Matchday des Integrationszentrums des Landkreises dieses Mal in Pfullingen – Schwerpunkt Ausbildung
Direkt ins Gespräch kommen, ohne langwierige Suche, ohne große Umwege, direkt von Mensch zu Mensch – das war am gestrigen Donnerstag erneut beim „Matchday“ des Integrationszentrums möglich. Es war die sechste Ausgabe dieser erfolgreichen Jobmesse für Geflüchtete, die sich gestern allerdings den Schwerpunkt der Ausbildung gegeben hatte, wie Senja Hentschel als Leiterin des Integrationszentrums erläuterte.
In der Pfullinger Robert-Bosch-Str. 5, direkt am Standort des Integrationszentrums, wurde die „kleine, aber feine Messe“, so Jobmentor Stefan Rechthaler, gestern zum ersten Mal durchgeführt. Der Weg war für Geflüchteten und Asylbewerber somit nicht weit, sie trafen im Integrationszentrum vor allem auf Firmen und Organisationen aus Pfullingen, aber auch darüber hinaus. Zusammen mit der Agentur für Arbeit und der Handwerkskammer waren 14 Einrichtungen, Organisationen, Firmen vor Ort.
Die Wirtschaftskrise macht sich laut Rechthaler bemerkbar, „die Unternehmen vor allem aus dem Bereich Autoindustrie sind mittlerweile sehr zurückhaltend bei der Suche nach Mitarbeitern“. Allerdings vermittle das Integrationszentrum zumeist „vor allem klassische Handwerksberufe“, so Hentschel. Gestern lag der Fokust vor allem auf dem Ausbildungsbereich, „wegen der nachhaltigen Entwicklung, denn eine Ausbildung sichert für die Suchenden eher den Aufenthalt in Deutschland“, so Rechthaler.
Was die Geflüchteten mitbringen müssen? Der Jobmentor und die Leiterin des Integrationszentrums schauten sich fragend an. „Eigentlich nichts, außer Motivation“, sagte Hentschel dann. Die Nachfrage der Job- und Ausbildungssuchenden war gestern zwischen 14 und 17 Uhr erneut groß. „Bei diesen Matchdays kommen zumeist 180 bis 250 Menschen, die einen Job suchen“, so Rechthaler.
Die Kreiskliniken waren vor Ort, dazu Baufirmen, Reinigungsunternehmen, eine Friseurin und Hermann Kiefer mit seiner Firma ISATIS aus Hengen. „Wir sind ein Pflanzenproduktionsbetrieb, der sich auf Dach- und Gebäudebegrünung spezialisiert hat“, erläuterte Kiefer. Sein Betrieb habe 45 Beschäftigte, heute suche er Azubis, denn: „Das Wissen, das man bei uns braucht, haben andere Gärtner nicht unbedingt“, so Kiefer. Deshalb sei Ausbildung der beste Weg, fähige Mitarbeiter zu kriegen.
Ein gambischer Mitarbeiter hatte den ehemaligen Lehrer Kiefer auf die Idee gebracht, in dem afrikanischen Land ein Grundstück zu kaufen und dort einen landwirtschaftlichen Betrieb zu gründen. „Dort wurden viele Wälder abgeholzt, wir wollen mit einer lockeren Aufforstung beginnen“, sagte Hermann Kiefer. Bisher laufe das ziemlich hemdsärmelig, doch der Seniorchef und sein Sohn seien zuversichtlich, dass das Projekt sich weiter entwickelt.
Die Agentur für Arbeit ermöglichte beim Matchday den direkten Blick in unterschiedliche Berufsfelder – und zwar mit einer VR-Brille. Innerhalb von einer Sekunde fand man sich etwa in einem Tower am Flughafen wieder und konnte sich wie ein Fluglotse fühlen. Oder wie ein Baggerführer, der plötzlich in den Abgrund blickt. „Setzen Sie sich besser hin“, hieß es dort.
Ebenfalls vor Ort waren Diakonieverband und BIM (Bildungszentrum in Migrantenhand e.V.) – „wir unterstützen und begleiten Frauen, zeigen ihnen Wege auf“, betonten Susanne Glück vom Diakonieverband und Sofie Jamous von BIM. In den zurückliegenden drei Jahren sei das mit dem Projekt „My integration“ bei annähernd 700 Frauen mit Migrationshintergrund gelungen.
Auch die neue Abteilung „Bildung und Arbeit“ des Ausländeramtes war vor Ort. Sachgebietsleiterin Nicole Schwille erläuterte, dass mit der Arbeit dieser Abteilung die Bearbeitung von Anträgen zur Jobsuche „schneller und unbürokratischer“ vor sich gehen soll. „Wir wollten heute auch den Kontakt zu den Arbeitgebern suchen“, so Schwille. Bei Fragen stehe die Abteilung aber auch per Email zur Verfügung (Adresse: ).