Vier Jahrzehnte Mut, Überzeugung und Ausdauer – Reutlinger Frauenforum feiert Jubiläum

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Reutlinger Frauenforum feiern 40jähriges Bestehen (und ein bisschen auch sich selbst) im Dachgeschoss der Bibliothek

Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Jahr 2026? Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit? Gleiche Verteilung der Care-Arbeit? Gleicher Anteil von Frauen in Führungs-, in Managerpositionen? Und immer wieder – Gewalt gegen Frauen. Missbrauch, Vergewaltigung, Prostitution, Menschenhandel und noch viel mehr stehen heute der Gleichberechtigung entgegen.

(Foto: Seine „letzten Hosenknöpfe“ übereichte OB Thomas Keck nach seinen eigenen Worten am Donnerstag an Verena Hahn – weil die Stadt ja kein Geld hat.)

Dennoch hat das Reutlinger Frauenforum am Donnerstagabend im Dachgeschoss der Reutlinger Bibliothek gefeiert, „mit einem Abend voller Inspiration und Austausch“, wie Sprecherin Verena Hahn betont hatte. Vier Jahrzehnte sind seit der Gründung des politischen Frauennetzwerks vergangen. Das Fazit des Reutlinger Mädchencafés gÖrls, das einen Film zum Jubiläum erstellt hatte: „Ohne das Frauenforum wäre vieles in Reutlingen anders.“

Zusammengestellt hatten die jungen Frauen von gÖrls den Rückblick auf die vergangenen vier Jahrzehnte aus historischen Dokumenten wie der Gründungsurkunde, aber auch aus Plakaten, Flyern und Zeitungsberichten. Eine Überschrift aus einem Artikel über eine Veranstaltung des Frauenforums lautete etwa: „Vernunft ist weiblich.“

Am Donnerstagabend feierten Frauen und Unterstützer das 40jährige Bestehen des Reutlinger Forums, das 1985 gegründet wurde. Frauen sollte endlich eine Stimme erhalten. Ein Kind des Forums war die Reutlinger Frauengeschichtswerkstatt, die sich 1990 anlässlich des 900jährigen Jubiläums der Stadt fragte, wieso Frauen in der Stadtgeschichte nicht auftauchen.

Die Aktiven begaben sich auf Zeitreise, suchten und fanden jede Menge bedeutende Frauen in der Reutlinger Geschichte, wie Dr. Christl Ziegler bei der Jubiläumsfeier ausführte. Wenig Mut machend waren allerdings die Hexenverbrennungen zu nennen, die auch an der Achalm ihren Platz fanden.

Doch es gab auch bedeutende Frauen in Reutlingen, ohne die so manche Geschichte ganz anders verlaufen wäre. Ein Beispiel waren die Beginen in der Stadt, eine mittelalterliche selbstbestimmte Frauen-WG. Oder Gustav Werners Frau Albertine, „ohne sie wäre die BruderhausDiakonie heute nicht vorstellbar“, so Ziegler. Elisabeth Zundel war im frühen 20. Jahrhundert Gewerkschafterin, Frauenrechtlerin und SPD-Politikerin.

Die Künstlerin Alice Haarburger, die in der Weimarer Republik bekannt wurde, haben die Nazis jedoch nach Riga deportiert und dort ermordet. Es gäbe laut Ziegler noch viele weitere Frauen zu nennen, die in Reutlingen enorme Bedeutung erlangt und die Stadtgeschichte mitgeprägt hatten. Doch die Zeit bei der Jubiläumsfeier war begrenzt.

Edeltraut Stiedl – SPD-Gemeinderats- und bis 2024 Kreistagsmitglied, seit 39 Jahren beim Frauenforum – erinnerte während der Feier: 1985 hatten sich annähernd 20 Frauengruppen zusammengefunden, um sich im Frauenforum zu treffen, auszutauschen – und Forderungen aufzustellen. Nach einer Gleichstellungsbeauftragten etwa.

Doch es dauerte bis zum Jahr 2017, bis tatsächlich eine solche 50-Prozentstelle bei der Stadt eingerichtet wurde. „Wir bräuchten aber 100 Prozent, denn Themen gibt es in Hülle und Fülle, die bearbeitet werden müssten“, forderte Stiedl. Seit Februar 2026 ist Jelena Pfister Gleichstellungsbeauftragte in der Stadtverwaltung. Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck lobte bei der Feier „Ausdauer, Mut und Überzeugungen“ der Frauen, die sich vor 40 Jahren in dem Forum zusammengeschlossen hatten.

Themen, die diese besondere Vereinigung des weiblichen Teils der Reutlinger Bevölkerung beschäftigte? Vereinbarkeit von Familie und Beruf, immer wieder Gewalt gegen Frauen. Das Hissen der Fahne zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November jeden Jahres sei mittlerweile fester Bestandteil des Stadtkalenders, so Keck. Der Reutlinger Kulturweibermarkt habe sich zu einem Raum entwickelt, „der Frauen sichtbar gemacht hat“, so Thomas Keck.

„Das Reutlinger Frauenforum ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken“, schlussfolgerte der OB. Gerade in der heutigen Zeit, „in der die Gleichstellung von Frauen immer wieder infrage gestellt und geschlechterspezifische Gewalt zunimmt, ist entschiedenes Handeln gefragt und braucht gelebte Realität“. Kecks Fazit: „Das Frauenforum gestaltet starke Lobbyarbeit.“ Gefeiert wurde am Donnerstagabend aber auch noch. Und Verena Hahn lieferte obendrein einen Impuls zu „geschlechtergerechter Stadtplanung“.

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