Cem Özdemir, Cindy Holmberg und Thomas Poreski treffen in der Metzinger Festkelter vor fast 400 Besucherinnen und Besuchern auf viel Zustimmung
„Sie haben hier zwei kraftvolle Kandidaten, die Ihre Interessen in den beiden Wahlkreisen fantastisch vertreten“, sagte Cem Özdemir am Freitagabend in der Metzinger Festkelter bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen. Damit hatte der gebürtige Bad Uracher, der Ministerpräsident in „The Länd“ werden will, die beiden Grünen Cindy Holmberg und Thomas Poreski im Blick – die 50-Jährige Holmberg kandidiert erneut für einen Sitz im Landtag für den Wahlkreis Hechingen Münsingen, der 62jährige Poreski für den Kreis Reutlingen.
„Die Grünen haben Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren verändert“, sagte Cindy Holmberg in ihrer Rede. „Wir zeigen als Einzigen Stabilität in wirklich bewegten Zeiten.“ Ihr Reutlinger Kollege Thomas Poreski sagte: „Wir brauchen keine Scheinlösungen aus einer vermeintlich guten Vergangenheit, sondern mehr Sicherheit durch Wandel.“
Der Wahlkampfauftritt des Trios traf an diesem Abend in der rappelvollen Festkelter auf viel Zustimmung, alle drei Grünen ernteten viel Beifall für ihre Reden. Selbst der Umstand, dass der Großteil des Publikums keinen Sitzplatz fand, störte die fast 400 Gäste offensichtlich nicht.
Neben Özdemirs viel beklatschter Rede stellte sich der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister souverän und integer (schon ganz in der Rolle eines Landesvaters) auch den zahlreichen, zum Teil unbequemen Fragen der Besucherinnen und Besucher. So etwa, was er denn künftig für den Klimaschutz tun wolle, wenn er es tatsächlich schaffen sollte, baden-württembergischer Ministerpräsident zu werden.
Özdemirs Antwort: Beim Thema „Green-Tech“ sei das Land führend, „wir setzen auf die Wissenschaft“. Natürlich wisse der „anatolische Schwabe“, dass Baden-Württemberg damit nicht die Welt retten könne, aber: „Wenn wir es schaffen, Wachstums-Jobs mit dem Klimaschutz zu verbinden, dann wird das ein Exportschlager“, so Özdemir.
Was denke der Spitzenkandidat der Grünen über die Wehrpflicht, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Die betroffenen Jugendlichen müssten unbedingt in das Thema mit einbezogen werden, forderte der Vollblutpolitiker. Er plädierte für ein „republikanisches Jahr“, bei dem die jungen Menschen selbst entscheiden sollten, für was sie sich entscheiden. Das dürfe aber auf keinen Fall über die Köpfe der Jugendlichen hinweg geschehen.
„Wir sind das Gehirn der Welt“, sagte Cem Özdemir zu einer Frage nach der Förderung von Startups. Enorm begabte Studienabsolventen würden viel zu oft ins Ausland gehen, weil dort fähige Köpfe mit ihren Ideen mit enormen Summen gelockt würden. Der Finanzierungsvorschlag des Grünen-Politikers: „Ein Prozent aus Pensionsfonds für Startups verwendet würde schon reichen, um bei dem Thema auf einen Schlag in der Champions League mitzuspielen.“
Thema Mercosur und Schutz der Bauern? Özdemir habe sich als Bundeslandwirtschaftsminister schon eindeutig dazu positioniert. Seit 20 Jahren werde über das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten verhandelt, nun stehe es endlich vor der Vollendung. Seinen Grünen-Kollegen im Europaparlament – die dafür gestimmt hatten, den Vertrag vom Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen – riet Cem Özdemir, nochmals über ihre Abstimmung nachzudenken. „Auch die hiesigen Bauern hätten Vorteile durch Mercosur.“ Allerdings dürften die in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittel natürlich auch nicht in den südamerikanischen Ländern verwendet werden.
Wie sich der potenzielle künftige Ministerpräsident „The Länd 2030“ vorstelle? „In Forschung und Entwicklung werden wir weit vorne sein, so wie Kalifornien und Massachusetts“, so Özdemir. In der Bildung müsse Baden-Württemberg Spitze sein. „Ich möchte das Land schnell, effizient und digital, um vorne mit dabei zu sein“.
Eines sei aber klar und eindeutig, sagte Cem Özdemir und zeigte damit auch Sinn für Humor: „Ich bin der Meinung, wer Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden will, der muss den Schlingenwurf für die Brezeln beherrschen“, so der 60jährige gebürtige Bad Uracher.