Vorurteile damals und heute

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Es ist ja so eine Sache mit Vorurteilen. Jeder und jede hat sie. Ohne sie kann man gar nicht leben, sind Bine und ich uns einig.

Das haben wir wohl direkt aus der Steinzeit übernommen, wenn es damals nämlich galt, Gefahren schnell und richtig zu begegnen. Dem Säbelzahntiger etwa – nämlich entweder schnell davonzurennen oder zu kämpfen. Heute sind Vorurteile meist anderer Art – mangels Säbelzahntiger. Heute fürchtet man sich vor der KI, vor Fremden, vor Windrädern, vor dem Neuen. Aber meist sind das ja nur die anderen, die vorurteilbehaftet sind. Trotz dieser Erkenntnis mussten wir beim heutigen Spaziergang mit Erschrecken feststellen, wie sehr wir selbst mit Vorurteilen im Kopf herumlaufen: Ein Mann auf dem Fahrrad kommt uns entgegen. Sieht nach Mongole aus, dachte ich. „Ich hatte sofort Kungfu-Kämpfer im Kopf“, sagte Bine und lachte. Ein paar Meter weiter begegnet uns ein Paar. Sie in Seidenstrumpfhose und hohen Stiefeletten, er. stämmig, in halb geöffnetem Kittel, Jogginghose, Goldkette um den Hals. „Wie kann man so spazieren gehen“, sagte Bine. In Seidenstrumpfhose bei Temperaturen um die null Grad. „Prostituierte mit Zuhälter“, sagte Bine. „Klar“, bestätigte ich. „Der Typ eindeutig Marke Proll.“ Wir lachten herzlich. „Vielleicht waren das auch Sozialarbeiter oder ein Paar, das in der Pflege arbeitet.“ Vielleicht auch Banker oder IT’ler? Obwohl … Aber in einem waren wir uns einig: „Prostituierte und ihre Zuhälter gehen doch nicht spazieren.“ Klar. Noch so ein Vorurteil. Wir lachten herzlich.

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