Dramatischer Mangel an Sozialwohnungen – Aktion auf dem Reutlinger Marktplatz

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Aktion von Bündnis für Menschenrechte, AWO und Verein Hilfe zur Selbsthilfe auf dem Reutlinger Marktplatz zum „Menschenrecht auf Wohnen“

 „Wohnen ist ein Menschenrecht“, betonte Katrin Lütjens vom „Bündnis für Menschenrechte“ am vergangenen Donnerstagabend auf dem Reutlinger Marktplatz. Einige Dutzend Aktive und Passanten hatten sich vor dem Spitalhof versammelt.

Und das an einem Tag, an dem die Nachrichten in den Medien voll waren mit katastrophalen Meldungen: 1,4 Millionen Wohnungen fehlen momentan in Deutschland. Die Anzahl an bezahlbaren Wohnraum sinke obendrein stetig, wie die Tagesschau vermeldete: Im Vergleich zu 2007 sei die Zahl der Sozialwohnungen von gut 2 Millionen auf heute rund die Hälfte gesunken.

Wohnungen fehlen auch in Reutlingen, wie Lütjens auf dem Marktplatz betonte. Dabei sei „menschenwürdiger Wohnraum die Basis für ein selbstbestimmtes Leben“. Gleichzeitig würden die Mieten explodieren, der Wohnungsleerstand nehme weiter zu ebenso wie die Privatisierung von Wohnungen und auch die Einschränkungen und Sanktionen bei Bürgergeldempfängern.

Um auf diese Missstände hinzuweisen, hatten sich das „Bündnis für Menschenrechte“, die Reutlinger AWO sowie das Netzwerk „Hilfe zur Selbsthilfe“ zusammengetan und die Aktion am vergangenen Mittwoch auf dem Marktplatz gestaltet. Sandra Gänzle und Helferinnen von der AWO hatten dafür eine Mauer aus einzelnen Bausteinen errichtet. Auf den einzelnen „Steinen“ waren Forderungen, Gründe und Auswirkungen von Wohnungsnot zu lesen.

So etwa „Keine Ausnahme bei der Mietpreisbremse, Für bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum, Kein Sparen auf Kosten der Ärmsten, Die Gewalt gegen wohnungslose Menschen nimmt drastisch zu, Psychische Erkrankung ist ein Risikofaktor wohnungslos zu werden, Keine Kriminalisierung von wohnungslosen Menschen“.

„Wir haben diese Mauer mitten in den Weg auf der Wilhelmstraße aufgebaut, damit die Passanten auch stehenbleiben“, sagte Gänzle. „Schon beim Aufbau haben viele Menschen sich die Forderungen angesehen und kommentiert.“ Dabei sei klar, „dass es sich bei dem Thema um unbequeme Wahrheiten handelt – weil Obdachlose nun mal nicht ins Stadtbild passen“, sagte AWO-Mitarbeiterin Gänzle.

Wohnungslosigkeit sei stark mit Scham behaftet, Betroffene würden sich mit ihren Problemen nicht in die Öffentlichkeit drängen. „Deshalb ist es ja auch so leicht, das Thema zu ignorieren.“ Nicht so am Mittwochabend, wenn man durch die Wilhelmstraße über den Marktplatz gehen wollte. „Nicht die Wohnungslosen sind das Problem, sondern die Politik, die nicht für ausreichend Wohnraum sorgt“, betonte die AWO-Mitarbeiterin.

Neben der Baustein-Mauer hatte die Mobile Jugendarbeit des Netzwerks „Hilfe zur Selbsthilfe“ zudem ein symbolisches Wohnzimmer unter einem Pavillon aufgestellt. Auf einer Bank konnten Menschen ins Gespräch kommen. Auch darüber, dass immer mehr Jugendliche von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Ein Grund dafür sei, dass „dein Nachname leider nicht deutsch genug ist“, wie auf einem Plakat zu lesen war.

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