„Die filigranste Art, Strom zu erzeugen“ – Fünf Windräder bei Sonnenbühl in Betrieb genommen

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Windpark Hohfleck auf Sonnenbühler Gemarkung ist am Samstag offiziell mit einem großen Fest in Betrieb gegangen

Es war ein langer Weg bis zu dieser Inbetriebnahme der fünf Windräder auf dem Hohfleck, nicht weit vom Traumland Sonnenbühl entfernt. Dass dort der Wind weht, zeigten nicht nur die Räder, die sich munter drehten – kurz bevor die Grußworte gesprochen wurden, erhob sich eine kleine Windhose vor den Rednern und wirbelte einigen Staub und Blätter auf.

„Wer bisher bezweifelt hat, dass dies der richtige Standort für die Windräder ist – hier haben wir den Beweis“, betonte Sonnenbühls Bürgermeister Michael Schmidt. Allerdings sei es nach den Worten von Philipp Hirrle ein Marathon bis zur Genehmigung der Anlagen gewesen. „Ein 5.000-Meterlauf wäre besser gewesen“, so der Ordnungsdezernent im Reutlinger Landratsamt.

(Foto: Volksfestcharakter am Samstag auf dem Hohfleck unter den WIndrädern.)

Dass sich die Landschaft in einem stetigen Änderungsprozess befindet, sei normal, „das müssen wir hinnehmen“. Die Haltung, „Windkraft ja, aber nicht bei mir, das geht heute einfach nicht mehr“, so Hirrle. „Windkraft ist auf dem Vormarsch“, betonte Andrea Bär vom Regierungspräsidium Tübingen. „In Zeiten von Energiekrisen und Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen, erhält die Windenergie immer mehr Bedeutung.“

Genauso wie Bär freute sich auch Michael Schmidt über „die lokale Wertschöpfung“ – dass nämlich der im Hohfleck produzierte Strom auch vor Ort verbraucht werde. Hinzu komme, dass sich Bürgerinnen und Bürger als Gesellschafter an dem Projekt beteiligen und davon auch finanziell profitieren können.

Vor 14 Jahren hat die Sonnenbühler Firma Sowitec nach den Worten von Geschäftsführer Frank Hummel das Projekt Hohfleck in der Gemeinde vorgestellt. Bürgermeister und Gemeinderat hatten zugestimmt, dann fehlte „nur noch“ die Genehmigung des Landratsamts. Da hakte es jedoch, zudem bildete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Lichtenstein“ – „die massiv gegen das Projekt Stimmung machte“, so der Sowitec-Chef.

(Foto: Festredner unterm Windrad.)

Ende 2016 erhielt die Firma „einen Ablehnungsbescheid wegen Denkmalschutz“, sagte Hummel. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen und bekam recht – „das Landratsamt musste neu entscheiden, tat es aber nicht, wir reichten vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim eine Untätigkeitsklage ein“. Das oberste Gericht entschied für Sowitec, das Landratsamt musste neu entscheiden, was nach vier Wochen auch geschah. Die Genehmigung lag nun vor, „elf Jahre nach dem Start der Planungen, acht Jahre nach Einreichung des Bauantrags“, so Frank Hummel.

Allerdings legte noch einmal eine Naturschutzinitiative aus der Pfalz Klage gegen den Bescheid des VGH ein, die wurde abgelehnt, dann endlich konnte gebaut werden. Drei Jahre brauchte es von der Rodung bis zum vergangenen Samstag. „Die Kosten für die fünf Windräder belaufen sich auf rund 37 Millionen Euro“, so Hummel.

Nun endlich konnte gefeiert werden, das Interesse am Samstag war groß, ein Busshuttle vom Parkplatz der Bärenhöhle zum Festort war eingerichtet worden, Blasmusik spielte auf, es herrschte Volksfestcharakter. Mit VR-Brillen konnte sogar der Blick von oben, von der Kanzel eines Windrades simuliert werden.

„Es ist gut, dass Frank Hummel so beharrlich das Projekt vorangetrieben und gegen alle Widerstände zu Ende gebracht hat“, betonte Ortwin Wiebecke als Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen (SWT). Als Projektpartner „sind wir gemeinsam mit Sowitec durch dick und dünn gegangen“, so Wiebecke. Leicht sei das nicht gewesen, zwischendrin habe Hummel deutliche Zweifel an dem Projekt gehabt, sagte er am Rande der Feierlichkeit. Tübingens OB Boris Palmer betonte: „Sonnenbühl ist jetzt da, wo wir als Stadt hinwollen – die Gemeinde ist klimaneutral, ihr habt das schon geschafft, ich bin neidisch.“

Weil eines der fünf Windräder im Staatswald steht, sagte Felix Reining von Forst BW: „Dass eine regional gelebte Energiewende gelingen kann, sieht man hier.“ Allerdings ging auch er auf die Widerstände gegen das Projekt ein: „Als Häuslebauer wären wir bei solch einem langen Genehmigungsverfahren verzweifelt.“

Doch nun war es endlich geschafft. „Ein Glücksfall, dass Sowitec bei allen Herausforderungen den Windpark Hohfleck vorangetrieben hat“, betonte Uwe Morgenstern als ehemaliger Bürgermeister. Und Schmidt hob als sein Nachfolger hervor: „Die fünf Windräder sind für unsere Gemeinde ein Standortfaktor, wir können Unternehmen einen attraktiven Platz bieten.“

(Foto: 125 Meter hoch ist die Nabenhöhe eines Windrads, der Rotordurchmesser beträgt 150 Meter.)

Morgenstern habe sich, genauso wie sein Nachfolger im Amt, in Sonnenbühl umgehört, wie denn der Windpark ankommt. Bei einer Jubilarehrung in Genkingen habe der ehemalige Rathauschef eine ältere Frau gefragt. Ihre Antwort, mit direktem Blick auf die Windräder, habe gelautet: „Gibt es denn eine filigranere Art, Strom zu erzeugen?“

INFO:

Zahlen, Daten, Fakten zum Windpark

Fünf Windräder stehen nun auf dem Hohfleck auf Sonnenbühler Gemarkung, eines davon im Staatswald. Drei Jahre hat der Bau gebraucht, die Kosten belaufen sich auf rund 37 Millionen Euro. Jedes Windrad hat eine Leistung von 4,2 Megawatt, insgesamt können 9.400 Haushalte mit Strom versorgt werden. Alle Anlagen produzieren zusammen rund 45 Millionen Kilowattstunden Strom. Die Nabenhöhe eines Windrads beträgt 125 Meter, der Rotordurchmesser 150 Meter, wie Frank Hummel von Sowitec erläuterte.

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