Betzinger Bezirksgemeinderat entscheidet sich eindeutig für die Alte Bahntrasse als Variante für die Regionalstadtbahn durch das Gemeindegebiet
Anfangs waren es bis zu 16 (zumindest angedachte) Varianten, auf denen die künftige Regionalstadtbahn Neckar-Alb (RSB) durch Betzingen fahren könnte. „Viele dieser Varianten sind aus den Bürgerbeteiligungen heraus entstanden“, berichtete Prof. Tobias Bernecker als Geschäftsführer des Zweckverbands der Regionalstadtbahn im Betzinger Bezirksgemeinderat. Nach allen erdenklichen Erwägungen und Prüfungen blieben abschließend zwei Varianten übrig.
(Foto:Die Alte Bahntrasse, hier bei der Kreuzung mit der Rainlenstraße, ist die favorisierte Trasse für die Regionalstadtbahn durch Betzingen.)
Am Mittwochabend stand die Entscheidung des Gremiums auf der Tagesordnung. Die sogenannte Alte Bahntrasse stand zur Wahl und die Anbindung der Wildermuth-Siedlung über den Betzinger Bahnhof. Hinzu kam die Weiterführung der RSB in Richtung Ohmenhausen – hier konnten sich die Rätinnen und Räte für die alte Gönninger Bahntrasse oder entlang der Landesstraße entscheiden.
Der Bezirksgemeinderat in Ohmenhausen hatte sich bereits für die Landesstraßen-Variante ausgesprochen – ebenso tat dies das Gremium in Betzingen am Mittwochabend. Spannend war es hingegen bei der Frage, welche Trasse schlussendlich durch Reutlingens größte Teilgemeinde führen sollte. Einige der Ratsmitglieder hatten sich nach eigenen Worten mit der Entscheidung schwergetan.
So wie Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp. Wie (fast) alle anderen Rätinnen und Räte richtete er ein dickes Lob an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zweckverbands. „Alle Prüfaufträge sind angenommen und intensiv bearbeitet worden“, sagte Rupp. Herausgestellt habe sich letztendlich, dass die Wildermuth-Variante zwar neben manchen Vorteilen doch zu „viele Nachteile und Risiken“ berge, betonte der Betzinger Rathauschef.
Das größte Manko: Durch die zwingende eingleisige Führung der Strecke auf lediglich 200 Metern müssten Züge aus der einen oder anderen Richtung warten. Wer also nach Mössingen und von dort weiter nach Hechingen will, müsse ebenso mit einer Fahrzeitverzögerung rechnen, wie in der anderen Richtung zum Reutlinger Hauptbahnhof. Dort wäre die Anbindung an die Züge nach Stuttgart gefährdet. „Nach langer Abwägung habe ich mich für die Alte Bahntrasse entschieden“, betonte Rupp.
Ebenso äußerten sich die meisten anderen Ratsmitglieder. Martin Schöfthaler (Grüne) etwa: „Schweren Herzens habe ich mich von der Bahnhofs-Variante verabschiedet, aber wir müssen alles im Blick haben, das ist wie bei der Windkraft.“ Lothar Richter (SPD) betonte, dass er schon immer für die Alte Bahntrasse gewesen sei, Dagmar Krause (FWV) hielt diese Variante ebenfalls für „vernünftig“. Sie regte zudem an, an der geplanten Haltestelle Haldenäckerweg Rad- und Autoabstellplätze zu installieren.
Dem stimmte auch Katharina Ernst (Grüne) zu, „die Regionalstadtbahn ist ein Zukunftsprojekt“. Michael Ehinger (FWV) sagte, dass er die Wildermuth-Anbindung „mit angestoßen“ habe – „aus kaufmännischer Sicht bin ich aber nun auch für die Alte Bahntrasse“. Die Anbindung der Wildermuth-Siedlung komme mit drei Brücken anstatt einer sowie stetig steigenden Baupreisen letztendlich zu teuer. Karin Lenz (FDP) betonte, dass die RSB nicht allein ein Projekt für die Jugend und damit für die kommenden Generationen sei – sondern auch für die heute schon Älteren.
Jenny Winter-Stojanovic (FWV) stimmte zwar auch für „die billigere Streckenführung“, überraschte aber mit der Äußerung: „Das ganze Projekt der Regionalstadtbahn sollte auf Eis gelegt werden.“ Schienen seien nicht flexibel, andere technische Möglichkeiten würden sich in den kommenden fünf Jahren mit Sicherheit auftun.
Tobias Bernecker widersprach jedoch vehement: „Es wäre gefährlich, auf technologische Entwicklungen in der Zukunft zu warten, die es noch nicht gibt.“ Die Schiene habe trotz ihrer langen Geschichte „auch heute noch eine große Zukunft, weil sie gebündelt viele Menschen von A nach B bringen kann“.
Autonome Shuttles würden hingegen laut Bernecker nach Berechnungen etwa aus Tübingen nicht nur teurer, sondern auch noch mehr Platz benötigen als Schienen. Die Abstimmung im Betzinger Rat war recht eindeutig: Er votierte einstimmig für die Alte Bahntrasse, wohingegen sich Jenny Winter-Stojanovic und Uwe Alle (CDU) bei dem Votum über die sonstige Streckenführung durch Reutlingen enthielten. Der Reutlinger Gemeinderat entscheidet am 16. Dezember über den Verlauf der RSB zwischen Südbahnhof und Ohmenhausen.