Was ist aus den USA geworden? Ein durchgeknallter Immobilien-Milliardär an der Spitze lässt das Immigration and Customs Enforcement (ICE) mit Gestapo-Methoden Migranten festnehmen, zusammenschlagen, abschieben und ermorden
Es ist verstörend und beängstigend, was seit einem Jahr in den USA passiert. Dabei muss man gar nicht auf die täglichen Eskapaden von Präsident Donald Trump schauen, der vorgestern den venezolanischen Staatschef wie in einem Action-Thriller entführen lässt. Der gestern behauptet, dass er Grönland unbedingt braucht – wenn notwendig, auch mit militärischer Gewalt. Gleichzeitig verhängt er Zölle gegen europäische Staaten, die diesen offensichtlichen Bruch mit jeglichem Völker- und NATO-Recht nicht kommentarlos hinnehmen wollen.
Auf dem Davos-Gipfel verkündet Trump nun, dass das alles keine Rolle mehr spiele. Wen interessiert Grönland? Zölle? Forget about it. Was treibt diesen Wahnsinnigen eigentlich an? Dass er brandgefährlich und kriminell ist, erfahren aber vor allem Amerikaner. Geflüchtete, über deren Asylverfahren noch nicht entschieden ist. Migranten, die längst eingebürgert sind, aber die falsche Hautfarbe und Herkunft haben.
Sie werden als Kriminelle bezeichnet, deren Kinder aus Schulen und Kindergärten heraus verhaftet werden – man stelle sich vor, wenn die vermummten ICE-Beamten auftauchen. Schwer bewaffnet, unkenntlich, martialisch stürmen sie in Kitas, Häuser, Hospitale, Arbeitsstätten. Angst und Schrecken ist offensichtlich ihr Credo und die Absicht hinter ihren Auftritten. Um die 20.000 Beschäftigte soll es im US Immigration and Customs Enforcement geben.
Wenn die ICE-Kalten auftauchen, nehmen sie mit größter Brutalität Frauen, Mütter, Töchter, Männer, Väter und Söhne mit, prügeln mit Gestapo-Methoden auf sie ein, als wären sie Schwerverbrecher. Migranten trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern, weil ICE und der Präsident eine Atmosphäre der Angst verbreiten.
Offensichtlich ist Minnesota Trump besonders verhasst – weil dort bei den Präsidentschaftswahlen stets demokratisch gewählt wurde. Weil der US-Bundesstaat im Mittleren Westen als einwanderungsfreundlich gilt. Weil er für alles steht, das Trump hasst – nämlich für Offenheit, hohe Sozialleistungen, für „all den liberalen Schwindel“ eben (so die ZEIT).
Und dann werden Menschen auch noch auf offener Straße ermordet. Wie Renée Good, dreifache 37jährige Mutter, die in ihrem Fahrzeug am 7. Januar 2026 in Minneapolis erschossen wurde. Genauso wie nun Alex Pretti, ein ebenfalls 37jähriger US-Amerikaner, der im Ministerium für Veteranenangelegenheiten und auf der Intensivstation eines Krankenhauses arbeitete.
Die Trump-Regierung sagte schamlos, er sei doch selbst schuld, dass er erschossen wurde. Er habe Bundesbeamte töten wollen. Man kann es ja einfach so behaupten. Weil man die Macht hat. 32 Menschen sind laut ZEIT im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde allein im vergangenen Jahr ums Leben gekommen.
Das martialische Auftreten der ICE-Truppen erinnert an die Nazi-Zeit, an die Schlägertrupps der SA während der Weimarer Republik und ab 1933 dann der Gestapo. Damals wurden Juden, Sinti und Roma entrechtet, fortgeschleppt, mit größter Brutalität von der Straße weg oder auch aus ihren Wohnungen entführt, misshandelt, gefoltert und ermordet. Gerade so wie jetzt wieder in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Was ist passiert in den USA, der vermeintlichen Wiege der Demokratie, dass es zu solchen Verhältnissen kommen konnte? Das überaus brutale Vorgehen der ICE-Truppen hat mit Demokratie rein gar nichts mehr zu tun. Wartet Donald Trump auf Widerstand aus der Bevölkerung? Damit er den Notstand verhängen, Wahlen absagen könnte? Trump drohte bereits: Sollten die vermeintlichen „Angriffe auf die Patrioten von ICE“ nicht aufhören, werde er das US-Militär schicken. Die Verdrehung der Realität und das Lügen gehört bei Autokraten bekanntlich dazu.
Doch was ist das für eine Regierung, die Menschen schlimmer als Vieh behandelt? Was ist los mit diesem Präsidenten, der täglich durch die Weltgeschichte irrlichtert, dessen offensichtlich größter Wunsch darin besteht, den Friedensnobelpreis zu kriegen? Gleichzeitig lässt er im eigenen Land Nazi-Methoden anwenden, hat ein System von Hass und Angst installiert, in dem sich Krebspatienten nicht mehr in Krankenhaus trauen – weil sie befürchten, dort festgenommen zu werden.
Was aber bedeutet das für uns, im vermeintlich sicheren Deutschland? Wegschauen? Ignorieren? Protestieren? Die vom Export abhängigen Unternehmen können all das schwerlich tun. Also weitermachen wie bisher? Deutschland muss sich – eine Weisheit, die sich immer mehr durchsetzt – viel schneller, viel mehr von den USA unabhängig machen. Was mit Sicherheit leichter gesagt als getan ist. Weil ja ganz Europa vom Export in die USA abhängig ist, weil viele Firmen Filialen in den Vereinigten Staaten haben. Grundsätzlich müssen wir hier wohl einiges an Profit abschreiben. Der Lebensstandard wird bei uns sinken, neue Märkte müssen gesucht und erschlossen werden.
Ist das nun ein Grund für uns, in Panik zu verfallen? Aus Panik und Angst heraus zu handeln, ist sicherlich nicht der richtige Weg. Stattdessen bedacht und zuversichtlich sich von Bisherigem abwenden, bisherigen Freunden, die ganz offensichtlich auf dem falschen Dampfer sind, Ade sagen. Wir haben uns seit dem Ende des 2. Weltkriegs auf „die Amis“ verlassen. Verlassen können. Damit ist es jetzt vorbei. Wir werden uns neue Freunde suchen müssen, in anderen Teilen der Welt. Das kann bereichernd sein. Aber wir werden wohl kaum überall mit offenen Armen empfangen. Und wir werden selbständiger werden müssen.
Ist diese Welt nun völlig verrückt geworden? Womöglich war sie noch nie wirklich anders. Nur hätte man denken können, dass die Menschheit schon einen Schritt weiter war in Sachen Menschenrechte. Mitmenschlichkeit. Demokratie und Freiheit. Eine Freundin aus Argentinien sagte mal zu uns: „Ach, das wird schon wieder – mal schlägt das Pendel in die eine Richtung aus und irgendwann wieder in die andere.“ Brauchen wir mehr Gelassenheit?