Landes-Ehrennadel für den Reutlinger Dr. Stephan Schumacher

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Reutlinger Dr. Stephan Schumacher erhielt von Barbara Bosch die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement

Mit neun Jahren schickte seine Mutter Stephan Schumacher zu den Pfadfindern. „Das weltweite Miteinander, Probleme ohne Gewalt zu lösen und schon sehr früh Verantwortung zu übernehmen – das hat mich tatsächlich nachhaltig geprägt“, berichtet der Qualitäts- und Wissensmanager in der Stadtverwaltung Stuttgart vor kurzem beim Gespräch mit dem GEA. Wenige Tage zuvor hatte er die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg verliehen bekommen – und zwar von Barbara Bosch, ihres Zeichens Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung der Landesregierung.

Erhalten hat der heute 57jährige Schumacher die Nadel, weil er sich in unglaublichem Maß seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert. Für den Türkischen Kultur- und Integrationsverein in Reutlingen (TKIV) etwa. „Das war noch zu Zeiten von Dekan Mohr, er wollte den christlich-muslimischen Dialog fördern“, erinnert sich Stephan Schumacher, der zu der Zeit bereits in der Kreuzkirchengemeinde aktiv war. Er hat daraufhin einen Nachbarschafts- und Freundeskreis initiiert – die Menschen haben zusammen gekocht, sind nach Istanbul gereist und haben noch viel mehr gemeinsam unternommen.

„Heute ist das ein internationaler Verein mit unterschiedlichen Religionen, einmal im Monat gibt es einen gemeinsamen Brunch.“ Die Idee dahinter war ganz einfach: Menschen zusammenzubringen. Integration zu leben. Der TKIV führt die Aktivitäten bis heute weiter.

Visionen haben Schumacher schon immer gereizt: Zu sehen und zu erkunden, was in zehn Jahren sein könnte. Wie sich etwas entwickeln könnte. So auch bei seinem Engagement in der Kreuzkirche, als es zu Beginn der 2000er Jahre galt, zwei Gemeindehäuser aufzugeben und die Kirche zum neuen Zentrum umzubauen. Das Konzept dafür hatte Schumacher als Vorsitzender des Kirchengemeinderats mitverantwortet.

Ein anderes Projekt in Stuttgart: Als 2015/2016 eine große Zahl von Schutzsuchenden kam, entstand in der Landeshauptstadt die Idee für einen Ausbildungscampus. Ein Runder Tisch „Flüchtlinge und Ausbildung“ wurde von der Bürgerstiftung Stuttgart initiiert, mit dabei waren Stadtverwaltung, Unternehmen, IHK, freie Träger, Jobcenter und junge Flüchtlinge.

„Das ist eine richtig gute Sache“, sagt Stephan Schumacher. Zwölf Hauptamtliche und fast 300 Ehrenamtliche bringen sich in dem Campus mit viel Zeit und Engagement ein. Die Geflüchteten erhalten dort alles aus einer Hand, finanziert wird der Campus mit öffentlichen Mitteln, aber auch mit Fördergeldern von Unternehmen und einigen Stiftungen.

Damit aber nicht der Eindruck entstehe, „dass ich auf 100 Hochzeiten tanze – ich schaue nach Zukunftsthemen“, erläutert der Organisations- und Wissensmanager. Er verfolge ein Projekt ein bis zwei Handvoll Jahre, gebe die Verantwortung dann weiter.

So kam er auch zum SSV Reutlingen, als der Verein insolvent war. Es brauchte damals ein Konzept für die Zukunft. „Vertrauen musste zurückgewonnen werden.“ Ausgehend von einer Idee von Carsten Amann als Präsident des SSV wurden neue tragfähige Strukturen entwickelt. Auch bei der „Plattform Lebenswert“ an der Kreuzkirche gab Schumacher anfangs wesentliche Impulse – woraus sich dann dieses Projekt der Stadtteil- und Quartiersarbeit entwickelt hat.

„Ich mache all das ja nie allein, ich bin ein Teamarbeiter.“ All die Menschen, mit denen er zusammen gestalten durfte, hätten den Preis ebenfalls verdient, sagt Stephan Schumacher. Er habe sich sehr gefreut, dass bei der Feier im Haus der Jugend (an dessen Umbau er in den 1980ern ebenfalls beteiligt war) so viele Wegebegleiterinnen, Unterstützer, Freunde und Freundinnen dabei waren. „Das war ein Stückweit wie eine Zeitreise.“

Zahlreiche weitere Stationen in seinem Leben könnten angeführt werden, aktiv war er bei der Evangelischen Kirche Reutlingen, im Reutlinger Jugendhilfeausschuss beim Landkreis, beim Evangelischen Stadtjugendwerk Reutlingen und beim Stadtjugendring. Wie man all so was schafft?

Wohl vor allem mit seiner Mutter als Vorbild, die sich ebenfalls ehrenamtlich engagierte. Aber auch mit seinen Erfahrungen als Pfadfinder – „eine gute Tat pro Tag schafft niemand, aber die Haltung, anderen Menschen zu helfen, habe ich schon mein ganzes Leben“.

INFO:

Augen auf bei Kürzungen von Freiwilligkeitsleistungen

Bei der Feier der Verleihung der Landes-Ehrennadel freute sich Dr. Stephan Schumacher nicht nur über die Auszeichnung, er hob auch den mahnenden Zeigefinger: „Wenn bei den Kommunen jetzt zum Rotstift gegriffen wird, dürfen die Freiwilligkeitsleistungen nicht völlig unter die Räder kommen.“ Reutlingen schlage da einen guten Weg ein, müsse dennoch aufpassen: „Wenn ehrenamtliche Strukturen nicht mehr gefördert werden, brechen sie einfach weg.“ Das dürfe nicht passieren, denn diese Angebote stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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