Kirchentellinsfurter Jugend 72138 hatte zum Public Viewing geladen – Der große Wunsch nach einem eigenem Jugendhaus
„72138 Jugend“ ist auf einem großen Banner zu lesen. Hinter der Postleitzahl von Kfurt ist das alte Schafhaus abgebildet. Ein tolles historisches Gebäude. Aber in der Realität ist der Eindruck der einer baufälligen Ruine. Dennoch war die alte Scheune über Jahre hinweg der Traum der jungen Menschen.
„Der Standort hier wäre für ein Jugendhaus optimal gewesen“, betont Ben Beckert. Der 19-Jährige macht gerade sein Abitur, ist seit fast sechs Jahren bei 72138 dabei. Er bringt sich ein, „ist eine Stütze der Gruppe“, betont Jugendreferent Jonas Klaus am Samstagabend kurz vor dem Start des Fußballspiels Deutschland gegen die Elfenbeinküste in Toronto.
Zum zweiten Mal haben die insgesamt 30 bis 40 Jugendlichen ein Public Viewing organisiert, das letzte Mal im Jahr 2024, während der Europameisterschaft. „Da haben die Deutschen gegen Schottland haushoch gewonnen – sind dann aber trotzdem ziemlich früh ausgeschieden“, erinnert sich Klaus. Noch viel wichtiger war aber, dass die Jugendlichen das Event selbst vorbereitet hatten. „Das war ganz schön viel Arbeit.“
Eine Leinwand steht am vergangenen Samstagabend auf dem Gelände vor dem Schafhaus und neben den beiden Bauwagen. Letztere sind für die Jugendlichen – sobald es temperaturmäßig erträglich ist –
eine Art Heimat, außerhalb der Gemeinde, wo es auch mal lauter sein darf. Aber nicht zu weit weg vom Ort, wie Ben ausführt.
„Deshalb wollten wir ja auch das Schafhaus als Jugendtreff haben“, sagt der 19-Jährige. Lange hat er zusammen mit anderen Kfurter Jugendlichen dafür gekämpft. Sie waren im Kontakt mit Bürgermeister Bernd Haug und dem Gemeinderat. „Die Verhandlungen waren gut, aber es klemmte manchmal an der Kommunikation“, so Beckert.
Im Gespräch erfuhren die Jugendlichen, dass die Sanierung des Schafhauses „über eine Million hätte kosten sollen“. Dann waren aber Feuerwehrhaus und andere teure Projekte in der Gemeinde wichtiger – für Jugendliche, die zumeist maximal vier bis fünf Jahre in einem Jugendhaus aktiv sind, sei das zwar nachvollziehbar gewesen. Aber dennoch höchst unbefriedigend, wie Sozialarbeiterin Silke Hänle ausführt.
Klar, es gebe ja das Volksbänkle und einen Gewölbekeller darunter, den die Jugendlichen ebenfalls nutzen. Aber: „Das ist mitten im Wohngebiet, da hat es immer mal wieder Ärger mit Anwohnern gegeben, die die Polizei gerufen haben“, so Hänle. Ganz problemlos sei es auch beim Schafhaus nicht – Jonas Klaus erinnert sich, dass immer mal wieder jemand dort nach Partys oder sonstigen Veranstaltungen nach Müll sucht und Fotos macht.
„Dem haben wir auf Instagram den Wind aus den Segeln genommen, als wir eine Aufräum-Aktion mit Schaufel und Müllsäcken gepostet haben – da war alles blitzblank“, sagt der Jugendreferent und grinst. Hänle und Klaus sind eh überzeugt, dass die Jugendlichen von 72138 die Selbstverwaltung nicht ausnutzen. Im Gegenteil: „Die Gruppe ist höchst diszipliniert“, sagt Silke Hänle.
Das unterstreicht unbewusst auch Ben Beckert: Er hatte am Samstagnachmittag einen Schwimmwettbewerb, „ich habe aber die ganze Zeit den Kontakt hier zu den Vorbereitungen gehalten und mitorganisiert“. Denn: Auch vor dem Public Viewing am Samstag war wieder jede Menge zu bedenken: Grill, Getränke, Gas, Benzin für den Generator, Leinwand (vom Kreismedienzentrum), Pavillons – „wir haben ganz viel von Reinhold Neu gekriegt, der uns hier enorm unterstützt“, sagt Klaus.
Generell erhalten die Jugendlichen von 72138 viel Unterstützung von einigen Erwachsenen. Positiv ausgewirkt habe sich da ein Jugendforum im Februar 2024. Im Sommer darauf war dann das erste Public Viewing. „Da sind 120 Leute gekommen, Jugendliche, Erwachsene, der Bürgermeister, Gemeinderäte – und am Ende haben alle zusammen gefeiert.“ Für Jonas Klaus ein eindeutiges Zeichen, dass „Fußball verbindet“.
Noch viel mehr freut die Kfurter Jugendlichen aber, dass nach der Sanierungsabsage für das Schafhaus nun ein Jugendhaus hinter dem Gebäude in Aussicht steht. „Es gibt schon einen Plan für das Haus, wir haben unser Raumkonzept eingebracht“, sagt der Jugendreferent und zeigt den Grundriss auf seinem Smartphone. „Da ist alles drin, was wir bräuchten“, sagt Ben Beckert. Wie lange es noch dauert, bis es so weit kommt? „Der Bebauungsplan ist noch nicht durch“, sagt Klaus.
Aber der Gemeinderat stehe hinter den Plänen. Kosten seien laut Beckert noch nicht bekannt, „aber da ist was ins Rollen gekommen“, zeigt sich Klaus hoffnungsvoll. Vielleicht können sich auch da wieder einige Geflüchtete einbringen – so wie bei den Bauwagen, als muslimische Mädchen mit rosa Flipflops (höchst engagiert und technisch versiert) an den Schreinerarbeiten mitgewirkt hatten.
Wie lange das noch dauert, bis das Jugendhaus tatsächlich entsteht? Die Schultern gehen fragend nach oben. Wenn es so läuft wie beim Fußballspiel am Samstagabend, dann war es auch lange Zeit zäh. Aber am Ende herrschte Freude pur über den Sieg des deutschen Teams. So ähnlich könnte es bei dem Jugendhaus auch funktionieren. Hoffentlich.