Metzingen positioniert sich gegen Rechtsextreme – Gedenken an Sophie Scholl und die „Weiße Rose“

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Gedenkveranstaltung an Sophie Scholl und die „Weiße Rose“ von „Metzingen bleibt bunt“, Verdi und Verein „Leben wie ich es will“ – Aufruf zu Widerstand gegen Rechtsextremismus

In Metzingen ist kein Platz für Neonazis – die Botschaft der Gedenkveranstaltung an Sophie Scholl am Samstagvormittag vor dem alten Metzinger Rathaus war eindeutig und wurde auch so formuliert. „Der III. Weg“, eine rechtsextremistische und neonazistische deutsche Kleinpartei, die vom Verfassungsschutz als gewaltbereit eingestuft wird, war vor zwei Jahren zum ersten Mal in Metzingen aufgetaucht, wie eine Mitstreiterin von „Metzingen ist bunt“ am Rande der Veranstaltung erläuterte.

Thomas Rapp hatte als besorgter Metzinger Bürger die Initiative der bunten Stadt angefragt, ob eine gemeinsame Veranstaltung möglich wäre. Am vergangenen Samstag, am Geburtstag von Sophie Scholl – sie wäre am Samstag 105 Jahre alt geworden – erinnerte Rapp selbst vor rund 70 Personen an die mutige junge Frau. „1942 und 1943 hat sie zusammen mit der Weißen Rose Flugblätter gegen den Krieg und den Terror der Nationalsozialisten verteilt.“ Das konnte sich das NS-Regime nicht bieten lassen, Sophie Scholl und die anderen Mitglieder der „Weißen Rose“ wurden verhaftet, verurteilt und ermordet.

Und heute? „Es gibt sie wieder, die völkischen und rassistischen Parolen“, betonte Rapp. „Dafür ist in Metzingen aber kein Platz.“ Sophie Scholl sollte heute eine Identifikationsfigur für alle sein, forderte Christian Mundel von „Metzingen ist bunt“. Demokratie lebe von Mitgestaltung und Kompromissen, von Menschen, die Verantwortung übernehmen. „Steh zu den Dingen, an die du glaubst, auch wenn du alleine dort stehst“, soll Scholl gesagt haben.

„Hass, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit dürfen nicht die Oberhand gewinnen – wir bleiben bunt in Metzingen, laut und aktiv“, so Mendel. Ingeborg Gerhardt sprach als Verdi-Ortsvereinsvorsitzende von Stadt und Kreis Reutlingen vor dem Metzinger Rathaus: Sie erinnerte an die Menschen, die 1940 in den grauen Bussen nach Grafeneck transportiert und dort vergast wurden. „Am 18. Januar 1940 begann die systematische Vernichtung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und anderen Beeinträchtigungen“, betonte Gerhardt.

Heute werde selbst die UN-Behindertenrechtskonvention wieder hinterfragt, Teilhabe werde immer mehr zu einer Kostenfrage. In der Eingliederungshilfe drohen drastische Kürzungen. „Wir lassen nicht zu, dass auf Kosten von Menschen mit Assistenzbedarf gespart wird.“

Ute Waidelich von ihrem selbst gegründeten Verein „Leben, wie ich es will“ setzte sich ebenfalls für das Recht von beeinträchtigten Menschen auf Teilhabe ein. Denn: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, aber gilt das heute für alle“, fragte Waidelich. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichte dazu, „dass Menschen mit Behinderungen ein würdevolles Leben führen können“.

Doch heute werde dieses Recht immer wieder hinterfragt, angezweifelt, „Menschen mit Behinderungen werden wieder als Kostenfaktor betrachtet“. Inklusion aber sei ein Menschenrecht. „Heute steht die Menschenwürde auf dem Spiel“ – weil der Fokus sich immer stärker auf die Leistungsfähigkeit von Menschen richte. „Ich bin schockiert und entsetzt, wenn man sich in sozialen Medien über behinderte Menschen lustig macht“, so Waidelich.

Charlotte Stocker von „Metzingen ist bunt“ verwies darauf, dass „Wahlen ein Herzstück der Demokratie sind“. Sie zeigte Bestürzung und Unverständnis, „dass der Rechtsextremismus wieder einen parlamentarischen Arm hat – steht wirklich jeder Fünfte hinter Menschenverachtung und Diskriminierung“, fragte sie sich.

Lisa Weigert und Alexander Hack von „Metzingen ist bunt“ betonten abschließend: „Wir sind froh, dass der Platz hier vorm Rathaus heute uns gehört und keiner rechtsextremen Gruppierung.“ Der „III. Weg“ sei verhindert worden.

Und sich zu erinnern an jemanden wie Sophie Scholl, die keine 22 Jahre alt wurde, heiße: „Sich zu entscheiden gegen das Schweigen, gegen das Wegsehen und gegen die Angst.“ Die Worte und die Flugblätter der „Weißen Rose“ hätten die Nazis gefürchtete – „weil sie gesehen haben, dass man sich in diesem System widersetzen kann“, so Hack.

„Wir leben nicht in einer Diktatur, aber die demokratischen Werte geraten unter Druck“, betonte Weigert. „Diese Entwicklungen dürfen uns nicht egal sein, wir dürfen sie nicht ignorieren, es braucht Menschen, die hinschauen und handeln“, forderte Lisa Weigert.

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