Jahresempfang der Reutlinger SPD im Spitalhof am Freitagabend – Hauptredner Thomas Keck über Zusammenhalt in der Gesellschaft
„Der 8. Mai als Ende des Zweiten Weltkriegs mahnt uns, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist“, betonte Mert Akkecelli genau 81 Jahre später als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Reutlinger Gemeinderat am Freitagabend im Spitalhof. Beim Jahresempfang der Reutlinger SPD lautete das Thema des Abends „der Zusammenhalt in der Gesellschaft“, wie Ronja Nothofer-Hahn als Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten in ihrer Begrüßung ausführte.
Das Land funktioniere nur, weil jeden Tag viele Menschen Verantwortung übernähmen – von Ärztinnen, Pflegern und vielen weiteren Personen in der Gesellschaft. Viele von denen würden sich von der Politik vergessen fühlen, sich der AfD zuwenden. „Demokratische Politik muss aber alle mitnehmen“, forderte Nothofer-Hahn. „Die Politik hat die Verantwortung, das Auseinanderbrechen der Gesellschaft zu verhindern.“
Populismus sei kein probates Mittel, genauso wenig wie die Hatz nach „schnellen Schlagzeilen für kleine Geländegewinne“, so die SPD-Kreisvorsitzende. Sie kritisierte Kanzler Merz und seine Äußerungen über „faule Menschen“ und über „Lifestyle-Teilzeit“. Gleichzeitig forderte sie, dass deutsche Kommunen finanziell besser ausgestattet werden müssten.
Genau das hatte auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck am Freitagabend in seiner Hauptrede gefordert: Damit Kommunen besser dastehen, brauche es eine Staatsreform, „die für eine gerechtere Finanzierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen sorgt“. Auch bei der neuen Landesregierung erwarte Keck ein Aufbruchsignal zur besseren Unterstützung der Kommunen. „Ansonsten droht bei uns schleichende Handlungsunfähigkeit“, so der OB.
„In früheren Zeiten waren viele Menschen vonnöten, die Herausforderungen anpackten.“ Wie beim Stadtbrand etwa im Jahr 1726. „Da wurden vier Fünftel der Häuser in der Stadt zerstört“, erinnerte Thomas Keck. Die Menschen seien damals aufeinander angewiesen gewesen, egoistisch zu sein, habe man sich nicht erlauben können.
Aber: „Das Zusammenleben funktioniert ja auch heute noch“, sagte der Oberbürgermeister. Bei der Gemeinderatssitzung Ende vergangenen Jahres etwa sei eine weitreichende Entscheidung getroffen worden – nämlich, dass die Regionalstadtbahn durch die Gartenstraße führen soll. „Das war eine Sternstunde in der Gemeinderatsarbeit“, betonte Keck.
Ebenfalls eine deutliche Marke habe der Beschluss des Reutlinger Gemeinderats des Haushalts 2026/2027 gesetzt, der Sparmaßnahmen von 11 Millionen Euro vorsieht. „Das hat aber nicht ausgereicht, es braucht dazu einen gezielten Abbau von 250 Stellen in der Stadtverwaltung.“ Was das bedeute? „Wir können den Bürgerinnen und Bürgern den bisherigen Standard nicht mehr bieten“, sagte der OB.
Aber: Bei allen Sparvorhaben seien Prioritäten gesetzt worden. Vereine sollen weitgehend verschont bleiben. Als „wesentlicher Teil der Stadtgesellschaft fördern sie den Zusammenhalt, sie sind das Rückgrat unserer Gesellschaft“. Allerdings werde dieser Zusammenhalt durch Menschen wie Björn Höcke und die AfD gefährdet, deren Namen Keck nicht in den Mund nahm. „Viele wenden sich dieser Partei zu.“
Katja Fischer betonte als stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende: „Gemeinschaft entsteht durch gemeinsames Handeln“, so Trochtelfingens Bürgermeisterin. „Jeder und jede kann was tun, wenn es um das Wohl aller geht, Gemeinschaft braucht uns alle.“ Für etwas Entspannung zu Beginn des Jahresempfangs hatten Ensemblemitglieder der Reutlinger Tonne gesorgt, als sie – sehr zur Freude des Publikums im Spitalhofsaal – kurze Auszüge aus „Lola Blau“ und „Tatortreiniger“ geboten haben.