Faszinierender Blick hinter die Kulissen – Tag der offenen Tür beim Naturtheater Grötzingen

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Naturtheater Grötzingen ließ am Pfingstsonntag hinter die Kulissen gucken – Riesiger Aufwand auf engstem Raum

Noch drei Wochen bis zur Premiere. „Es funktioniert noch nicht alles, aber es ist ja noch massig Zeit“, sagte Kerstin Schürmann am Pfingstsonntag beim Tag der offenen Tür im Naturtheater Grötzingen. Doch die Zeit bis zum 13. und 14. Juni geht schnell vorbei, das weiß auch die künstlerische Leiterin des besonderen Theaters im Aichtal. „Aber das ist immer so – bei uns geht alles auf den letzten Drücker“, sagt sie und schmunzelt.

Geklappt hat aber bislang auch immer alles. Seit 1954 gibt es das Naturtheater in Grötzingen. „Und nach wie vor ist alles ehrenamtlich“, sagt Schürmann. Nur eine Frau an der Kasse und ein Hausmeister werden bezahlt. „Eingekauft“ sind in diesem Jahr zudem Regisseurin Marion Jeiter beim Kinderstück „Der Zauberer von Oz“ und Jürgen Lingmann als Chef hinter der Aufführung der „Drei Musketiere“.

Zwei starke Stücke, „der Oz ist schon fast ausverkauft“, sagte Schürmann. Dass und wie alles funktioniert, auf, vor und hinter der Bühne – das konnten sich Interessierte an Pfingsten einen Tag lang selbst anschauen. Bei einer Backstage-Führung etwa. Treppauf, treppab ging es da hinter der Bühne in sehr engen Gängen, in denen ebenfalls jeder Zentimeter mit Regalen ausgenutzt wird.

„Unser Platz ist extrem begrenzt“, sagte Schürmann „Das liegt daran, dass wir hier am Hang mitten im Naturschutzgebiet sind und nichts Neues bauen dürfen“, erläuterte Nina Wildner-Kuhn als Ressortleiterin Kunst bei einer Führung durch Gänge und Räume hinter der Bühne. „Wir spielen übrigens bei jedem Wetter.“ Und wenn es regnet? Egal. „Dann spielen die Schauspieler eben nass“, so Wildner-Kuhn. Dann gebe es meist umso mehr Beifall.

Das Publikum befindet sich eh stets im Trockenen. „Die Betonverschalung über der Tribüne wurde 1978 in den Hang eingepasst und ist was ganz Besonderes.“ Rund eine halbe Million D-Mark hatte das damals gekostet. Installiert sind dort heute genau 805 Sitzplätze, weitere 80 können bei großer Nachfrage hinzukommen. „Das Dach überspannt 650 Quadratmeter“, so Wildner-Kuhn.

Die Bühne ist im Freien, dahinter stehen Bäume, weshalb der Titel „Naturtheater“ auch völlig zutrifft. Wieder geht es bei der Führung eine Treppe runter, „in den Bunker“, also das Lager von allem möglichem. Wohl dem, der da den Überblick nicht verliert.

Aber es gibt ja Zuständige für alles. Für den Bühnenbau etwa. Auch Kerstin Schürmann war da mal dabei. „Es gab mal eine Saison, da hat es vor der Premiere drei Wochen am Stück nur geregnet, das Bühnenbild konnte nicht angemalt werden“, so die studierte Theatertherapeutin. Geklappt hat es trotzdem, weil Einzelteile dann abgebaut und unter dem Tribünendach bemalt wurden.

Backstage befindet sich viel Weiteres: ein Theatercafé etwa, ein sehr enger Umkleideraum – kaum vorstellbar, wenn da 40 Kinder gleichzeitig angekleidet werden sollen. Auch die „Maske“, wo jede Akteurin und jeder Akteur, egal, welchen Alters geschminkt wird – ziemlich eng.

Die Kostüme werden übrigens alle selbst geschneidert (von Ehrenamtlichen) oder auch mal ausgeliehen (vom Naturtheater Reutlingen etwa).

Die Maske machen ebenfalls Ehrenamtliche genauso wie alles andere, was im Theater so anfällt. Die Bewirtung etwa. Kerstin Schürmanns Vater kam gerade hinzu. Er hatte einst den Fahrdienst gemacht, um Klein-Kerstin zu den Proben zu bringen. Seit Jahren ist er selbst fester Bestandteil der insgesamt rund 250 Aktiven. Unter ihnen findet sich auch die rund 100 Köpfe umfassende Schauspiel-Truppe.

Die fangen jeweils im Januar zweimal in der Woche mit den Proben an. „Ab Ostern sind wir dann dreimal die Woche auf der Bühne und proben, da kann es auch noch schneien und heftig kalt sein“, so Schürmann. „Trotzdem haben wir seit rund zwei Jahren eine Warteliste für Kinder – bei 40 mussten wir einen Cut machen“, erläutert Nina Wildner-Kuhn. Mehr gehe einfach nicht.

Beim Tag der offenen Theatertür gab es aber nicht nur die Backstage-Führung, sondern auch erstmals Info-Tafeln, auf denen jede Menge Informationen zum Theater-Betrieb nachzulesen waren. Aber natürlich wurde auch bewirtet und es wurden Häppchen der beiden Stücke der kommenden Saison gereicht. All das traf auf großes Interesse. Beim „Zauberer von Oz“ wurde etwa gerade die (böse) Osthexe von der Nordhexe (der guten) verdrängt. Und d’Artagnan traf auf seine künftigen Kumpel-Musketiere.

Zuvor gab es aber noch Lockerungsübungen von Regisseurin Jeiter für die ganz jungen Akteurinnen und Akteure in ihren Kostümen. Körper, Muskeln, Stimme, Zunge – alles musste erst mal entspannt und gelockert werden. „Ssss-sch-ffff-sss-sch-ffff“, rief Jeiter und alle machten es brav nach.

Schweißtreibend war das – weil alle in der prallen Sonne standen, bei mehr als 30 Grad. Doch wer auf der Grötzinger Bühne stehen will, muss schon an einiges gewöhnt werden. Aufführungen beginnen am 13. Juni. An elf Wochenenden wird gespielt, bis zum 23. August. Hinzu kommt der Auftritt einer Simon&Garfunkel-Cover-Band sowie Heinrich del Core.

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