Ausstellung beim Amt für Migration und Integration des Landkreises in der Reutlinger Haydnstraße zeigte für Kreistagsmitglieder Bilder und Informationen zur Situation von Geflüchteten
Ende Oktober vergangenen Jahres lebten 275 Menschen aus der Ukraine in den Unterkünften für Geflüchtete im Landkreis Reutlingen. „Leben im Wartestand“, nannte Landrat Ulrich Fiedler die Unterbringung von Geflüchteten im Landkreis Reutlingen.
Neben den Ukrainerinnen und Ukrainern lebten rund 150 Geflüchtete aus Syrien im Landkreis, jeweils knapp über 100 kamen aus Afghanistan und aus der Türkei. Insgesamt lebten nach den Worten von Mirjam Koch als Leiterin des Amts für Migration und Integration Ende Februar dieses Jahres fast 860 Menschen in den Flüchtlingsunterkünften im Kreis.
2022, als der Ukraine-Krieg begann, waren es mehr als 2.330 Geflüchtete, die vom Landkreis vorläufig untergebracht werden mussten. „Die Geflüchteten leben heute in 29 Gebäuden, zum Teil auch sehr kleine, in denen eine oder zwei Familien sind“, so Koch am Mittwoch bei einer besonderen Ausstellung, die vom Amt für Migration und Integration sowie vom Photoclub Reutlingen für die Kreistagsmitglieder gestaltet worden ist.
Der Photoclub hatte nach den Worten von Eddy Zanger auf Anfrage des Landratsamts eine Projektgruppe gebildet und war mit 13 Mitgliedern in einen Teil der Unterkünfte gegangen. „Das war aufgrund der Sprachbarrieren nicht ganz einfach, aber wir hatten die Unterstützung des Sozialdienstes vor Ort“, erläuterte der stellvertretende Vereinsvorsitzende. „Manche, die mit dem Flüchtlingsthema bislang nichts zu tun hatten, waren sehr betroffen über die Situation der Geflüchteten“, so Zanger.
Herausgekommen sind bei dem Projekt beeindruckende Fotos, von der baulichen Situation, aber auch von den Menschen, die in zum Teil sehr beengten Verhältnissen in den Unterkünften leben. Wie etwa eine Familie aus Nigeria, die zu fünft auf sechs Quadratmetern in einem ehemaligen Hotel in Eningen untergebracht ist. „Die Bilder und auch die Texte dazu, vermitteln einen Eindruck davon, wie Menschen mit Fluchterfahrung ihren Alltag unter oft provisorischen Bedingungen gestalten“, sagte Landrat Dr. Ulrich Fiedler am Mittwoch beim Integrationsamt in der Haydnstraße.
Doch für die Kreistagsmitglieder war am Mittwoch nicht allein die Ausstellung zu sehen – gleichzeitig wurden zahlreiche Informationen über die Arbeit des Amts für Migration und Integration dargestellt. So etwa über den Flüchtlingssozialdienst, der den Menschen bei den alltäglichen Problemen des Ankommens hilft. Ziel dabei sei „die Hinführung zur Unabhängigkeit von öffentlichen Leistungen“.
Gleiches beabsichtigt die „Arbeitsmarktintegration“ – auch Svenja Hentschel und Stefan Rechthaler wurden für ihr „Jobmentorenprogramm“ 2019 mit dem Integrationspreis des Landes ausgezeichnet. Wichtig für Geflüchtete, die im Kreis Reutlingen ankommen, ist aber zudem die Sprachförderung als bedeutender Teil für die Integration.
„Landesweit einzigartig und vorbildlich“ sei laut Fiedler die „Psychosoziale Koordinierungsstelle für geflüchtete Menschen“: Sie trage zu einem „friedvollen Miteinander bei“, so der Landrat. Seit 2023 seien rund 300 Beratungen durchgeführt worden.
Ein weiterer Bereich des Amts für Migration und Integration ist die „Rückkehrberatung“ – sie besteht seit 2017 und habe „über 260 Rückreisen für Menschen unterstützt, die hier keine Perspektive sehen“, betonte Ulrich Fiedler. Die neueste Fördermaßnahme des Amts sei der Einsatz von zwei medizinischen Fachkräften, die „viele Anliegen in den Sprechstunden geklärt und die Ärzte damit entlastet haben“. 2025 seien bei mehr als 400 beratenen Personen 57 Prozent der Arzttermine durch die Sprechstunden vermieden worden, sagte Reutlingens Landrat.
Ein weiterer Teil der Integrationsmaßnahmen ist ein ehrenamtlicher Dolmetscherpool, der aus knapp 100 Personen fast 40 Sprachen übersetzen kann. Ziel dieses Angebots sei, Sprachbarrieren zwischen Geflüchteten und Behörden und Institutionen abzubauen.
Das Fazit des Landrats: „Die Zahlen und Maßnahmen zeigen, dass sich die Integrationsarbeit auszahlt.“ Allerdings könne dadurch nicht der Schluss gezogen werden, dass die Integrationsarbeit nicht mehr benötigt werde – „die Maßnahmen entlasten nicht selten den Sozialhaushalt“.