Finale mit Festessen – Kreisjäger spenden drei Wildschweine für die Vesperkirche

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Reutlinger Vesperkirche endet nach vier Wochen mit Wildschweingulasch und einem durchweg positiven Fazit

Wildgulasch von drei echten Wildschweinen in der Reutlinger Vesperkirche – das gab’s in fast 30 Jahren noch nie. Am letzten Tag der mit rund 10.000 Gästen wieder sehr stark besuchten vierwöchigen täglichen Essens- und Aufmerksamkeitsverteilung wurde den Gästen gestern ein Festessen präsentiert. 60 Kilogramm Schwarzwildfleisch hatte die Kreisjägervereinigung Reutlingen dafür gesepndet.

„Wir haben mit der Küche der Bruderhaus-Diakonie gesprochen, dort wurde uns gesagt, was gebraucht wird und dann haben wir einen Aufruf an unsere Jäger gestartet“, erläuterte Marc Weiß am gestrigen Sonntag in der Nikolaikirche. Wie gewünscht, so wurden tatsächlich drei Wildschweine geliefert, eines wurde im Metzinger Revier erlegt, eines im Schönbuch. Zubereitet haben dann allerdings die Bruderhaus-Köche ein wirklich leckeres Essen, das Kreisjägermeister Weiß und sein Stellvertreter Hannes Junger hoch gelobt haben.

Als Krönung spielten zudem noch die Jagdhornbläser einige Liedstücke ab 12 Uhr. „Von denen hat jedes eine andere Bedeutung“, so Weiß. „Jagd beginnt“, ist eines davon, „Jagd beendet“ und „Wild erlegt“ sind weitere. „Und ganz wichtig ist natürlich, ‚Essen ist fertig‘“, schmunzelte Junger. Die Jäger im Kreis Reutlingen wollen mit der Spende des Wildschweinfleisches nicht nur ihre Verantwortung gegenüber Wild und Wald zeigen, „sondern auch gegenüber der Gesellschaft“.

Die meisten der Gäste dürften sich ein leckeres Wildgericht kaum leisten können, deshalb tue es besonders gut, dort nicht nur mit dem Essen, sondern sich auch höchstpersönlich einzubringen: Sechs der Jäger haben am Sonntag ehrenamtlich in der Vesperkirche mitgeholfen. Mit dem Festessen endete nach vier Wochen aber auch die diesjährige Vesperkirche.

„Extrem friedlich“ sei die 29. Ausgabe 2026 gewesen, waren sich Birgit Hövel und Jörg Mutschler einig. Die beiden Ruhestands-Theologen hatten sich den Job der Vesperkirchenpfarrei zum ersten Mal geteilt. Das Jobsharing sei gut gewesen – anstrengend war’s trotzdem, wie beide nach vier Wochen betonten. Aber: Die Atmosphäre in der Vesperkirche sei sehr gut gewesen, kaum Aggressionen, viel Zustimmung und viele schöne Rückmeldungen haben die Macher erhalten.

(Foto: WIldgulasch zum Abschluss präsentierten aus dem Leitungskreis (von links) Birgit von Vacano, Sabine Lehmkühler und Birgit Hövel.)

Im Gästebuch der Vesperkirche 2026 schlug sich das in zahlreichen, zum Teil berührenden Dankesworten nieder. So etwa: „Ich bin bekennende Atheistin, durch die Vesperkirche könnte ich fast wieder zum Glauben finden“, hatte eine Person geschrieben. Jemand anderes trug ein: „Es tut so gut, hier angenommen zu werden, wie man ist.“

Zu dem guten Gelingen beigetragen haben laut Sabine Lehmkühler insgesamt 350 Ehrenamtliche und täglich fünf Personen aus dem Leitungskreis. Die Mischung sei gut gewesen, die freiwilligen Helferinnen und Helfer hatten sich die Zeit genommen, um mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Positiv bewertete Hövel den Einsatz von Karen Brudar, die mehrmals pro Woche Sozialberatung angeboten hatte und einige Gespräche in der Planie beim Diakonieverband (DV) vereinbart hat. Sehr stark nachgefragt war zudem das Angebot der Rechtsberatung durch den Anwalt Ernst Dietzfelbinger.

„Die wachsende Armut ist hier deutlich spürbar“, sagte Joachim Rückle als DV-Geschäftsführer. Überhaupt war das Thema Armut nicht nur bei der Verteilung der Mahlzeiten sowie bei der Kaffee- und Kuchenausgabe im Café der Gerberstraße stets präsent. Auch die beiden Abendveranstaltungen in der Vesperkirche waren gut besucht und befassten sich intensiv mit Armut.

„Weil viele der Gäste auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, war die Nachfrage nach kostenlosen Busfahrscheinen sehr groß“, sagte Rückle. Der RSV hatte 500 Tickets gegeben, weitere 740 wurden gespendet. Den Preis für ein Busticket könnten sich viele nicht leisten, betonte Birgit Hövel.

Groß war die Freude bei den Gästen zudem über rund 400 gespendete Kuchen und auch der Frisurendienst von Figaro Decio war stark nachgefragt. Dreimal pro Woche war er vor Ort, „schön wäre gewesen, wenn ihn noch jemand unterstützt hätte“, so die Pfarrerin. Für das nächste Jahr will Hövel auf die Suche nach Verstärkung für den Figaro gehen. Beim Abschlussgottesdienst hielt gestern Jörg Mutschler die Predigt – am Schluss wünschten sich viele der Ehrenamtlichen und auch der Gäste gegenseitig alles Gute „und bis nächstes Jahr dann wieder“. Dann zum letzten Mal in der Nikolaikirche. 2028 zieht die Vesperkirche dann in die Christuskirche um.

15.000 Euro Spenden fehlen noch

 „Die diesjährige Vesperkirche war die teuerste bisher“, betonte Pfarrer Joachim Rückle. Insgesamt 180.000 Euro stehen an Kosten unterm Strich, 15.000 Euro würden noch fehlen, um alle Rechnungen begleichen zu können. Der Grund für die hohen Kosten: Gestiegene Preise für Lebensmittel, Speisen und Personal und die zusätzliche Anmietung der Café-Räume in der Gerberstraße. Wer die Vesperkirche unterstützen will, kann das gerne tun und zwar auf das Konto mit der IBAN: DE18 6405 0000 0100 0230 73. Stichwort „Vesperkirche“.

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