Schauspieler und Entertainer Harald Schmidt zu Gast bei Timm Kern und der FDP im Metzinger Hotel Schwanen
Den ersten Kalauer an diesem Abend brachte nicht Harald Schmidt im Saal im dritten Stock des Metzinger Hotels Schwanen, sondern Moderator Dr. Timm Kern: „Was die FDP und die katholische Kirche gemeinsam haben? Sie sind die Einzigen, die Erfahrungen mit der Wiederauferstehung haben“, sagte der Kandidat der Liberalen für die Landtagswahl im Wahlkreis Münsingen-Hechingen.
Kennengelernt habe Kern den TV-Late-Night-Showmaster im vergangenen Oktober an der Bar in einem Stuttgarter Hotel. Schnell hätten sie festgestellt, dass beide katholisch sind. Am Mittwochabend verriet Schmidt zudem, dass er als (nicht hochbegabter) Orgelspieler mit C-Prüfung durch das Aufspielen in sonntäglichen Gottesdiensten immerhin Disziplin gelernt habe.
„Das sage ich allen Faulen hier im Raum, allen Lifestyle-Teilzeitlern.“ Damit war der Griff in die aktuelle Politik-Erregungsszene bereits vollzogen – das rund 100köpfige Publikum ließ sich beschimpfen und amüsierte sich köstlich. Wie denn die Stimmung bei der FDP sei, so kurz vor dem 8. März, dem Datum der Landtagswahl, frotzelte Schmidt weiter. Immerhin wird dann darüber entschieden, ob die Liberalen überhaupt ins Parlament einziehen. Oder womöglich sogar an einer künftigen Regierung mit CDU, SPD und FDP beteiligt sein könnten, wie Timm Kern hochrechnete.
(Foto: Scheinbar ernsthaft im Gespräch mit dem Publikum, doch der Schein trog.)
„Viele fragen sich ja, warum ich nicht in die Politik gegangen bin“, sinnierte der 68jährige Harald Schmidt. Die Antwort sei ganz einfach: „Mich stören die Wähler“, haute der in Nürtingen aufgewachsene Entertainer an diesem Abend einen Kalauer nach dem anderen raus. „Anderes Thema – Donald Trump“, moderierte Kern. „Das ist der US-Präsident, nur als Erklärung für die bildungsfernen Schichten hier im Raum, also die Anwälte, Zahnärzte und so“, so Schmidt.
(Foto: Eins war klar, an diesem Abend im Hotel Schwanen – Harald Schmidt kannte keine Tabus.)
Doch der 68jährige Schauspieler konnte auch anders. Also ernst. Oder doch nicht? „Ob die Welt aus den Fugen gerät – sie war noch nie anders, mit einem Unterschied, dass wir jetzt immer live dabei sind.“ Wer denn der witzigste Politiker sei, fragte Kern. „Das ist kein Kriterium“, so Schmidt. Heutzutage werde in den Parlamenten doch eh fast alles vom Blatt abgelesen. „Politik ist mir zu anstrengend“, sagte der Kerngespräch-Gast. Es folgte ein heiteres Politiker-Raten, das Schmidt mit einigem Fachwissen würzte: „Ich glaube, dass Olaf Scholz ein Comeback haben wird und wie heißt der, der jetzt als Autohändler arbeitet, ach Christian Lindner.“
Zu Philipp Amthor fiel Schmidt ein, dass der CDU-Politiker „das Konservative“ allein schon durch sein Auftreten mit Anzug und Krawatte kultiviere – apropos: „Heute gehen ja fast alle ohne Krawatte ins Parlament, da sieht man Hälse, die würden an Thanksgiving begnadigt.“ Als nächstes Spielchen sollte Schmidt die zuvor erratenen Politiker auf einer Hitliste einordnen. Doch der Entertainer weigerte sich: „Was soll denn das? Das Spiel ist nicht bis ins Letzte durchdacht, leck mich doch, schönen Abend noch“, ereiferte sich der Entertainer.
Was Moderatoren und Publikum bei anderen Gästen auf einer Bühne als Affront gewertet hätten, wurde bei Schmidt als bestgelungener Witz betrachtet: Das Publikum johlte. „Gibt es noch Fragen oder gehen wir gleich was trinken“, so Harald Schmidt. „Sie müssen sagen, wenn ich Sie langweile, ich habe das Gefühl für so was schon lange verloren“, sagte er und plauderte munter weiter drauflos.
Er mache jetzt nur noch Sachen, auf die er Lust habe. Traumschiff und Weißes Rössl in Wien. Karriere sei für ihn in seinem Alter kein Thema mehr. „Ich bin ja der von der Politik geforderte ‚Aktiv-Rentner und damit mal wieder an der Spitze des Fortschritts.“
Wenn Schmidt König von Baden-Württemberg wäre, was würde er dann tun, so Timm Kern in einer letzten Fragerunde. „Ich würde mich mit Baden-Württemberg nicht allzu sehr belasten.“ Was für den Entertainer ein gelungener Abend sei? „Wenn ich vor dem Fernseher einschlafe“, so die Antwort.
Wenn man sich in 40 Jahren an den Menschen Harald Schmidt erinnert, was wäre ihm wichtig, wollte Kern abschließend wissen. „Das ist mir völlig Wurscht, vorbei ist vorbei.“ Und so war es auch mit diesem Abend. Standing Ovations – und dann, vorbei. Einfach vorbei.