Kampf für gleiche Rechte – Veranstaltung zum Weltfrauentag in Metzingen

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Frauen aus der Metzinger Öffentlichkeit beschreiben am Internationalen Frauentag vor dem alten Rathaus die Situation von Frauen

„Frauenrechte sind Menschenrechte“, sagte Heidrun Schmid-Salzer am Mittwochabend mehrfach vor dem Metzinger Rathausbrunnen. Mehr als 60 Interessierte waren gekommen, um die Versammlung zum Internationalen Frauentag zu begehen – und sich über die Situation von Frauen weltweit zu informieren. Denn diese Situation ist nach den Ausführungen von einigen Rednerinnen viel zu oft katastrophal.

Cathrin Stoermer etwa vom Dettinger Grünen-Ortsverband berichtete über Genitalverstümmelung: Weltweit seien 230 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. Andere Themen, die bei der Veranstaltung in Metzingen nicht angesprochen wurden: Prostitution und die besondere Rolle von Frauen in Kriegen – etwa als Vergewaltigungsopfer.

Die Situation in Deutschland für Frauen mag deutlich besser sein als andernorts. Gut ist sie aber lange nicht, wie viele Rednerinnen am Mittwochabend ausführten. Lisa Weigert (Metzinger Gemeinderätin der Grünen) etwa ging auf Femizide ein: 308 Frauen und Mädchen wurden in Deutschland 2024 getötet. Rund 266.000 Frauen waren im gleichen Jahr Opfer häuslicher Gewalt.

Unfassbare Zahlen. „Doch hinter jeder einzelnen Zahl steht ein Mensch“, so Weigert. Und in rund 80 Prozent sind die Opfer Frauen. „Doch nur wenige Frauen gehen zur Polizei“, so Schmid-Salzer. Gewalt gegen Frauen beginnt laut Weigert schon in den „sozialen Medien“ – der dort um sich greifende Hass mit Schmähungen, Aufrufen zu Gewalt, Vergewaltigungen dürfe nicht hingenommen werden.

„Gewalt gegen Frauen ist eine Schande und das in einem Staat wie Deutschland“, sagte Karin Theis (CDU-Gemeinderätin). Sie forderte Zivilcourage, nicht wegducken, handeln – „unsere Pflicht ist, Frauen und Kindern zu helfen“. Allerdings gebe es, trotz Gleichstellungsgesetz, immer noch massive Ungleichheiten.

Und der Weg zu diesem Gesetz war steinig, wie Sofie Basageorgis-Digel (Linke-Gemeinderätin) betonte: Erst seit 1957 dürfen Frauen ein eigenes Konto führen und den Führerschein machen. Unglaublich auch: „Erst seit 1977 haben Frauen das Recht ohne Zustimmung ihres Ehemannes zu arbeiten.“ Basageorgis-Digel verwies auf Rita Süßmuth, die erst vor wenigen Tagen verstorben ist, sie sagte: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ So ergehe es auch den heutigen Frauen.

Und diese Frauen sind ihrer Zahl nach nicht gleichberechtigt in Führungspositionen vertreten, wie Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh betonte: Seit 30 Jahren sei sie in Führungspositionen der Stadt, damals war sie die einzige Frau. Und heute? Unter rund 100 Oberbürgermeistern seien nur sieben weiblich.

„Außerdem gibt es in Teilen heute einen Rückwärtstrend in der Gesellschaft, deshalb ist es als Frau umso wichtiger, sichtbar zu sein, und zu zeigen, dass wir mitwirken wollen“, so Haberstroh. Heidrun Schmid-Salzer verwies als Hauptorganisatorin der Veranstaltung am Mittwoch auf die Situation von Pflegebedürftigen und Kindern – um die kümmern sich nämlich in den meisten Fällen Frauen.

„Wir brauchen die Präsenz von Frauen in den Parlamenten“, so Schmid-Salzer. Dem Bestreben, Frauen erneut „auf alte Rollenmuster zu reduzieren“ müsse deutlich und massiv entgegengetreten werden. Wie groß die Ungleichbehandlung ist, verdeutlichte SPD-Gemeinderat Alexander Hack: Frauen würden für die gleiche Arbeit im Schnitt 4 Euro weniger verdienen als Männer – pro Stunde. In Baden-Württemberg zeige sich das noch krasser, da seien es gar 5 Euro.

In Grundschulen, wo zum allergrößten Teil Frauen unterrichten, „verdient das Lehrpersonal bis zu 500 Euro weniger als an anderen Schularten“, so Hack. „Wir sind alle gefragt, wenn es um gleiche Bezahlung geht.“ Iris Traus forderte als Mitorganisatorin der Veranstaltung, „wir brauchen Wahlmöglichkeiten für Teilzeit- oder Vollzeitarbeit“.

Das „Ehegattensplitting“ müsse abgeschafft werden und die Finanzierung von Frauenhäusern gesichert werden, so Traus. „Eigentlich sollten wir nicht kämpfen müssen, für das, was uns zusteht“, betonte Schmid-Salzer. Außerdem wirke Sprache. „Wir sollten mutig sein, indem wir künftig nur noch die weibliche Form verwenden – und dazu sagen, dass Männer mitgemeint sind“, betonte Schmid-Salzer. Ändern müsse sich aber auch die Kirche, die schon immer ein Treiber der Ungleichheit war, wie Gertrud Kleineikenscheidt im Namen von Maria 2.0 forderte. Abschließend verteilten die Frauen Brot und Rosen an das Publikum – eine Idee, die Männer wohl nicht umgesetzt hätten.

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