Eine große Frau mit großem Herz – Reutlinger Grüne verleihen Bettina Noack den Irmgard-Zecher-Preis

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Bettina Noack vom Mütter- und Nachbarschaftszentrum erhält von den Reutlinger Grünen den Irmgard-Zecher-Preis verliehen

„So ein schöner Tag“, sagte Gabriele Janz am Sonntag bei der Verleihung des Irmgard-Zecher-Preises an Bettina Noack im Reutlinger Mütter- und Nachbarschaftszentrum (MüZe). Als Grünen-Vertreterin aus dem Reutlinger Gemeinderat hatte Janz die ersten lobenden Worte an Noack gerichtet.

Begonnen hatte Noacks großes Engagement im Haus der Familie, als sie im Herbst 1983 eine Mutter-Kind-Gruppe für Alleinerziehende leitete. Ganz unumstritten sei das nicht gewesen, wie Bettina Noack selbst am Sonntag ausführte. „Ich war keine Lehrerin, hatte nicht studiert, das war in der Evangelischen Kirche als Träger des Hauses nicht gerne gesehen.“

Doch sie hat sich durchgebissen. Und das als Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern. „Als ich mich damals von meinem Mann getrennt habe, fand ich keinen Platz im Frauenhaus, zog in eine Frauen-WG, habe Sozialhilfe beantragt – und dann viel erlebt, was mein Leben völlig auf den Kopf stellte“, erinnerte sich Noack. „Viele haben damals nicht verstanden, dass ich als Alleinerziehende weiter dazugehören wollte.“

Sie sei an Politik interessiert gewesen „und an Menschen“. Allerdings habe sie nach der Trennung am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, arm zu sein. Wenn das Geld für ein neues Paar Kinderschuhe oder selbst für die Ernährung nicht reicht. Als sie 1982 nach Reutlingen kam, habe sie 120 Briefe auf Wohnungsanzeigen geschrieben, in einem „Hexenhäusle“ kam sie schließlich mit ihren Kindern unter. „Es ist unglaublich, was da im Ort für Geschichten über uns erzählt wurden.“

Sie habe immer funktionieren sollen „und dann auch noch dankbar sein“. Die vielen Probleme, vor denen Alleinerziehende stehen, hat sie selbst erlebt. Schwierigkeiten mit Ämtern, Kämpfe wegen des Besuchsrechts der Kinder und noch viel mehr haben sie stets begleitet. 1989 wurde sie Mitglied im MüZe und war bald Vorstandsmitglied. Das Mütterforum Baden-Württemberg hat sie mitgegründet und zehn Jahre lang geleitet.

Das Thema der Armut habe sie bei all ihrem Engagement immer mitgedacht. „Die Arbeit in verschiedenen Gremien hat gezeigt, wie wichtig die Aufklärung über Alleinerziehende war.“ Und immer noch ist. Denn: Sie engagiert sich immer noch. Warum? „Weil es wichtig ist, den jungen Müttern Mut zu machen, sie zu unterstützen und auch mal gemeinsam lachen zu können“, so Noack.

Das breitgefächerte Engagement sei mehr als Grund genug, um Bettina Noack den Zecher-Preis zu verleihen, waren sich alle Rednerinnen und Redner am Sonntag einig. „Du benennst die Dinge mit klarem Blick“, sagte Janz. „Du hast ein großes Herz gerade für die Menschen am Rand.“ Noack begleite Trennungsfamilien, habe vielfach Innovationen angestoßen und sei immer wieder auf Widerstand gestoßen. Weil sie auch durchaus unbequem sein konnte, wo es nötig war, um den Müttern und Kindern zu helfen.

Beate Müller-Gemmeke erinnerte an Irmgard Zecher, die 1920 geboren, 2011 gestorben ist. Zecher war Alterspräsidentin der Grünen im Land, eine Streiterin für die Gleichstellung von Frauen sowie für die Belange von alten und jungen Menschen. Solche Orte wie das MüZe in Reutlingen gelingen laut Müller-Gemmeke nur, „wenn jemand eine Idee hat und dranbleibt, mit ganz viel Ausdauer“. Das Mütter- und Nachbarschaftszentrum sei aus Reutlingen nicht mehr wegzudenken. Mit dem Zecher-Preis werde nun nicht allein eine große Frau mit großem Herz geehrt, sondern auch eine Haltung – „denn wir sind nur dann stark, wenn wir füreinander da sind“, so die Müller-Gemmeke.

Thomas Poreski erinnerte als Grünen-Landtagsabgeordneter, dass Bettina Noack bereits für ihr Engagement den Landesverdienstorden erhalten hatte, „völlig zurecht“. Angesichts einer „grassierenden Beziehungsarmut und fehlendem zivilen Streit“ in der Gesellschaft, würden im MüZe Beziehungsnetzwerke gelebt. „Hier können sich junge Mütter in einer offenen Gesellschaft wohlfühlen.“ Bettina Noack freute sich über den Preis, betonte aber auch, dass sie ihr jahrzehntelanges Engagement für andere Menschen immer als selbstverständlich ansah.

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