Hilfe für Gaza-Flüchtlinge in Kairo – Reutlinger „Drei Musketiere“ in Ägypten in Aktion

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Markus Brandstetter und die Drei Musketiere waren in Kairo, haben dort 170 Flüchtlingsfamilien mit Hygieneartikeln versorgt

„Wir waren schon seit 1,5 Jahren auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie wir im Gaza helfen könnten“, sagt Markus Brandstetter. Am 6. November sind die Drei Achalm-Musketiere nun nach Kairo geflogen. „Wir wussten, dass der Berliner Verein ‚Wir packen’s an‘ in der ägyptischen Hauptstadt Hilfe für palästinensische Flüchtlinge leistet.“

Insgesamt leben mehr als 100.000 Gaza-Geflüchtete in Kairo, rund 70 Prozent seien Frauen und Kinder. Sie kamen nach den Worten von Brandstetter zumeist mit Touristenvisa, viele von ihnen seien verletzt, viele auch traumatisiert. „Wenn das Visum abgelaufen ist, leben die Menschen illegal in Ägypten, denn – zurück in den Gazastreifen können und dürfen sie nicht.“

Der Reutlinger traf in Kairo auf eine junge Frau, die in Gaza in einem Hospital gerade zur Entbindung war, als das Gebäude bombardiert wurde. Ihr Mann und ein Sohn wurden getötet, mit dem Neugeborenen und einem weiteren Sohn kam die junge Mutter schwer verletzt nach Kairo. Dort lebt sie nun unter extrem schwierigen Bedingungen.

(Fotos sind alle von Drei Musketieren.)

Die Drei Musketiere hatten sich dem Verein „Wir packen’s an“ angeschlossen, zu viert sind sie nach Kairo geflogen. Während die Berliner Lebensmittelgutscheine an 170 geflüchtete Familien verteilen wollten, war die Aufgabe der Reutlinger, für diese Familien Hygieneartikel zu besorgen. „Die werden ebenfalls dringend benötigt“, so Brandstetter.

Eine weitere Hilfsorganisation , die „LifeBlood Foundation“, betreibt in diesem heruntergekommenen Kairoer Stadtteil seit neun Jahren ein „Community Centre“. Dort werden rund 3.000 Frauen und Kindern aus Gaza unterstützt. Brandstetter hatte in diesem Centre ein Deja-vu-Erlebnis: Er selbst hatte ja bei der türkischen Stadt Izmir ebenfalls solch ein Hilfs-Zentrum aufgebaut, allerdings für syrische Flüchtlinge.

Die Musketiere hatten 5.500 Euro Spenden aus Reutlingen mitgenommen, vor Ort kauften sie dafür eine Lkw-Ladung voll mit Hygieneartikeln in einem riesigen Bazar und haben die dann an 170 Familien verteilt. Zuvor mussten die Waren allerdings in Taschen umgepackt werden. Zusammen mit rund 30 Helfern von der „Life Blood Foundation“ wurde ein Fußballplatz angemietet.

„Als ich dann zwei Taschen mit jeweils 20 Kilogramm vom Platz schleppen wollte, ist’s passiert, da konnte ich mich nicht mehr bewegen“, erinnert sich Brandstetter. Ein Bandscheibenvorfall hatte ihn ereilt, unvorstellbare Schmerzen plagten ihn fortan. „Ich weiß heute nicht mehr, wie ich wieder nach Reutlingen gekommen bin.“ Mittlerweile befinde er sich auf dem Weg der Besserung.

Die Situation der 100.000 palästinensischen Flüchtlinge in Kairo sei mehr als prekär. In slumähnlichen Verhältnissen leben die Geflüchteten jeweils dicht gedrängt auf wenigen Quadratmetern. „In diesen Hütten und Häusern in Kairo ist überall Schimmel, meist gibt es keinen Strom oder fließendes Wasser.“

Die Bewohner haben nach den Worten des Reutlingers nur sehr wenig Geld, werden vom ägyptischen Staat auch eher rudimentär unterstützt. „Entweder können die Geflüchteten sich die Miete leisten oder Lebensmittel, beides geht nicht – das ist ein permanenter Teufelskreis.“ Markus Brandstetter war zuvor noch nie auf dem afrikanischen Kontinent. Seine Eindrücke von Kairo? „Das ist eine völlig verrückte, gigantisch große Stadt, wahnsinnig laut, aber die Menschen sind unfassbar nett, gastfreundlich und zuvorkommend“.

Im kommenden Jahr planen die Drei Musketiere, 300 Familien mit bis zu 1.000 Kindern über das „sehr professionell und liebevoll geführte ‚Community Centre‘ in Kairo“ mit Lebensmittelgutscheinen und Hygieneartikeln zu versorgen. Dafür braucht die Reutlinger Hilfsorganisation einen Betrag von insgesamt etwa 100.000 Euro. Wenn es gut läuft, erhalten die Musketiere Unterstützung über eine große Spendenaktion. „Voraussetzung ist aber, dass wir 20 Prozent selbst bringen“, so der Musketier.

Die 20.000 Euro an Spenden müssen erst mal gesammelt werden. „Für uns ist das schon eine große Hausnummer“, sagt Brandstetter. Aber die Reutlinger Hilfsorganisation plant noch viel mehr: Wenn die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel weiter anhalte und der Gaza-Grenzübergang offen bleibe, wollen die Reutlinger medizinische Hilfe vor Ort leisten.

Bei aller Hilfe, die von den Reutlingern mittlerweile in so vielen Ländern geleistet wird – „man muss da sehr sensibel und vorsichtig vorgehen“, sagt Markus Brandstetter. Sehr schnell entstehe Neid bei denen, die keine Hilfe kriegen. „LifeBlood“ mache das hervorragend, gehe sehr vorsichtig und umsichtig bei der Verteilung der Hilfe vor. „Die suchen die Menschen aus, die am meisten Hilfe benötigen“, zeigte sich Brandstetter von der professionellen Arbeit der Partner-Organisation überzeugt.

Spenden für die Drei Musketiere

Wer die Drei Musketiere und ihre Hilfsaktionen in Kairo, in der Ukraine, der Türkei und andernorts unterstützen will, kann dies auf die IBAN-Nr. DE97 6405 0000 0100 1027 43 bei der Kreissparkasse Reutlingen tun.

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