Gomadinger Gemeinderat beschließt Ersatz für Brücke über die Lauter am Gestütshof Offenhausen
Auf der Suche nach einem Ingenieur, „der unsere Sprache spricht“, so Bürgermeister Clemens Betz am Dienstagabend, wurde die Gemeinde Gomadingen schon vor zwei Jahren bei Laupheim fündig: Paul Landthaler kenne sich aus mit Brücken, mit Erneuerungen und dem ganzen Drumherum, der bei solch einer Maßnahme vonnöten ist.
Diese Kenntnisse sind auch bitter notwendig, in dem schmalen Tal der Lauter in Offenhausen, in dem die nicht besonders große Brücke von der Lichtensteinstraße zum Gestütsgasthof abzweigt. Alles andere als klein wären allerdings die Auswirkungen, wenn die Verbindungsstraße zwischen Engstingen und Münsingen komplett für die Baumaßnahme gesperrt werden müsste.
Der Verkehr hätte großräumig umgeleitet werden müssen, „allein die Aufstellung von Schildern und Ampeln hätte uns 50.000 Euro gekostet“, so Betz in der Sitzung des Gomadinger Gemeinderats. Welch ein Glück, dass Landthaler eine andere Lösung gefunden hatte. Zunächst aber musste die Frage geklärt werden, wer denn überhaupt für die Brücke zuständig ist. Das Land, das Gestüt, der Landkreis oder doch die Gemeinde?
Das Landratsamt habe diese Frage eindeutig geklärt: „Die Lauter ist ein Gewässer zweiter Ordnung und damit müssen wir uns als Gemeinde um die Brücke kümmern“, sagte der Bürgermeister. Bei den Überlegungen, ob dieses Bauwerk über die Lauter überhaupt gebraucht werde, habe sich schnell eine eindeutige Antwort ergeben: „Aus verkehrstechnischen Gründen kann auf diese Bücke nicht ersatzlos verzichtet werden“, hieß es in der Gemeinderatsvorlage.
Also erneuern. „Die Maßnahme wurde schon vor 1,5 Jahren geplant“, berichtete Bürgermeister Clemens Betz am Dienstagabend im Gomadinger Gemeinderat. Dann sei aber „die Jahreszeit ungünstig gewesen“. Nun haben sich die Träger öffentlicher Belange gemeldet, „48 Auflagen für die neue Brücke sind dort aufgelistet“, so Betz. Vom Straßenbau, Gewässer-, Arten- und Naturschutz bis hin zur Bahn waren jede Menge Anmerkungen gemacht worden, was alles zu beachten sei.
Ziemlich viel für so eine kleine Brücke. Dann wurde überlegt, ob die bestehende Autobrücke nicht direkt an die Allee, ohne Kurve, neben dem Gasthof die Lauter queren könnte. „In diesem Fall wäre eine Schranke an der Bahnlinie vonnöten und die Aufstellfläche davor wäre zu gering“, so Betz. 25 Meter müsse diese Fläche betragen, in Offenhausen wären es knapp 25. Und damit eben weniger als vorgeschrieben. Vorschrift ist nun mal Vorschrift.
Paul Landthaler hatte dann überlegt, wie die alte Brücke an der jetzigen Stelle erneuert werden könnte. „Dort eine Baugrube für das Fundament zu erstellen, ist nicht möglich“, sagte der Ingenieur. Eine Spundwand dort bauen? Das funktioniere ebenfalls nicht, weil bei den Arbeiten die Erschütterungen für die gar nicht weit entfernten Häuser an der Lichtensteinstraße zu groß wären.
Entstehen soll dort nun eine Stahlbetonbrücke – mit einem gewichtigen Nachteil: „Zuerst muss eine außergewöhnliche Maßnahme ergriffen werden, nämlich die alte Brücke zu ertüchtigen“, sagte der Bauingenieur. Warum? Weil einzig auf der Brücke ein Bohrgerät platziert werden könne, das 70 bis 100 Tonnen wiege. „Diese Ertüchtigung ist nicht einfach, aber machbar“, so Landthaler.
Die neue Brücke soll dann aus Halbfertigteilen „mit einem Mobilkran rauftransportiert und anschließend betoniert werden“. Niedriger als die bisherige Brücke dürfe das neue Bauwerk nicht sein, der Durchfluss müsse Platz für ein 100jähriges Hochwasser plus 50 Zentimeter bieten. „Auch, wenn wir so ein Hochwasser in 40 Jahren noch nie hatten“, sagte Betz.
Doch, wer weiß, was mit dem Klimawandel nicht noch alles kommen könne. Als 2024 das Projekt geplant wurde, habe sich ein Kostenrahmen von 640.000 Euro ergeben. Erstaunlich war nun, dass mit der Firma Brotbeck aus Ehingen der einzige Bieter für den Bau solch einer Brücke, ein Angebot vorlegte, das mit 388.000 Euro deutlich unter den Berechnungen liegt. „Das ist sehr erfreulich“, so Betz.
Am 29. Juni soll mit dem Bau begonnen werden, eine halbseitige Sperrung der Lichtensteinstraße sei ausreichend, so Landthaler. Die Fertigstellung datierte der Fachmann auf den 16. Oktober. Lkw und Busse dürften über das neue Bauwerk nicht drüber, „ein Rettungswagen ist das Größte, was da drauf darf“, so der Ingenieur. Bei der Abstimmung votierten alle Gemeinderäte und -rätinnen für die Annahme des Angebots der Ehinger Firma.