Gruseln am Uracher Wasserfall

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Vor kurzem waren wir in Bad Urach,

mit dem Zug sind wir hingefahren.

Wir wollten die „Stairway to heaven“, die Treppe zum Himmel, raufgehen.

Zunächst befragten wir aber einen Weisen an der Amanduskirche, was er zu dem Vorhaben meinte – er riet uns ab.

„Des isch g’fährlich“, raunte er. „Hinter den riesigen Eiszapfen am Wasserfall versteckt sich ein Monster.“

„Wenn ihr die Treppen raufgeht, haucht er mit seinem ekligen, heißen Mundgeruch

die messerscharfen Eiszapfen an – und die erdolchen euch dann.“

Bine wurde es eiskalt, sie bibberte am ganzen Körper.

„Stell dir vor, dir bohrt sich solch ein Zapfen in den Kopf.“ „Des isch saug’fährlich für so einen großen Kopf“, sagte der Gelehrte.

„Pffff“, entgegnete ich und drehte mich weg. „Glaub doch so einen Unsinn nicht,

schau lieber, wie schön es hier ist.“

Die Wegweiser wiesen uns eindeutig den Weg, aber

eigentlich mussten wir eh nur den vielen anderen Leuten folgen.

Nach einer kurzen Wanderung kamen wir tatsächlich beim Wasserfall an,

Bine wollte schon – trotz der Warnung – aufsteigen, da rief ich:

„Stopp, halt, sieh das Schild.“ Betreten mit Wanderschuhen verboten.

Seltsam. Doch Bine ging einfach weiter.  Als der erste Eiszapfen in ihre Richtung herunterstürzte,

floh sie zurück ins Tal.

Ich hingegen hatte – Verbot ist schließlich Verbot – dort unten meine Stiefel ausgezogen. Woraufhin die Landschaft sich deutlich veränderte hatte. Die Wiese bekam einen seltsam weißen Ausschlag.

Und die Bäume wurden auf einen Schlag grün. Wie im Sommer. Was hatte das zu bedeuten?

Dann winkte mir eine Hand aus einem Baumstumpf heraus zu. „Gib mir deine Wanderstiefel“, tönte eine blecherne Stimme. Gruselig war das.

Ich tat wie geheißen, dann rannten wir wie der Wind. Nach Urach. Wir suchten Hilfe.

Flehten den Bärtigen – ich glaube, er hieß Bart Eberhard oder so ähnlich – auf dem Podest an: „Kannst du mir deine Schuhe leihen?“ Doch Bart sagte keinen Ton, sah hochnäsig über uns hinweg.

Wir rannten weiter. Am Uracher Rathaus herrschte tiefgefrorene Stille. Und wir?

Wir gingen Kaffee trinken, Kuchen essen und Füße aufwärmen. Im einzigen offenen Café am Uracher Marktplatz.

Danach fuhren wir mit dem Zug wieder heim. „Uhhh, hab ich kalte Füße – und was ist jetzt mit meinen Wanderstiefeln“, fragte ich Bine. „Man gibt seine Schuhe auch nicht jeder dahergelaufenen Hand“, sagte sie. Wo sie recht hat …

Zum Abschluss machten wir ein typisches Grins-Selfie, damit wir diese unglaubliche Geschichte auch wirklich nie vergessen.

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