Bündnis für Menschenrechte-Aktion am Tag der Menschenrechte auf dem Reutlinger Marktplatz – Geschichte und persönliche Erfahrungen in der Citykirche
„Für mich ist heute ein Feiertag“, sagte Günter Jung am Mittwochabend in der Reutlinger Citykirche. Begangen hat das „Bündnis für Menschenrechte“ den Internationalen Tag der Menschenrechte zunächst mit einer Mahnwache auf dem Marktplatz der Achalmstadt. Rund 15 Bündnis-Aktive hatten sich nah beim riesigen Weihnachtsbaum versammelt.
Nur drei Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs hatten die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die 30 Menschenrechte verfasst und beschlossen. „Nie wieder sollten solche Verbrechen geschehen wie unter der Nazi-Diktatur und im 2. Weltkrieg“, betonte Christian Lawan. Die Bündnis-Aktiven stellten einige der Menschenrechte vor – etwa Artikel 1, dass alle Menschen gleich an Würde und frei sind. Oder Artikel 2: „Niemand darf diskriminiert werden, egal, ob Mann oder Frau oder divers, egal, welche Sprache sie sprechen, welcher Religion sie sich angehörig fühlen, welche Hautfarbe sie haben.“
Weiter gebe es das Recht auf Asyl, auf soziale Sicherheit, auf Bildung, Wohnraum, Meinungsfreiheit – die 30 Menschenrechte „sind aber kein Gesetz, sondern ein Ideal, das in nationales Recht umgesetzt werden sollte“, betonte Verena Nerz nach der Aktion auf dem Marktplatz in der Citykirche.
Jedes einzelne Recht wurde auf einer Leinwand aufgezeigt – besonders ergreifend und verstörend wurde es, als eine Ukrainerin in ihrer Landessprache einige der Menschenrechte vorlas – im erschreckenden Bewusstsein, dass seit Jahren (und auch gestern und heute und morgen) diese Menschenrechte in ihrer Heimat mit Füßen getreten werden.
Die kleine Gruppe von gerade mal acht Personen berichtete in der Citykirche anschließend, wie es jeder und jedem Einzelnen beim Blick auf die Menschenrechte geht. „Wir leben hier sehr privilegiert, weil wir die Menschenrechte einfordern können“, war eine Aussage. „Wir erleben aber auch, dass diese Rechte momentan weltweit mit Füßen getreten werden.“ Nicht allein durch Trump und Putin, sondern auch in Deutschland, wenn etwa „Erfolge in der Migrationspolitik“ verkündet werden – gerade so, als ob es dabei nicht um Menschen geht.
Nichts werde da gesagt über die Unterstützung der EU (und auch von Deutschland) von Ländern wie Libyen – die Flüchtlinge auf Sklavenmärkten verkaufen, die auf Flüchtlings- wie auch auf Rettungsboote schießen. Wo blieben da die Menschenrechte? Und die Resonanz der Mahnwache auf dem Reutlinger Marktplatz? Keine zehn Personen blieben stehen und hörten zu.
Bei der Veranstaltung in der Citykirche waren allein acht Bündnis-Aktive unter sich. Und dennoch: „Mich beeindrucken Menschen, die in autoritären, diktatorischen Systemen voller Mut für die Menschenrechte eintreten“, sagte Verena Nerz. Wichtig und richtig sei laut Joachim Rückle, „Unrecht zu brandmarken, nicht nur zuzugucken – wir haben die Verantwortung, einzuschreiten“. Cornelie Pflüger betonte: „Ich wünsche mir eine Welt, in der die 30 Artikel der Menschenrechte für alle gelten.“