Angestauter Ärger machte sich bei Hauptversammlung des Rot-Kreuz Ortsvereins Pfullingen am Samstagabend Luft
Das ehrenamtliche Engagement bei den Rot-Kreuzlern in Pfullingen war auch im vergangenen Jahr erneut groß, wie der Vorsitzende Hubert Gulde am Samstagabend bei der Hauptversammlung des Ortsvereins berichtete. Nach den Worten von Bereitschaftsleiter Patrick Senft hatten die Ehrenamtlichen des Pfullinger DRK 2025 insgesamt 520 Einsätze absolviert, „das sind 1,4 Einsätze pro Tag, dazu kommen 26 Übungsabende, 45 Sanitätsdienste und einige Helferfortbildungen“.
Damit nicht genug: Die Ehrenamtlichen engagieren sich obendrein bei Erste-Hilfe-Kursen, bei Blutspendesammlungen und auch beim DRK-Kreisverband. Beim Kreisverband sind die Pfullinger fest in die Strukturen eingebunden, etwa bei der Fachdienstausbildung Sanitär und Betreuung, in die Erstversorgung, die Notfalldarstellungsgruppe und bei vielem mehr. „Der DRK-Kreisverband investiert mit dem Katastrophenschutzzentrum in den Bevölkerungsschutz im Landkreis Reutlingen“, so Gulde. Auf Gegenseitigkeit beruhe dieses Verhältnis aber nur bedingt. „Der Landkreis beteiligt sich in keiner Weise finanziell, nur mental“, hatte Gulde betont.
Richtig verärgert zeigten sich die Rettungskräfte aus Pfullingen vor wenigen Tagen über eine nicht nachvollziehbare Nachricht – und der Grund kam von ganz unerwarteter Seite: Innenminister Thomas Strobl hatte nämlich verkündet, dass die Helfer vor Ort (HvO) „nicht mehr zu einer Vielzahl von Einsätzen mit alarmiert werden sollen“, so Senft. Obwohl die HvO – wie der Name schon sagt – vor Ort und damit am schnellsten dort sind, wo sie oftmals lebensnotwendig benötigt werden.
Der Pfullinger Bereitschaftsleiter hatte gemutmaßt, dass es sich bei dieser Meldung von Strobl um einen schlechten April-Scherz handeln könnte. Doch dem war nicht so. „Das Land möchte dadurch vermeiden, dass die Einsatzkräfte nicht überlastet werden“, so Patrick Senft. Dieser Schritt sei aber alles andere als nachvollziehbar, „im Notfall würde dann nicht die Versorgung vor Ort zur Verfügung stehen, obwohl diese gut ausgebildeten Helfer Leben retten“, so der Bereitschaftsleiter.
Von den 520 Einsätzen des Roten-Kreuzes in Pfullingen hatten im vergangenen sage und schreibe 505 die Helfer vor Ort absolviert. Auch DRK-Kreispräsident Siegfried Mahler griff diesen Punkt ins einem Grußwort am Samstagabend auf: „Dieser Vorstoß des Innenministeriums ist ein Skandal.“ In „seinem“ Ortsverein in Wannweil habe es bei Tausenden Einsätzen der Helfer vor Ort nie Beanstandungen gegeben.
Im Gegenteil: Die Dankbarkeit zahlreicher geretteter Menschen sei stets groß gewesen. „Außerdem sind die HvO-Einsätze für uns auch eine gute Grundlage für dringend benötigte Spenden“, so Mahler. „Mit diesem Vorstoß ist die Politik falsch abgebogen“, betonte auch der Ortsvereins-Vorsitzende Gulde während der DRK-Hauptversammlung in Pfullingen. „Zumal diese Hilfe das Land keinen Cent kostet.“
Allerdings gab es am Samstagabend auch Erfreuliches im DRK-Haus zu vermelden, wie Bürgermeister Stefan Wörner verkündete: „Der Förderantrag für das Sanierungsprogramm für die westliche Innenstadt ist vom Land positiv beschieden worden.“ Damit stehe auch die Sanierung des Rot-Kreuz-Hauses des Pfullinger Ortsvereins in Aussicht. Immerhin sei ja ein erster Schritt mit der Sanierung des denkmalgeschützten Schlosses in der Nachbarschaft des DRK-Hauses bereits vollzogen worden, so Gulde.
Viel Dank und Anerkennung sowie Wertschätzung für ihre ehrenamtliche Arbeit erhielten die Pfullinger Ehrenamtlichen am Samstag von Siegfried Mahler („macht weiter so“). Und auch von Kreisbereitschaftsleiter Timo Merz („Danke an euch für euer Engagement auch bei der Kreisbereitschaft“). Auch Bürgermeister Wörner zollte dem DRK-Ortsverein Lob und Anerkennung: „Was Sie ehrenamtlich leisten, ist alles andere als selbstverständlich.“
Ehrungen gab es am Samstagabend obendrein, so wurden etwa Sven Alex, Felix Braun, Marcel Hummel und Carina Schettler für fünf Jahre Dienst in der Bereitschaft geehrt. Ebenfalls fünf stolze Jahre ist Julian Sättele schon beim Jugendrotkreuz. Der Star des Abends war aber Hartmut Moll: Mit seinen 70 Lebensjahren brachte er es auf unglaubliche 55 Jahre in der DRK-Bereitschaft. „Bis 95 können Sie ja noch locker weitermachen“, hatte Mahler süffisant bemerkt.