Nach der Kündigung wieder hoffen – „Arbeitsmarktdrehscheibe“ in der Agentur für Arbeit

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Arbeitsagentur und Mypegasus bringen am Dienstag Jobsuchende und Unternehmen auf „Arbeitsmarktdrehscheibe“ zusammen

Die Situation auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sei ziemlich gedämpft: Die Arbeitslosenzahlen steigen, sagte Vanessa Appeltauer als Geschäftsführerin des Operativen Bereichs in der Agentur für Arbeit am Dienstag zu Beginn der ersten „Arbeitsmarktdrehscheibe live“. Zugenommen hatten zudem die meldungspflichtigen Ankündigungen von größeren Firmen wie Manz, Reiff, Cellforce, Voest-Alpine und Stoll, dass größere Zahlen an Beschäftigten vor der Entlassung stehen.

Insgesamt 160 Arbeitssuchende hatten am Dienstag die Möglichkeit, sich auf dem Arbeitsmarkt neu zu orientieren. Denn: Während die einen in größerem Umfang Beschäftigte entlassen, suchen laut Appeltauer gleichzeitig einige Arbeitgeber aus den unterschiedlichsten Branchen im Bereich Reutlingen-Balingen händeringend nach Fachkräften. Unter 20 Firmen war am Dienstag auch die Firma Nidec. Die produziert laut Giovanni Montorselli im Werk in Dettenhausen mit 124 Beschäftigten Getriebe, Elektromotoren und mehr. „Wir brauchen dringend Getriebemonteure“, sagte der Betriebsleiter in den Räumen der Arbeitsagentur.

„Ich denke, dass wir die Talsohle der Rezession erreicht haben, nach der Durststrecke sehen wir die ersten Sonnenstrahlen“, strahlte Montorselli selbst zumindest ein wenig. Das Jahr 2026 sei „spannend“, die Auslastung bei Nidec gut – aber „bisher bleibt wenig übrig“. Allerdings bringe Pessimismus in der jetzigen Situation nichts, „deshalb blicken wir positiv in die Zukunft“.

Unter 20 Firmen bei der „Arbeitsmarktdrehscheibe“ fand sich auch das Walddorfhäslacher Unternehmen Moldex für persönliche Schutzausrüstung. „Wir suchen Mitarbeiter für Produktion und Vertrieb“, sagte Personalchefin Stefanie Kienzle. Bei ihr werden mit 130 Beschäftigten Atem- und Gehörschutzprodukte hergestellt. „Bei uns läuft es gut“, so Kienzle.

Weniger gut lief es bei zwei ehemaligen Mitarbeitern von Voestalpine in Dettingen/Erms: Sie wurden nach sechs und 21 Jahren Betriebszugehörigkeit zusammen mit mehr als 200 Kolleginnen und Kollegen „nach Umstrukturierungen gekündigt“, wie sie selbst ausführten. Beide gingen zur Reutlinger Transfergesellschaft Mypegasus und haben sich nun bei anderen Firmen vorgestellt. „Dabei geht es darum, zunächst mal mit möglichen neuen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen“, sagte Michaela Uhrig von Mypegasus.

Im Vorfeld der „Arbeitsmarktdrehscheibe“, bei denen sich die 160 Arbeitssuchenden voller Hoffnung auf den Weg zur Agentur für Arbeit machten, hatte die Reutlinger Transfergesellschaft geschaut, wer zu wem passen könnte – also welche gesuchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf welches Jobprofil von den suchenden Firmen passen könnte.

Organisiert und unterstützt wurde die „Arbeitsmarktdrehscheibe“ von Mypegsus und Agentur für Arbeit, Südwestmetall und den Unternehmensverband Südwest (USW). „Es gibt ja schon länger einmal monatlich eine virtuelle Möglichkeit dieser Art“, betonte Appeltauer. Dort kommen online ebenfalls Arbeitssuchende und Firmen zusammen, aber auch Unternehmen, die auf Unternehmen treffen. Sie können über Mypegasus Kontakte knüpfen und den Übergang von Gekündigten in den neuen Job beim neuen Unternehmen anbahnen.

„Wir machen Transferprojekte etwa mit der Firma Reiff und Stoll“, sagte Uhrig. Bei Manz vor einem Jahr liege die Vermittlungsquote bei durchaus erfreulichen 80 Prozent. Von den entlassenen 260 Beschäftigten bei Stoll seien bislang 49 vermittelt worden.

Zu bedenken sei allerdings, dass für die Gekündigten (wie etwa den beiden Mitarbeitern bei Voestalpine) zunächst mal ihre gesamte Welt ins Wanken geriet. Dementsprechend frustriert wirkten die Beiden auch beim Warten vor dem ersten Gespräch mit möglichen neuen Arbeitgebern. „Immerhin haben wir heute die Möglichkeit, mit anderen Firmen ins Gespräch zu kommen“, sagte einer der beiden Entlassenen.

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