Reutlinger „Haus der Kulturen“ nun endlich mit Haus – Eröffnung am kommenden Samstag

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Das „Haus der Kulturen“ öffnet am Samstag, 9. Mai ab 13.30 Uhr die Türen im obersten Stock des Postgebäudes in der Eberhardstraße

Die Aktiven haben wahrlich einen Grund zu feiern: „Wir waren einst das Haus der Kulturen ohne Haus – jetzt haben wir von der GWG ein Haus, eine feste Bleibe, die wir saniert, umgebaut und eingerichtet haben“, betont Matias Kostinek als Geschäftsführer der Reutlinger Einrichtung, die kurz HdK lautet.

„Im Oktober 2021 haben wir mitten in der Corona-Pandemie den Verein gegründet“, erinnert Dr.-Ing. Oscar Flores Santiago als Vorsitzender. Sein Stellvertreter Raja Karthick hat die Bilder auch noch direkt vor seinem geistigen Auge: „2024 sind wir dann von dem einen Zimmer, das wir im Ringelbach in einem Kasernengebäude hatten, hierher umgezogen.“ Schon damals war viel Ehrenamt und viel Einsatz vonnöten, um die neuen Räume zu gestalten, den Umzug auf die Reihe zu kriegen.

„Hier war ziemlich viel ziemlich marode“, blickt Santiago nochmals zurück auf die Anfänge in dem Gebäude mit den Räumlichkeiten im Dachgeschoss der Eberhardstraße. Schweifen die Augen aus den Fenstern hinaus über die Dächer von Reutlingen, ist das berauschend – allerdings gibt es keine Rollläden mehr. „Die Vorbesitzer haben alles mitgenommen.“ Im Sommer wird es also ziemlich heiß werden.

Als die Räume im OG leer standen, hatten sich „ungebetene Gäste“ eingenistet, die nicht wirklich sorgsam mit den Räumen und auch den Toiletten umgegangen sind. Da gehörte schon viel Idealismus dazu, um sich an dieses Projekt zu wagen. „Wir haben zunächst mal alle Räume weiß gestrichen“, so Santiago.

Alles weitere folgte. Die Toiletten wurden saniert, eine große Küche eingebaut, wo vorher nur Spültische standen. Die Kücheneinrichtung besteht fast nur aus Spenden, von den drei Herden über das Mobiliar bis zu einem Rollladen, der eine Durchreiche zum großen Saal hin ermöglicht. „Da war vorher nur ein Loch in der Wand“, erläutert der HdK-Geschäftsführer. Und Steckdosen gab es in der Küche eine einzige. Mehr nicht. Die gesamte Elektrik musste neu verlegt werden.

Insgesamt 600 Quadratmeter Fläche verwaltet nun das Haus der Kulturen im OG. „Wir wollen hier Räume bieten, die von den zahlreichen Migrantenvereinen genutzt werden können, aber auch von Initiativen wie dem Photoclub, Theaterpädagogik-Zentrum, Eine Welt-Verein, BIZ, Arbeitskreis Eine Welt und vielen anderen mehr. „Bei uns sind kaum Privatpersonen Mitglied, hinter den Vereinen und Initiativen stehen aber mehr als 2.000 Mitglieder“, sagt Karthick.

„Die Idee eines Hauses der Kulturen gibt es schon seit vielen Jahren, entstanden ist sie im Integrationsrat“, betont Oscar Santiago. Dann ergab sich im OG die Möglichkeit, in dem sehr zentralen ehemaligen Postgebäude.

Zwischen Juni 2022 und Dezember 2024 haben die HdK-Aktiven an der Sanierung gearbeitet, zwischen vier und 30 Personen haben sich laut Raja Karthick daran beteiligt. Ein Clou am Rande: Der Aufzug im Gebäude wurde erst im März dieses Jahres von der GWG repariert und wieder gangbar gemacht. „Jetzt sind wir barrierefrei“, so Kostinek.

Die beiden Vereinsvorsitzenden Flores Santiago und Raja Karthick stehen für die Internationalität des gesamten Vereins – und in der ganzen Stadt. „In Reutlingen leben Menschen aus 140 verschiedenen Ländern, das ist eine unglaublich große kulturelle Vielfalt“, sagt Santiago. „Um den Zusammenhalt zu stärken, braucht es Orte der Begegnung.“

Im Dezember 2018 hat der Reutlinger Gemeinderat die Konzeptentwicklung für ein Haus der Kulturen beschlossen. In Workshops und Ideenwerkstätten beteiligten sich Bürgerinnen, Politiker, Verwaltung und Expertinnen an dem Prozess.

Was aber tut das Haus der Kulturen überhaupt, außer sich um die Räumlichkeiten zu kümmern und sie den bald 25 Mitgliedsinitiativen für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen? „Wir machen gemeinsame Projekte und Veranstaltungen mit den Mitgliedern“, erläutert Santiago. Beispiele dafür? Eine Kleidungsanprobe mit dem Ukraine-Haus zusammen. Oder eine „Bühne für alle“, die schon im September 2023 von sechs Vereinen und dem Integrationsrat organisiert wurde.

Aktuell läuft das Projekt „Tanz im Hof“, im Spitalhof. Alle zwei Wochen treffen sich für eine Stunde Tanzwillige um 14.30 Uhr und bewegen sich gemeinsam zu Musik, kostenlos und ohne Anmeldung. „Das ist jetzt schon ein Riesenerfolg“, sagt Oscar Santiago.

Am kommenden Samstag aber wird nun endlich die offizielle Eröffnung vom „Haus der Kultur“ gefeiert. Los geht’s am Samstag ab 13.30 Uhr mit der Präsentation von Piñatas. Dabei handelt es sich um faszinierende Fantasiefiguren aus Pappmaché, in denen sich Süßigkeiten finden. Sie wurden zusammen mit Kindern gebastelt. „Solche Piñatas gibt es in der ganzen Welt, meist zu Kindergeburtstagen“, so der Vereinsvorsitzende. Ab 14 Uhr präsentieren sich die HdK-Mitgliedsvereine im Obergeschoss in der Eberhardstraße 4. Ab 15 Uhr startet dann das offizielle Programm mit Ansprachen, Musik, Tanz, Begegnung und Austausch.

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