Erster Mittelaltermarkt auf dem Schloss Lichtenstein unter dem Motto „Klein und fein“ ein voller Erfolg
Nero war ein Hingucker, vielleicht noch mehr als Frauchen und Herrchen Tatjana Beerschwinger aus Gomadingen und Mathias Mozer aus Reutlingen, die mit ihren Fellen und schwarzen Umhängen wirkten, als wären sie direkt aus dem Mittelalter hinein in die Szenerie des heutigen Schlosses Lichtenstein hineingesprungen. „Wir sind fast jedes Wochenende auf Mittelaltermärkten unterwegs“, sagte Beerschwinger.
Warum sie das zusammen mit ihrem sehr großen Hund Nero tun, der regelrecht nach Streicheleinheiten giert? „Das Leben damals war sicherlich nicht einfacher als heute, aber mit Sicherheit deutlicher ruhiger und gemächlicher“, sagte Mozer. Das Paar schätze die Szene, die sich auf diesen besonderen Märkten immer wieder trifft. „Das ist ein angenehmes Volk, wir haben dort noch nie Ärger erlebt“, so der ehemalige Abschleppdienstler. „Die Leute sind sehr gastfreundlich, außerdem war das Mittelalter sehr hundefreundlich“, betonte Beerschwinger.
Der erste Mittelaltermarkt auf, in und um das Schloss Lichtenstein herum war ein voller Erfolg, wenn das Wetter auch nicht unbedingt gastfreundlich war. „Am Samstag hat es hier richtig geschneit“, berichtete Schlossverwalter Eberhard Etter. Einige Aussteller hätten gesagt, das sei ja wie in einem Wintermärchen, angesichts des Wetters sei sogar einigermaßen viel Publikum vor Ort gewesen.
Die Idee, einen Mittelaltermarkt auf dem Lichtenstein anzubieten, gibt es laut Etter schon lange. „Aber gefragt wurde bisher immer nach einem Termin im Sommer.“ Und das sei einfach unrealistisch, weil in der warmen Jahreszeit der Andrang im Schloss eh schon sehr groß ist, wie der Verwalter berichtet. Nun war jedoch zum ersten Mal der Gedanke eines Markts im März an Etter herangetragen worden.
Er empfand diese Art der Saisoneröffnung als reizvoll, zusammen mit dem MK-Event-Team hat die Schlossverwaltung alles organisiert, „die von MK Event haben die Kontakte zur Mittelalterszene“. Es sei danach gesehen worden, dass von den Ausstellern etwa im Bereich Schmuck, Naturkosmetik, Schaffelle, Trinkhörner oder auch schamanischer Kunst jeweils nur ein Anbieter vor Ort sein sollte. „Einige der Aussteller waren noch nie hier und zeigten sich völlig begeistert von dem Ambiente“, sagte Eberhard Etter.
Ähnlich erging es vielen Besuchern, der Satz: „Besser könnte das Ambiente für einen Mittelaltermarkt nicht sein“, war vielfach zu hören. Aktionsmöglichkeiten waren für die Besucher auch geboten: Bogenschießen, Axtweitwurf, „Eierknacken“ beim Stahlkugelzielwerfen und natürlich die Möglichkeit, sich mit den Hobby-Rittern zu unterhalten.
Neben den zehn Ausstellern im Schlossgelände waren davor noch drei Lagerleben aus dem Mittelalter abgebildet. Eines stammte von der Echazthaler Ritterschaft.
Warum sie in dieser Gruppierung dabei sind? Dem Alltag ein Stückweit entfliehen, über die Wochenenden in eine andere Realität abtauchen, sagte etwa Marc Kletetschka im Kettenhemd und mit Schwert an der Seite.
Im realen Leben sei er Verwaltungsfachangestellter, auf den Mittelaltermärkten trägt er den Namen Ulrich von Wolfenbühl. „Ich schätze diese sehr starke Gemeinschaft der Echazthaler“, betonte der „Lifestyle-Teilzeit-Ritter“. Zusammen mit Raffael Schulzki misst er sich auch immer wieder in Schwertschaukämpfen. „Ich habe früher selbst im Verein mit dem Säbel gefochten, sagte Ritter Schulzki, der in der Realität soeben den Master in Rhetorik abgelegt hat.
Offensichtlich ist dieser Rückzug ins Leben des Mittelalters eine Art Flucht vor gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen. „So wie das in der Hochphase der Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts ja auch war“, hatte Eberhard Etter betont.
Schon damals hätten die Menschen den Verlust ihrer Arbeitsplätze befürchtet und sich zurückgesehnt in ein längst vergangenes Leben. „Manche sagen, dass die Umwälzungen der Digitalisierung wieder solch eine Rückbesinnung auf längst vergangene Zeiten hervorruft“, so der Schlossverwalter.
Ob im kommenden Jahr erneut dieser Fluchtort auf dem Lichtenstein im März angeboten wird? „Wenn der erste Markt an diesem Wochenende vorbei ist, werden wir uns hinsetzen und überlegen, wie es weitergeht“, versprach Etter gut gelaunt. Ideen für eine zweite Ausgabe des Lichtenstein-Mittelaltermarkts hat er aber schon: „Wir könnten im Schlosshof noch was mit Musik machen“, betonte der Schlossverwalter.
