50 Jahre Reutlinger Altenheime (RAH), Jubiläumsaktivitäten am Donnerstag mit Vorstellung einer Ausstellung eröffnet
Am Donnerstag dieser Woche hat Timo Vollmer die Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der besonderen Gesellschaft der Reutlinger Altenheime gestartet. „Mit der Ausstellung zum Jubiläum begeben wir uns auf eine Zeitreise“, sagte der RAH-Geschäftsführer im Haus Voller Brunnen.
Vor 50 Jahren wurde am 30. Januar 1976 die gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung der Reutlinger Altenheime gegründet. Gesellschafter waren fünf Personen des öffentlichen Lebens in der Achalmstadt, darunter auch Oberbürgermeister Dr. Manfred Oechsle und Eugen Lachenmann als Verleger des Reutlinger General-Anzeigers und Druckereibesitzer.
Der GEA hatte zudem damals zu einer Spendenaktion aufgerufen, fast eine halbe Million D-Mark kamen zusammen. Die Baukosten für den Bau in der Ringelbachstraße mit 133 Plätzen betrugen 15 Millionen D-Mark. Entworfen und gebaut hatte das Gebäude der Star-Architekt Günter Behnisch. „Die Stadt hatte damit auf den stark gestiegenen Bedarf an Pflegeplätzen reagiert“, heißt es in der Ausstellung.
Valdo Lehari jun. hält heute noch die Anteile seines Großvaters Lachenmann an der Gesellschaft: „Für mich ist die Gründungsgeschichte ein Ausdruck funktionierender Zivil- und Bürgergesellschaft.“
1987 wurde mit dem Haus Voller Brunnen das zweite Reutlinger Pflegeheim mit 120 Plätzen in Betrieb genommen. Massive Probleme hatte die RAH zu Beginn der 2000er Jahre, wie Robert Hahn berichtete: Finanziell stand die Gesellschaft am Abgrund, die Stadt musste immer größere Defizite ausgleichen. 2004 hatte Hahn gerade sein Amt als Bürgermeister angetreten – und musste quasi nebenbei die Geschäftsführung der RAH bewältigen.
(Foto:Reutlingens OB Thomas Keck (von links) schaute sich zusammen mit Bürgermeister Robert Hahn und RAH-Geschäftsführer Timo Vollmer die gelungene Ausstellung an.)
„Ich hatte überhaupt nicht die Qualifikation dazu“, sagte Hahn am Donnerstag. Die RAH stand kurz vor der Insolvenz, Werner Rumpel wurde als Geschäftsführer eingestellt, er verordnete der Gesellschaft zunächst eine drastische Sparkur, schuf neue Strukturen und „setzte moderne Pflegekonzepte um“, ist in der Ausstellung zu lesen.
Die Landesheimbauverordnung forderte obendrein in der damaligen Zeit „Dezentralisierung“: Die großen Einrichtungen sollten kleineren weichen. „Bei der Prüfung hatte sich gezeigt, dass die beiden großen RAH-Pflegeheime keine Zukunft haben.“ Der größte Knackpunkt bei allen bestehenden Heimen war – Doppelzimmer wurden verboten, Einzelzimmer mussten mindestens eine Fläche von 14 Quadratmetern aufweisen. Plus eigene Nasszelle.
Daraus ergab sich: Pflegeheimplätze wurden immer teurer, zumal die Vorgaben von Brandschutz, Barrierefreiheit, Einhaltung von Rollstuhl-Wendekreisen und vieles mehr die Bauträger forderten. In Reutlingen und den Stadtteilen entstand ein Heim nach dem anderen, zunächst noch durch die GWG, dann übernahm die RAH selbst die Bautätigkeit.
Erstes neues Heim in dieser Reihe war zunächst 2009 das auffällig orangene Haus Lindach in Reutlignens Mitte mit 48 Plätzen. 2012 folgte das Haus Georgenberg mit 67 Plätzen, 2015 die beiden Häuser in der Bellionostraße sowie am Reichenbach in Sondelfingen. „Damit konnte der Pflegebetrieb im Haus Ringelbach endgültig aufgegeben werden“, steht in der Ausstellung geschrieben.
Das Haus Voller Brunnen wurde zwischenzeitlich auf Einzelzimmer umgestellt, doch ein Ersatz musste her – wegen Brandschutz und so weiter. So entstanden das Haus zur Dorfschule in Rommelsbach 2019 und der Neubau im Vollen Brunnen 2023. Das benachbarte ältere Haus wurde nach 36 Jahren geschlossen.
Und wer hatte all das zu verantworten? Zunächst Werner Rumpel, der in der größten Krise 2006 Geschäftsführer wurde. 2020 übernahm Timo Vollmer. Die Zahl der Beschäftigten bei der RAH ist von 59 im Jahr 1976 auf heute 680 gestiegen. Heimplätze für ältere Menschen gab es zum Start der RAH 176, heute sind es 458.
„Pflege hat sich grundlegend verändert, heute ziehen Menschen erst sehr spät in ein Pflegeheim, wenn sie schon ziemlich krank und hilfebedürftig sind“, berichtete Vollmer am Donnerstag bei der Ausstellungseröffnung im Haus Voller Brunnen.
„Heute ist die RAH ein Tochterunternehmen der Stadt und eine wichtige Säule in der Daseinsfürsorge“, betonte Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck bei der Ausstellungseröffnung. Die größte Herausforderung der heutigen Zeit sei die Findung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir sind ein Leuchtturm für hohe Qualität in der Pflege und für ausgezeichnete Arbeitsbedingungen“, sagte Vollmer. Ein Konzept zum „freizeitsicheren Dienstplan“ werde schon seit fünf Jahren umgesetzt. „Außerdem können ein bisschen Humor sowie etwas Verrücktsein bei der Arbeit helfen.“
INFO:
Ausstellung über die Geschichte der RAH
Die RAH zeigt die Ausstellung ab sofort im Haus „Voller Brunnen“ in der Mittnachtstraße. Dort ist sie noch bis 29. Mai werktags 10 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr sowie sonntags 11 bis 17 Uhr zu sehen. Danach wird sie nach und nach an allen Standorten der RAH gezeigt, obendrein im Foyer des Reutlinger Rathauses Den Ausstellungs-Kalender findet man auf der Internetseite der Reutlinger Altenhilfe.