Große Vielzahl an Projekten von „Hallo Nachbarn“ im Ringelbachgebiet zeigen positive Effekte für Bewohner des Ringelbachgebiets – Im Gespräch mit Projektkoordinator Dr. Gernot Bohnenberger
Najah Almobayad kam mit 10 Jahren aus Syrien nach Reutlingen. Sie besuchte die 5. Klasse der Eduard-Spranger-Schule, anfangs völlig ohne Deutsch-Kenntnisse. Als ehrenamtliche Patin bekam sie 2018 Johanna Huber zur Seite, heute ist Najah 18, gibt selbst Nachhilfe und wurde als „Talent im Land“ erkannt. Ein Stipendium wird ihr helfen, nach dem Abitur zu studieren.
Ohne die Unterstützung von Huber wäre all das nicht möglich gewesen – für die junge Syrerin, für Johanna Huber und für das ganze Projekt „Hallo Nachbarn“ ist dieses Tandem ein Riesenerfolg, wie Koordinator Dr. Gernot Bohnenberger erläutert. Doch an der Spranger-Schule wurden über „Hallo Nachbarn“ noch einige weitere höchst erfolgreiche Projekte installiert: Ein Frühstück etwa, gedacht für die Schülerinnen und Schüler, die ohne irgendwas zu essen in die Schule kamen.
Im Mai 2024 fand sich ein ehrenamtliches Team zusammen, das dienstags und donnerstags ein gemeinsames, gesundes Frühstück angeboten hat. „Beim ersten Mal kamen innerhalb von einer halben Stunde an die 50 Schüler“, so Bohnenberger. Seitdem wurden mit zunehmendem Erfolg in vier weiteren Monaten die Frühstückstermine als Gemeinschaftsaktion wiederholt.
Noch mehr Projekte an der Sprangerschule: Eine Gesundheitsfachkraft konnte über das Landratsamt eingestellt werden Jeden Vormittag ist die Frau für Schüler da, wenn es ihnen nicht gutgeht. „80 Prozent der Kinder, die bei der Fachkraft waren, sind nicht nach Hause gegangen, sondern zurück in den Unterricht.“
Oftmals verschwinde das Bauch- oder Kopfweh im Gespräch, wenn sich jemand um die Kinder kümmert. In Stuttgart und vor allem in Südamerika sind Gesundheitsfachkräfte an Schulen eine Selbstverständlichkeit, berichtet der Arzt, Zauberer und Projektkoordinator Bohnenberger. „Faszinationsangebote“ sind zudem ein fester Begriff an der Schule. Polizei, Feuerwehr und noch viel mehr waren schon vor Ort, haben in Pausen die Kids begeistert. Selbst Informationen über gesunde Nahrung wurden (richtig verpackt) zu einem Renner.
In Kooperationen mit dem Jugendhaus Ariba (und der Sprangerschule) sind weitere Projekte für Kinder und Jugendliche entstanden. Ein Sprayer-Workshop mit einem international anerkannten Künstler etwa. Oder Ferienprogramme, bei denen die TSG Reutlingen mit dabei war. „Da sehen Kinder, dass es hier jede Menge Sport- und Freizeit-Angebote von der TSG und vom Jugendhaus gibt – das wirkt nach“, sagt Bohnenberger mit leuchtenden Augen.
Der Arzt-Bauwagen ist ein Projekt für alle Bewohner im Ringelbachgebiet. Durch die Kontakte des Koordinators zu den Kliniken, zum Diakonieverband, zu Pfarrerinnen und Pfarrern war von August bis Oktober jeweils dienstags für zwei Stunden ein Tandem im Bauwagen neben dem Begiz: Neben ärztlicher ist dort auch soziale Beratung möglich. Das Fazit des engagierten Arztes: „Das ist ein geniales Projekt, das muss unbedingt weitergehen.“ Wann könne er schon mal einen Patienten eine Stunde lang beraten und erfahren, was den Menschen umtreibt. „Uns freut auch sehr, dass das AWO-Arztmobil schon mehrfach hier war“, betont Bohnenberger.
Das mit dem Irmgard-Zecher-Preis ausgezeichnete Nähcafé ist ein weiteres Projekt, das von Frauen aus dem Quartier angestoßen und von „Hallo Nachbarn“ ermöglicht wurde. „Im Sommer hat das Nähcafé einen Kinder-Näh-Workshop angeboten – wie genial ist das denn“, fragt der Koordinator. Eine Antwort erübrigt sich.
Ein weiteres Café wird einmal im Monat abgehalten, Kuchen werden gespendet, es hat sich ein fester Treff daraus entwickelt. „Da melden sich sogar Ehrenamtliche ab, wenn sie mal nicht können“, schmunzelt Bohnenberger. Ein Hochbeet wurde zwischen den Wohnblocks im Ringelbach angelegt, trotz aller Unkenrufe und Vandalismus-Bedenken stehen die Beete auch heute noch, werden bepflanzt, bewässert, geerntet.
Eine Pflanzenbörse wurde für die Ringelbachbewohner angeboten und auch Informationen verbreitet, was man in Balkonkästen selbst an Kräutern anbauen kann. Natürlich geht auch mal was kaputt, „dann wird es geflickt und danach sieht man weiter“, so der Koordinator. „Das Positive überwiegt hier deutlich mehr als das Negative.“ Machen anstatt nur reden, mutig wagen, anstatt Bedenken hin und her zu wälzen – das ist das Motto von „Hallo Nachbarn“.
Wer eine Idee hat – Gernot Bohnenberger hat immer offene Ohren. Wer sich einbringen will, ist willkommen. Wenn mal was nicht klappt – egal. Vielleicht beim nächsten Anlauf. „Es geht hier darum, wie man sich einbringen kann und will.“ Das Beste an allem aber sei: „Es ist total schön, Menschen was Gutes mitzugeben“, betont Gernot Bohnenberger. Und: „Die Menschen, die sich einbringen, kriegen selbst so unglaublich viel zurück.“ Was ja ebenfalls unglaublich schön ist.
Finanzierung:
Ach ja. Geld braucht es halt auch für das Projekt. Ein Stiftungsfonds ist gegründet worden, um die Arbeit von „Hallo Nachbarn“ dauerhaft zu finanzieren. Gerne können sich Unternehmen, Privatpersonen, alle Menschen engagieren und Geld spenden, auf das Konto bei der Evang. Gesamtkirchengemeinde Reutlingen unter der IBAN: DE82 6405 0000 0000 0738 00. Stichwort: Stiftungsfonds Hallo Nachbarn.