurde ein „Multisensorsystem für eine Klassifikation von heimischen Insekten im Freiland entwickelt“. Und zwar ohne die Tiere dabei zu töten.
Peter Schuller, ist als „Citizen Scientist“, als Bürgerwissenschaftler über einen Workshop im Innoport zu dem Projekt 2023 dazugekommen. „Peter Schuller hat einst bei Burkhardt und Weber Transferstraßen wie in der Autoindustrie entwickelt“, so Treutlein. Nun ging es jedoch deutlich kleiner zu: Da hat Schuller zahlreiche Elemente wie Kameras, Lichtschranken, PC, Tastaturhalter, Insekteneingang und -ausgang, Stromzufuhr und noch viel mehr zusammengefügt und daraus solch ein Multisensorsystem gebaut.
Das Prinzip ist einfach: Insekten sammeln sich in einem Gaze-Zelt und sollen dann in das Gerät hinein. „Ich habe alles probiert, die wollten einfach nicht in den Eingang rein“, so Schuller. Aber dieser Zutritt ist auch nur wenige Zentimeter groß. Dann hat der findige Tüftler eine Lichtquelle in seinem Kasten installiert, schon hat’s funktioniert. Aber: „Nicht immer wird die Lichtschranke ausgelöst.“
Dennoch: Das Professoren-Duo zeigte sich beeindruckt. „Das ist eine Arbeit, die sonst wir übernehmen, während Bürgerwissenschaftler für gewöhnlich Daten sammeln“, sagte Haußer. Bei Schullers Zauberkasten handle es sich um „eine hochkarätige Ingenieursleistung“, so der Professor.