Reutlinger IHK-Podium mit fast allen aussichtsreichen Kandidaten für den Landtag aus dem Kreis Reutlingen
Montagabend bei der IHK Reutlingen, das erste von drei Wahlpodien, die an drei aufeinanderfolgenden Abenden in Reutlingen, Tübingen und Balingen angeboten werden. Auf dem Podium in der Achalmstadt waren die Landtagskandidaten Maximilian Gerner (AfD), Sebastian Geyer (FDP), Dr. Max Menton (CDU), Thomas Poreski (Grüne) und die Kandidatin Ronja Nothofer-Hahn (SPD).
Das Land befinde sich in einer „strukturellen Wirtschaftskrise“, sagte IHK-Vizepräsident Robin Morgenstern in seiner Begrüßungsrede. Die Rahmenbedingungen seien schlecht, Steuern und Abgaben zu hoch ebenso wie die Energiepreise – „wir brauchen aber eine starke Wirtschaft, um mit den Wettbewerbern in New York und Singapur mitzuhalten“, so der IHK-Vizepräsident.
Die Themen, die Moderator Christoph Heise an diesem Abend in die Runde brachte, lauteten Bildung, Innenstädte und Infrastruktur. Thomas Poreski (Grüne) sagte in der Aufwärmrunde, dass er 2025 mehr als 18.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegte – gleichzeitig aber kein Autogegner sei. Er befürworte den Bau des Albaufstiegs im Echaztal, sage aber Nein zur Dietwegtrasse.
Maximilian Gerner (AfD) betonte, „die vorhandene Infrastruktur muss ausgebaut werden“, die Regionalstadtbahn (RSB) habe er dabei nicht im Blick. Poreski, Ronja Nothofer-Hahn (SPD) und Sebastian Geyer (FDP) zeigten sich hingegen als klare RSB-Befürworter: „Wir brauchen einen guten öffentlichen Nahverkehr“, so Geyer.
Dr. Max Menton (CDU) verriet, dass er mit einem BMW nach Tübingen zur Arbeit in die Frauenklinik fahre, Straßenausbau sei wichtig – aber auch „ein guter Verkehrsmix“. Einig waren sich alle fünf Kandidaten, dass „der Zerfall in der Innenstadt besorgniserregend ist“, so Menton. Ein Konzept zur Belebung von Handel, Gastronomie und Nachtleben müsse her. Poreski forderte mehr Wohnen im Stadtkern und mehr Aufenthaltsqualität. Gerner sagte: „Reutlingen wäre gerne eine Großstadt, mit dem Nachtleben ist es aber Essig.“
Zum Fachkräftemangel sagte Nothofer-Hahn, dass Deutschland für Migranten attraktiver werden müsse. „Wir sind ein Einwanderungsland und brauchen eine offene Gesellschaft, sonst funktioniert das mit den Fachkräften nicht“, betonte Poreski. Gerner forderte, dass die Lehre im Vergleich zum Studium aufgewertet werden müsse.
Geyer forderte, bessere Bedingungen für Frauen zu schaffen, damit sie ganztägig arbeiten könnten. „Ohne Migranten müssten wir die Kliniken in Tübingen zumachen“, sagte Metnon. Thema Wohnungsbau: Poreski forderte, Baulücken in den Kommunen zu schließen und Büroflächen in Wohnraum zu wandeln. Tübingen praktiziere das erfolgreich.
Ronja Nothofer-Hahn setze auf den „gesunden Menschenverstand beim Wohnungsbau“ – und dabei sinnvoll auch neue Flächen für dringend benötigten Wohnraum zu erschließen. Sebastian Geyer wandte ein, dass sich viel zu oft Bürgerinitiativen gegen Bauprojekte bilden. Getreu dem Motto „natürlich sind wir für sozialen Wohnungsbau, aber ‚not in my backyard‘“.
Erstaunlicherweise waren sich alle Kandidaten einig, dass zumindest das letzte Kitajahr kostenlos sein sollte, der FDP-Kandidat ergänzte aber: „Am wichtigsten ist die Verlässlichkeit der Betreuung.“ Nothofer-Hahn betonte, dass es „volkswirtschaftlich wichtig wäre, Frauen den Weg zurück in die Arbeit besser zu ebnen“.
Bei einer anschließenden Fragerunde war bei der IHK (wenig verwunderlich) die momentane Diskussion über die Erbschaftssteuer ein Thema. Der Grünen-Kandidat sagte dazu, dass die Steuer angepasst werden müsste, „Betriebe dürfen aber nicht in ihrer Substanz geschädigt werden“. Nothofer-Hahn sagte, sie befürworte die Erbschaftssteuer, Menton aber sagte: „Falsche Debatte zur falschen Zeit.“ Zustimmung erntete er dafür von FDP- und AfD-Seite.
Emotional ging es abschließend zu, als ein Windkraftgegner aus dem Publikum fragte: Wie könne die Politik angesichts all der vermeintlichen Negativaspekte von Windrädern den weiteren Ausbau unterstützen. Die Argumente der Kandidaten und der Kandidatin wollte er aber gar nicht hören. Bis auf die von Maximilian Gerner, der AfD-Politiker sagte: „Ich bin gegen den weiteren Ausbau.“
IJessica Knapp (Linke) hatte abgesagt
Zu dem Podium bei der IHK ist Jessica Knapp von den Linken nicht gekommen, „aus privaten Gründen“, wie Robin Morgenstern bei der Begrüßung sagte. Die „privaten Gründe“ hatte Knapp in einer Mail (auch an die Medien) ausgeführt: Sie habe kurzfristig abgesagt, weil der AfD-Kandidat ebenfalls zu dem Podium eingeladen wurde. Geplant worden sei, an diesem Abend jeweils zwei Parteien gegenüberzustellen, erläuterte Knapp. Dadurch komme „die AfD in eine exponierte Position, um ihre Hetze zu verbreiten“. Jessica Knapp „kann die Auffassung nicht nachvollziehen, dass man eine in Baden-Württemberg als gesichert rechtsextreme Partei zu demokratischen Podien einladen müsse oder sie ‚inhaltlich stellen‘ könne“.