Schon wieder das Alter. Seltsam, dass mich das immer öfter beschäftigt, mit meinen zarten 64, bald 65 Jahren?
Der Gedanke, dass auch mein Leben jeden Tag vorbei sein könnte, zeigt immer wieder der Blick auf die Todesanzeigen in den Zeitungen. Die 1960er-Jahrgänge (oder noch Jüngere) sind da immer stärker vertreten. Das macht mich schon nachdenklich.
Altern in Würde, schießt mir da wie ein Blitz in den Kopf, durchrast eine ganze Menge an Gehirnwindungen, bevor der Gedanke wieder verschwindet. Wohin? Weiß nicht. Vielleicht liegt er hier im Wohnzimmer irgendwo auf der Lauer. Unterm Sofa? Und wenn ich das nächste Mal nicht aufpasse, überfällt er mich erneut. Aber was soll das überhaupt heißen: Altern in Würde?
Was aber ist damit gemeint? Gebe ich die drei Worte in eine Suchmaschine ein, bietet mir das weltweite Netz als Ergebnisse: „Polnische Pflegerin zuhause“, „Altenpflege und Pflegedienst“, es gibt sogar eine Organisation die „Altern in Würde“ heißt. In Österreich. Es geht um 24-Stundenpflege. Klar. Was sonst?
Vielleicht geht es ja auch darum, dass man als Mensch die Würde, also die Menschenwürde (die ja unantastbar sein soll), nicht verliert. Aber: Kann ich selbst was dafür tun, damit ich in Würde alt werde? Indem ich mich etwa darüber freue, dass meine persönliche Jugend lange vorbei ist? Das tue ich tatsächlich.
Ich bin saumäßig froh, nicht mehr die Unsicherheit der Jugendtage durchleben zu müssen. Nicht mehr auf der Suche sein zu müssen, auf der verzweifelten Fahndung nach der einen, großen Liebe. Oder nach dem Traumjob. Nach einer Möglichkeit, irgendwie möglichst zufrieden durchs Leben zu kommen. Wie haben mir all diese Suchen doch die Jugendtage versaut …
Wie glücklich bin ich heute, mich auch mal zurücklehnen zu können. Mit dem guten Gewissen, nichts zu verpassen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in Jugendzeiten immer raus musste, auf keiner Party fehlen durfte. Hätte ja sein können, dass ich gerade an diesem Abend der Liebe meines Lebens begegnet wäre. Wie oft war ich bei jeder Fete … und sie ging an mir vorbei … also die Liebe meines Lebens. Hat lang gedauert, bis ich sie tatsächlich fand. Oder eher sie mich.
Aber wie funktioniert „Altern in Würde“ denn nun? Wie geht das? Nicht jammern, bei all den kleinen und größeren Wehwehchen, die einen mit fortschreitendem Alter einholen? Muss ich jetzt jeden Morgen froh sein, wenn ich überhaupt noch aufstehen kann? Getreu dem Spruch „Wenn du morgens aufwachst und hast keine Schmerzen mehr, dann bist du tot“?
So rein verstandesmäßig weiß ich ja, dass ich jetzt zum alten Eisen gehöre. Rost habe ich auch schon an der ein oder anderen Stelle angesetzt. Da knirscht und schmerzt es schon immer wieder. Aber voller Würde nehme ich das hin. Und freue mich über jeden einzelnen Tag, den ich einigermaßen gesund erleben darf. Dafür bin ich tatsächlich dankbar. Wem auch immer. Dem Leben. Dem Herrn (oder der Dame) im Himmel. Dem Schicksal. Oder auch dem Zufall. Egal wem: Ich danke Dir jetzt einfach mal. Von Herzen.